Vor dem Duell- high noon

Es wird noch ein paar Tage spanend bleiben, wer nun den Zweikampf: Seehofer gegen Merkel gewinnt. Hinter Seehofers Überzeugung steht die dem Trump nachempfundene Parole: Bayern first. Der bayrische Patriotismus blieb unbeschädigt, wohin gegen der deutsche noch immer lahmt und kränklich wirkt. Helmut Kohl versuchte das Problem zu überspringen, indem er viel von Europa schwärmte, was sich so anhörte, als träumte er wirklich von einem europäischen Patriotismus , den er aber nie plausibel zu formulieren wusste. Er dachte schlicht, wenn der „Bimbes“ (sein Ausdruck für Geld) stimmt, folgt alles andere automatisch nach, schließlich sogar irgendwann der europöische Patriotismus. Dann wäre unsere deutsche Misere, zum eigenen Land keine gültigen Gefühle zu haben, geheilt, ausgesessen, erledigt. So schlicht dachte H. Kohl noch. Die Sozialdemokraten suchten dann dem frevelhaft deutschen Übel des Überlegenheitsdünkels entgegen zu wirken, indem sie eine deutschtürkische Integrationsbeamtin einsetzten, die der deutschen Kultur nicht viel abgewinnen konnte, ja ihr sogar die besondnere Dignität öffentlich absprach. Diese deutsche Kultur bestehe ja „nur“ in der Sprache, sagte sie.. Nur? Statt dieses „nur“ zu skandalisieren, schleppten die von der Dame Provozierten alle möglichen Monumente und Möbelstücke in die aufgeregte Debatte , also die gotischen Dome, das Volkslied, überhaupt die Musik, Bach und Beethocen und sonstige Bräuche wie das Oktoberfest und den Tag der deutschen Einheit.. So waren wir im Handumdrehen wieder im Halbdunkel der Gleichwertigkeit aller Kulturen. Denn wer wertete diese Gleichwertigkeit schon gerecht und objektiv aus, die Wissenschaft, ein Diktator, ein internationales Jurorengremium? Man sieht, diese Idee ist zu hoch für unsere mentalen Kartoffel-Breiten. Von hier, den historischen Ruinen des Geistes aus, wirkt, sie verstiegen sogar, aber wir enthalten uns der Satire aus Pietät und weil wir wissen, dass unsere Vorfahren, ich meine alle vor Hitler, diese Idee verehrten und an sie sogar glauben wollten.

Ein heillose Sprachverwirrung herrscht bis heute als Quittung dafür, dass man nicht eben die deutsche Sprache selbst befragen wollte, die doch alles weiß, was wir dachten und denken können und die die deutsch-türkische Dame als eine belanglose überschätzte Qualität hinstellen wollte. Wieder waren die Bayern im Vorteil, denn niemand in Bayern ließe sich die eigene Kultur und den eigenen Dialekt öffentlich gering schätzen oder klein reden. Also sagt Söder etwas lockermundig , beinah flapsig, wie er sich gerne gibt und damit nicht wenig zu seiner Popularität beiträgt, schützen wir doch erst einmal die eigene Bevölkerung, bevor wir weiter auf Europa warten, denn wIr warten ja schon so lange. Hier grinst er leicht, kaum merklich. Dann können wir uns ja trotzden weiterhin an dem feierlichen Geschwätz über die Zukunft Europas beteiligen. Deutlicher hätte er seine Ignoranz gegen Europa nicht ausdrücken können. Seien wir ehrlich, sagt man in Söderkreisen, außer ein paar Spinnern und Intellektuellen weiß doch kein Mensch was dieses Europa sein soll. Oder meinetwegen werden soll. Und auch diese wenigen Intellektuellen und Künstler haben bisher keine plakativen, die einfachen Völker ergreifenden Europaideen produziert, sondern im Gegenteil, sie wollen, total weltfremd wie sie sind, zurück zu Rousseaus universellem Glauben, der Mensch sei zuerst Mensch, bevor er sich zum Franzosen bzw. zum Deutschen läutern könne und solle. Wer glaubt denn das heute noch, wo es ständig um Identitäten geht und kulturelle Minderheiten ? Eine hohe Menschheitsidee, die durch den Phrasenapparat der kommerzialisierten Medien eben keinen Mensch mehr erreicht, sondern allenfalls die einer Nation zugehörige Gruppe von Leuten, die aber solche Universalien, wie Rousseau sie einforderte, schon lange nicht mehr verstehen. Nicht einmal die 68er Ideologen verstanden die Idee, auf die sie sich scheinbar beriefen, aber sie begriffen als Menschheit immer nur die sog. dritte Welt. Also keineswegs das Ganze. Die eigene Nation sollte man aus Buße vernachlässigen, zur Seite schieben. In den Darkroom der Geschichtsvergessenheit . Das rächt sich jetzt.

Also muss man optimistisch an die Wurzeln zurück, sagt sich der Söder, und zuerst fränkisch denken, im Sinne Bayern first, dann deutsch und irgendwann europäisch. Von mir aus, dann war er wieder weg vom Fenster.

Seehofer weiß, er kann als deutscher Inneminister diese erzbayrische Gesinnung nicht eins zu eins übernehmen und sich so in Gesamtdeutschland ausdrücken, aber er hat den bayrischen Common sense im Rücken, und er hofft die ganze Volksmehrheit der Deutschen für seine harte Flüchtlingspolitik hinter sich zu bringen. Denn auch wenn die Deutschen ihr Land nicht so emphatisch lieben können wie die Bayern eben immer zuerst Bayern, so einen the teutonic people doch die Werte von Sicherheit und Ordnung noch ein wenig. Das nutzen die neuen Nationalisten und reiben sich die Hände, sie haben keine Not, Deutschland überschwänglich zu lieben und zu loben.

Dies ist die Stelle, wo  in letzter Sekunde noch Schäuble aus den Kulissen treten könnte, der Protagonist und Fürsprecher deutscher Finanzpolitik. Gegen ihn verlören die Bayern vermutlich doch noch. Wolfgang Schäuble könnte mit sachlichstem Pathos und belegbaren Zahlen darauf verweisen , dass ohne Frau Merkel Europa in eine tiefe Falle stürzen könnte. Wollen das die Bayern verantworten?

Ob Frau Merkel das spürt und ihrem Freund Wolfgang die Führung im Streit überlässst?

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