Ein Aufstand findet nicht statt

Ach all die Freunde, die sich angesteckt haben an der Hypermoral, die nicht mehr rauchen, auch im Sommer mehr Eistee trinken als Bier, denn alle wollen schließlich gesund bleiben, all die Freunde, wie sie sich nannten, verziehen sich allmählich. .

Alle treiben lieber viel Sport, sogar die Diskothekenbesitzer. die Radlerinnen und die Autoverkäufer ohnehin. Sie alle machen sich fit für die Digitalisierung, die für einige schon gekommen scheint , von anderen nervös jetzt stündlich erwartet wird. Die Zukunft wird auf alle Fälle eine gigantische Leistungssteigerung bedeuten, denn wer nicht fit ist, wird abgehängt. Das kann gnadenlos werden.

Dennoch siecht  der allgemeine Tugendterror  allmählich dahin. Trump reißt ungeniert alle bürgerlichen Dekorationen herunter, hinter  denen sich die akademischen Trittbrettfahrer und Moralin-Philister bisher verstecken. Rätselhafte Geschichte, wo die Wende  immer von ganz unverhoffter Seite hervorbricht, plötzlich jetzt wie Trump, der mich sehr an die Figuren des Absurden Theaters erinnert, auch an Jarrys König Ubu. Auch an Dürrenmatts Romulus und Frank V. die Absurden- europäische Dichter und Denker- haben den Braten schon in den 50er Jahren gerochen. Die 68er wie Peter Stein und Leute wie Rieschbieter, der dicke große  Professor, verwarfen Ionescos Werke, wie die von Witkiewicz , Mrozzek  und Audiberti und vielen anderen , da diese kein richtiges gesellschaftliches . Bewusstsein hätten.. Dieses deutsche Verdikt,dem sich auch die Kardinäle der DDR Kultur anschlossen, versperrte uns die Sicht auf die fanatsievolleren Poeten und Denker in Frankreich, auf dem Balkan, in England  und in Polen. Wir haben bis heute trotz Kafka keine Vorstellung von der gewaltigen Unlogik des Absurden,das unsere Ordnungsübungen und Schulzwecke  seit Jahrzehnten schon einem Höllengelächter aussetzt. Ein rätselhafte Macht, die unsere rationalistischen Abwehrmeinungen so grotesk erscheinen lassen, als wollten wir mit allen Mitteln und Giften unserer Hochtechnologie den Klimawandel ins Netz  integrieren, dort dann besiegen und hinter uns lassen. Eine riesige Illusion, wie sie gewöhnlich nur die großen Weltreligionen zustande bringen.

Das gesellschaftliche -Gespensterwort irrt immer noch bedeutungs-schief in allen Räumen herum. Alles mögliche wird dadurch erklärt, dass man es als gesellschaftlich bezeichnet. Ein Wort wie jedes andere wie das Wort modern zum Beispiel, es sagt auch nichts und jeder meint, er habe trotzdem etwas Wichtiges verstanden. Statt gesellschaftlich  konnte man auch kalt immer sagen  oder modern oder warm, egal. Die Moderne oder die Kälte, aber es gab auch Wärmezonen darin manchmal, behaupten sofort wieder andere.  Also man weiß nichts Genaues oder Konkretes.

Frau Kipling und Onkel Bartsch von der Linken und auch das süße Schnäbelchen Anna Lena von den Grünen, die die ganze Welt retten will, sie reden alle noch immer gerne von den gesellschaftlichen Bedingungen, die sie bekämpfen und reformieren werden. Gott schütze uns vor der süßen Maus, die glaubt, sie könne bald schon fliegen.  Unvergesslich die Chose wie weiland Brüderles Dirndlsexismus, – machte er doch tatsächlich spät nachts noch eine Sternjournalistin an -aber nicht wie ein Verbrecher,  nein,  eher wie ein Weinkönig, der sich auf Kavaliersdelikte versteht – usf…. unvergesslich auch die historische Metapher vom Vogelschiss, die Bösewicht Gauland in den Ring warf und enorme  Turbulenzen damit erntete. Sogar ein Sprachforscher und ein Historiker –warum war schon wieder keine Frau dabei, frag ich mich doch ? – traten auf den Plan und wiesen nach, wie sie glaubten, dass die Metapher vom Vogelschiss, so wie Gauland sie intoniere, wahre Millionen von Hitleropfern verhöhnt habe, die Metapher schaffte das. Schier unglaublich..? .  

