House of Cards – deutsche Seifenoper mit Martin Schulz

Der neue Spiegelstar Feldenkirchen, der während des letzten Wahlkampfes schon den tapferen Martin Schulz begleitet hat, schrieb nun ein Buch über den tragischen Helden und chatakerisiert ihn, der sein Schicksal für die SPD in die Bresche schlagen wollte, aber von dieser wieder ausgemustert wurde, in seinem Abgang gleich einmal so:

„An diesem Rosenmontagabend erinnert nichts mehr an den fröhlichen, unbekümmerten und irgendwie auch unverdorben wirkenden Menschen, der sich vor einem Jahr aufmachte, deutscher Bundeskanzler zu werden. Jetzt sitzt da ein gebrochener Mann, versehrt, körperlich wie seelisch.“

Erschien uns Schulz je unbekümmert, war er nicht im Gegenteil der erste Landeskümmerer, dem das magere Leben der kleinen Leute so sehr auf die Tränendrüse drückte, dass mit ihm oft der pathetische Gaul durchging. Und was seine Verdorbenheitsgrade angeht, wüsste ich nicht, warum diese heikle Sache den Feldenkirchen interessieren könnte. Es schreibt sich halt so „irgendwie unverdorben“ ganz nett.

Es ist klar, er will aus dem Kämpfer einen Schmerzensmann machen, das kommt sicher sehr gut an bei der Menge. Also hat sich Feldenkirchen zunächst um die Fallhöhe zu sorgen, die er wie folgt aufbaut.

“ Als Schulz noch leuchtete. Damals und fast alle, die ihm zuhörten, leuchteten auch. Jetzt leuchtet nichts mehr.“ Licht aus, Schulz aus der Geschichte ausgestoßen.

Aber Feldenkirchen sucht hier seinen empathischen Ton: „Wer verstehen will, was die Spitzenpolitik mit einem Menschen machen kann, sollte Martin Schulz im Februar 2017 und an diesem Abend des 12. Februar 2018 erlebt haben.“

Die Spitzenpolitik ist schuld, jaja die da oben. Mit diesem Wink liegt Feldenkirchen voll im Trend. Warum ist Schulz moralisch nur so „irgendwie unverdorben“ und geht nicht einfach zur nächsten Partei, wie andere vor ihm. Und wenn kein anderer Laden ihn will, die Bertelsmannstiftung hat ganz sicher einen Posten für ihn. Mein Gott Martin, die Welt ist schlecht, der Kopf ist klein, das hat doch Brecht schon gewusst. Feldenkirchen resümiert nochmal und nochmal:

„Er ist als Politiker erledigt, als Mensch desillusioniert. Die einzige lange Freundschaft, die er in der Politik pflegte, die mit Sigmar Gabriel, ist ebenfalls zerbrochen. „Entweder du killst ihn, oder er killt dich“, hatte Andrea Nahles ihn zu Beginn seiner Kampagne vor Gabriel gewarnt, berichtet Feldebnkirchen und meint: „Sie sollte nicht ganz falsch liegen“.

Oh je jetzt zieht er auch die Nahles noch mit in das Drama hinein, Lady Mcbeth aus dem Kohlenpott, aber er kann noch viel mehr, ohne zu zögern greift er in den nazarenischen Malkasten hinein. Das Christentum mag out sein, seine Bilder wirken noch immer kräftig auf die Gemüter.

„Es wird nicht leicht für ihn, seinen Frieden mit diesem Jahr zu machen. Auf diesem letzten Flug von Köln nach Berlin spricht Schulz von eigenen Fehlern, aber auch von Intrigen. Vieles, was er in den vergangenen Monaten erlebt hat, erinnerte ihn an „House of Cards“, die US-amerikanische Serie über Brutalität und Niedertracht in der Politik. Seine Anhänger und seine Partei, die ihn als „Gottkanzler“ gefeiert und mit einem irrwitzigen 100-Prozent-Ergebnis zu ihrem Erlöser gekrönt hatten, wollten ihn nicht mal ein Jahr später nur noch loswerden. Er weiß nun, dass es eine dornige Krone war, die sie ihm aufgesetzt hatten. „

Nein, das ist wirklich zu dick, Feldenkirchen so farbig ist unsere Welt nirgendwo. Ich verlasse den Theaterstadel wieder, Schulz als dornengekrönter SPD-Erlöser, ist das nicht der dümmste Kitsch, eigens für Spiegelleser gemalt und gemacht? Freilich Journalismus ist heute ein Geschäft wie jedes andere, die Kunden müssen den Text nur geil finden, nicht verstehen im Sinne wahrer Buchstaben, die zum heiligen Geist führen.

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