Jäger,Wilderer und Denunzianten

Das Bild von der Jagd, das Herr Gauland nach der letzten Bundestagswahl gebrauchte:-„wir werden sie jagen“ und damit sofort ähnlich wie mit seinem s „Vogelschiss“ ein empörtes Geschrei entfachte, zeigt, wie fremd auch seine Gegner im poetisch-rhetorischen Reich der Metaphern sind. Denn gejagt wird das edle Wild, nicht handzahme Polititker und kreuzbrave Befehlsempfänger, samt ihren Beratern aus den Sprechlaboren des Nonsens.

Das Bild ging also gründlich schief. Doch statt mit einem Gelächter zu antworten, ermunerte die buchstäbliche Missgeburt zahllose Schläfer in der Medienwelt, die prompt auch ihre alten Flinten aus dem Schrank holten, um auf klammheimliche Anhänger jenes Herrn Gauland und seiner Jagdgesellschaft ebenfalls ihr Hallali zu blasen. Zuletzt traf ein Heckenschütze hinterm Plastikwald jetzt den Germanisten und Bestsellerautor Rüdiger Safranski, der im Verdacht stehe, für die neuen Rechtsnationalen eine Lanze zu brechen. Das ist natürlich dumm und gleicht eher einer Hexenjagd, wie wir sie von früher her kennen und erzeugt ein Klima der Denunziation, das die Debatte vergiftet, aber kaum den alten Ehrbegriff berührt, den auch der heutige reale Jäger noch i für sich in Anspruch nehmen darf. Dazu der spanische Philsoph Ortega y Gasset:

Denn darin wurzelt ja der ganze Reiz und die Wonne des Jagens,

 dass der Mensch, der durch seinen unvermeidlichen

Fortschritt aus der urväterlichen Nachbarschaft mit Tieren, Pflanzen

und Gestein, kurz der Natur verdrängt ist, sich der künstlichen Rückkehr zu ihr erfreut,der einzigen Beschäftigung, die ihm so etwas wie

Ferien vom Menschsein gestattet“.

So steht die alte Wortbedeutung fest wie ein Goldbarren im Falschgeld , und sie zerren sie nun in ihre fiktiven politischen Garküchen auf den bekannten Augenhöhen , als gebiete es ihnen die politisch neue Toleranz , und zwar topaktuell, den gesamten Sprachwald für alle möglichen Wilderer und Landsknechte freizugeben. So wird auf fruchtbarem Sprachhumus ein unwürdiges Bauernpalaver aufgeführt, das keiner gerechten Sache, sondern nur der geerbten Sehnsucht nach einem Feinde dienen soll. Oberförster Gauland hat diesen Feind in den Fremden anvisert, die er verjagen will. vornehmlich die Mohamedaner, wie man einst sagte, bevor uns die Muslime im Land einen schöner klingenden Sprachgebrauch beigebracht haben. Also wo läuft der Faden hin? – Man sollte die Metaphern nicht aus ihrem Mutterboden reißen und sie den Modemachern mit ihrer PR-Speech zum Fraße vorwerfen. Wir brauchen die alten Schätze – sie nennen sie flach wie sie denken „Werte“- immer wieder und vertrauen ihrer Urspürnglichkeit weit mehr als den Usurpatoren des räudigen Zeitgeists.

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