Zurück zum Brandaktuellen: Natürlich  hätte der Superhorst aus Bayern jetzt die Gelegenheit, Madam Angela zu stürzen. Ich vermute, dass er im Moment gerade noch fleißig  telefoniert, um die Duckmäuser aus der CDU zu überreden, aus ihren Verstecken herauszutreten und für ihn und seine verschärfte Flüchtlingsbekämpfung zu votieren. Aber dann müsste der Horst stracks auf den Kanzlerposten zustreben,- wird er das tun? Nein, eher nicht, er ist doch ein Zauderer, der eine Revolte mit seinem  viel zu weichen Charakter nicht  schaffen kann. Nein, nein, der Horst hat nichts vom F.Josef Strauss. Das hat sich ja schon gezeigt bei seiner Niederlage gegen das  windige Medien-Kasperle  Söder. Auch dieser Bruder Leichtfuß kommt häufig vor bei den Absurden übrigens. und wurde immer übersehen vom Publikum, das nun auf den Markus drum hereinfallen musste. Ich gebe zu ich genieße die Schadenfreude, wenn das Massenpublikum dem Hans Wurst, dem urdeustchen Archetypus auf de Leim geht und sich von ihm die Welt erklären lässt. Das hat etwas von einer Real-Komödie, die ein nachhaltiges authentisches Lachen, wie sie jetzt gern sagen, erzeugt.  

Ich fühlte mich wie in einem Luis Trenker Sktetch, als ich sah  wie der Söder jetzt die Kreuze selbst anbrachte und sich filmen ließ vom Bayrischen Fernsehen. er geniert sich kein bisschen, mit dem Heiligen ernsthafte Späße  zu inszenieren,aber was heißt heilig? Darf das Heilige denn keinen Markenkern haben?Seien wir nicht päpstlich, haben wir einfach auch einen Humor.  Das war doch was Drolliges mal für das Geschichtsbuch, -denn in der Geschichte wird nicht nur herum geirrt, sondern auch gelacht oft. Auch Karl V. habe in seiner Jugend sehr viel gelacht. Im Grunde war die Kreuzperformance gar  nicht zu toppen. Erinnerte mich auch ein bisschen daran, wie die  bürgerlich Konservativen , wie sie sich dünkten, auf den niedlichen Christan Wulff samt seiner Traumfrau reinfielen, weil er immerzu so schön gekämmt war und seine Bügelfalten so scharf und astrein waren, wie man sie eben  in Hannover noch liebt. Freilich als Staastoberhaupt in den Luxusvillen der Superreichen wie ein Sozialschmarotzer Urlaub  nachen, das war kein starkes Stück. Das konnte er nicht verantworten, dazu fehlte im Witz und Selbstironie. Nein, aber ich bin abgekommen vom Thema Horst. Der Horst wird den Sturz Merkels wieder versäumen, und einige Duckmäuser in der CDU werden zwar anonyme Posts ins Netz stellen, aber sich nicht outen. Jeder in der CDU erinnert sich noch an die zögerliche Revolte Lothar Späths gegen den dicken Kohl, sie endete im totalen Desaster.

Aber komme was auch kommen muss, ich achte fortan eisern auf meine Heiterkeit, wie viele andere auf ihren Zucker, ich sag mir, bloß nicht den Übermut verlieren, mit dem ich im kollektiven Unbewussten im Netz  herumstreune, dann ab und zu wieder was Gescheites ( B. Croce)  aus der Vergangenheit lese und oft auch ein Gegenwarts-Romänchen aus den USA, wie das soeben bei Ullstein erschienene Buch “Fische” von einer Frau Broder. Viel Tristesse, viel Pornomüll darin, aber auch  echte Verzweiflung und Angst vor der großen Leere. Die Jubelfeiern die das Feuilleton jüngst abzog, anlässlich des Todes Philip Roths, haben mich gar nicht überzeugt. Ich weiß, dass der Mann sehr süffig schreiben kann, aber denkt er auch tief genug, frag ich mich als typischer Deutscher, lachend.  Aber gut, Roth ist eh nicht mein Fall.

Genieße so gut es nur geht den Sommer, der hier in der Allgäuer Pampa besonders schön ist wegen der klaren, ganz sauberen Bergseen, – es ist ein großes Schwimmvergnügen —  

 

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