Abstürzen aus der Zivilisation auf der Schaubühne

am Lehniner Platz in  Berlin

von Falk Richter .

Der Textflächentext „Fear , in denglisch verfasst  von Falk Richter, wirkt, als hätte sich der Autor, jetzt ganz auf die parodistisch zugespitzten Pegida Wutreden verlegt. Seine Textfläche, – so haben sich die Theater-Insider darauf verständigt, Theaterstücke umzubenennen, es sind Textflächen-  mit wenigen Alibi-Dialogen- oje was waren das für Dialoge?-aus Plastikmüll vom Wertstoffhof? Auf all das Flächen- Zeug  hat er fünf Schauspieler und drei Tänzer aufgeteilt, die sich auf die Reise ins Herz der Finsternis machen, nach Dunkeldeutschland, wo die Zombies wohnen. Das sind übrigens nicht Falks Begriffe, es sind Papierblüten der Presse, der Spiegel hat die Metaphern erfunden vom dunkelen und vom hellen Deutschland; zu letzterem zählen sich selbstredend die hoch subventionierten Staats-Theater und ihre neusten Gurus wie eben F. Richter..

Während elektronische Musik in Endlosschleifen pulsierte, stellten die Schauspieler Pappkameraden auf, klebten realsatirisch die Gesichter von Eva Herrmann, Beatrix von Storch und Birgit Kelle drauf und auf die kühle Podest- und Steglandschaft, mit der Katrin Hoffmann die hintere Bühne füllt, Protestslogans wie „Abendland in Christenhand“.

Das sollte unterhaltsam sein, jawoll, wenn Alina Stiegler mit blonder Langhaarperücke und im blauen Glitzerfummel unter Ganzkörpereinsatz als eine irre Psycho-Mischung all der rechten Horror-Frauen ihre Weltverschwulungstheorien vom Balkon herab bellte wie eine Nazihündin. Wenn Kay Bartholomäus Schulze über sein Erstaunen darüber, was mit den Menschen im Osten in den letzten 25 Jahren passiert ist, dann selbst gegen Flüchtlinge zu hetzen beginnt – wurde der Firnis der Zivilisation auf der Schaubühne ganz  dünn. Wenn alle das Leben der Beatrix von Storch als Horror-Klamauk nachspielten….während die Antifa draußen ihr Auto demolierte, dann war das wohl auch unterhaltsam, wenigstens für die FreundInnen der Antifa. .

Das Textflächenstück ist nicht mehr als miserables und simples  Kabarett, freilich für den neureichen Bildungspöbel ein Kult, der nahezu ungefiltert so tut, als wäre er tief besorgt über die aktuellen  Nachrichten. Das scheint  wirklich schon alles zu sein, was Falk Richter, dem Textflächenmonteur  zum Thema Kampf gegen rechts  eingefallen ist? Kritiker monierten schon in der Pause, dass man bei der „Heute Show“ und der „Anstalt“ im ZDF mehr gelacht und viel mehr gelernt habe als in diesem sündteuren Luxus-Theater. Was würde Brecht heute dazu sagen, wenn er eine Stunde aus seinem Garb aufstünde und das Antifa-Spektakel zu sehen bekäme. .

Und  was ist mit den soziopolitischen Ursachen für Pegida und die AfD? Hette die Schaubühnendramaturgie dafür einen hermeneutischen Schraubenschlüssel?  Was wurde erklärbar mit  den wirtschaftlichen Hintergründen, die die frustrierten Ossis und die Abstiegsangst der Mittelschicht erst wirklich machten? Nichts? Gar nichts? Warum ward Heinz Bude, der Soziologe  im Programmheft zitiert, doch seine Thesen für die Bühne gar nicht ausgewertet? Warum ward Heiner Müller als Säulenheiliger  der (Ost-)Intellektuellen nur angerufen, aber als Autor nur ein einziges Mal zitiert mit seinem Bonmot zum  Woyzeck- ein altes Theaterstück, das noch keine Textfläche war, – sondern eine offene Wunde, so Müller einst.

. Das meistenteils im berlinischen Sinn aufgeklärte, politisch interessierte, abwägende, neureiche Publikum, das sich stets zu Richter-Stücken einfindet, konnte einerseits dem unter der eigenen Zivilisiertheit und Antifafreudigkeit  angestauten Hass auf die minderbemittelten, fetten, hässlichen Nazi-Trottel freien Lauf lassen, und sich dann auch über diesen Hass erschrecken, um sich zuletzt der eigenen Rat- und Hilflosigkeit anheim zu geben, und später in einer Kneipe noch eine Nacht lang durchzudebattieren . Das war bei aller Unterhaltsamkeit ganz viel Seelenhygiene, die einem an einem Theaterabend im Berlin heutzutage serviert wird.Und zwar brühwarm.

Bei Richters „Fear“ gibt es viele krasse, fiese und lustige Nummern, professionell gemimte Besorgtheitstiraden, entlarvende Audio-Einspieler, trashiges Nazi-Bonzenbauerntheater, aufgemotzt mit ein paar Prügel-, Stürz- und Rüpel Szenen und aufgedonnert mit viel lauter ohrenzerreißender Musik.

Wie blass  aber das alles war, das merkte man sofort, wenn Original-Stimmen der Wutbürger und Pegida Typen  eingespielt und rhythmisch gesampelt wurden zum Farb- und Trommeldröhnen des besseren, feineren Theaters . Der hysterische bis  authentische Irrsinn , der einem da entgegendröhnt, der schrille Nationalstolz, die Wahnsinns- Wut der Zukurzgekommenen, ist so viel vitaler und entsetzlicher  als alles, was sonst in  den Tex tflächen  von „FEAR“ passierte.. Das alles war bloß Theater und Textflächenklamauk  innerhalb einer  linksradikalen  Blase, als die sich der Glaskasten mit Marken-Laptop und  Zimmerpflanzen interpretieren lässt, wohin  sich die blasierten Protagonisten dann nach dem Spektakel wieder ins hellere  Gutmenschen Dasein   zurückziehen…

 

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