Von Lümmeln, Bürgern, falschen Titeln

Das Volk ist der große Lümmel, sagte der berühmte,besonders bei den Sozis populäre Heinrich Heine. An ihn, den Lümmel muss ich immer denken, wenn er wieder murrt, wenn die Sozialdemokraten ihn wieder verwöhnt haben oder andere Tribunen ihm wieder falsche Versprechungen einflößten. Dann aber sag ich mir: ach komm, es ist längst vorbei, das Volk ist ein Begriff von vorgestern.

Viele der modernen Sparkassenkunden sagen deshalb lieber Bevölkerung oder Konsumentenmasse, noch einfacher, denn das Volk ist ein hohler Quantitätsbegriff geworden.Nichts mehr ist übrig geblieben von der schier heiligen Substanz, wie sie in den großen Chören bei Wagner und auch bei Verdi zu hören ist. Keine Rede vom biblischen Pathos von Gott und seinem Volk kann mehr sein.

Ähnlich wie dem Volk ging es mit dem Bürger, der einst ein revolutionärer Ahn, dann ein verächtlicher Bourgeois wurde, verfressen, habgierig und dumm. In der 68er Revolte, ich erinnere mich gut, war die bürgerliche Gesellschaft deshalb ein Kampf-und Ekelpaket, das man mit dem Fuß herumstieß wie eine Blechdose, hämisch lachend und böse im Herzen. Oh Heine.

Denn mit diesen Idioten, die ihre eigene Revolution verrieten, war nichts zu machen, kein Staat, keine Utopie, nichts.

Darum schien es mir wie ein absurdes Wunder, als dieselben Leute, inzwischen grün und alternativ- chaotisch gewandet kaum zwei Jahrzehnte später, also dieselben Leute und ihre Kids den Begriff etwas umstellten und nun euphemistisch von Bürgergesellschaft sprechen und zwar bis heute. Der Bürger, gestern noch tief gehasst, plötzlich wieder veredelt . Die Soziologen und die Redakteure sprechen ihnen nach, denn sie haben von Sprachkritik ja nicht die geringste Ahnung. Wir haben nun also neben dem Volk noch eine leere Hülse, den Bürger, vom Arbeiter redet eh niemand mehr. Selbst die Linken ließen ihn längst im Stich und alle rangeln sich nun um die Minderheiten, der neue Fetisch der akademisch Gestrandeten, die für sich keinen besseren Namen verdienten bisher,als den Fassaden-Begriff des Gutmenschen. Man sieht, selbst einfachsten Bezeichnungen geht es an den Kragen. Jetzt.

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