Short Story

Als man vor Jahrhunderten die Vernunft entdeckte und sie bald zum Ersatz aufGottes Thron erhob, fiel sie bald in die Hände jedermanns, und man zerredete und zerfledderte ihren Begriff, bis sie in unseren Tagen in Gestalt eines mageren, sterbenskranken Greis‘ ,wie der 120 jährige Cassanova, der sie wohl einst als erster geraubt und geschändet hat, uns anbettelt, sie doch endlich ganz aus unserem Gedächtnis zu streichen.

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Metoo und die Folgen

Der Chef kommt mit einem Blumenstrauß ins Büro und geht auf Frau Höchst, die gerade telefoniert, zu:

Frau Höchst: Moment Gabi, glaub der Chef will gerade was von mir, bleib dran bin gleich wieder da..

Höchst: ja Chef.. was ist ?

Chef: herzlichen Glückwunsch Frau Höchst.. man soll ja eine Dame nie nach ihrem Alter fragen, aber Sie sehen ja wirklich noch so großartig aus, als wären sie nochmal 25 .. was sag ich.. 22

Höchst: was soll die Anmache Chef, und diese öde alte Machomasche .. Sie wissen.. damit hab ich Sie in der Hand—- 25, dass ich nicht lache, aber so sehen Sie mir aus, noch als alter Sack an jungen Dingern rum schrauben wollen ..

Chef: aber liebe Frau Höchst..das war doch als Kompliment gedacht

Höchst: sehr ranzig dieses Kompliment Chef und die Blumen können Sie wieder mitnehmen, ich mag keine Blumen hier herumstehen haben..

Chef. Dann entschuldigen Sie bitte, Frau Höchst, das war höchstens ein Missverständnis..

Höchst. Jaja ist ja gut, sparen Sie sich die Schleimspur, ich rutsche darauf nicht aus

Chef: verdrückt sich kleinlaut schnell wieder zur Türe hinaus

Höchst: Gabi, bist du noch dran..ach nichts ..nur der Chef, der alte Labersack wollte mich anmachen hier.. ich sei ja noch wie 25 so jung..kennt man ja die Tour

ne hab nichts vor .. ja komm ich mit.. ich liebe den Lauterbach, der deutsche de Niro …sag ich immer (kichernd) seit Jahren beide meine Masturbationsvorlage ..ja freu mich… bis heut Abend ..

Von Lümmeln, Bürgern, falschen Titeln

Das Volk ist der große Lümmel, sagte der berühmte,besonders bei den Sozis populäre Heinrich Heine. An ihn, den Lümmel muss ich immer denken, wenn er wieder murrt, wenn die Sozialdemokraten ihn wieder verwöhnt haben oder andere Tribunen ihm wieder falsche Versprechungen einflößten. Dann aber sag ich mir: ach komm, es ist längst vorbei, das Volk ist ein Begriff von vorgestern.

Viele der modernen Sparkassenkunden sagen deshalb lieber Bevölkerung oder Konsumentenmasse, noch einfacher, denn das Volk ist ein hohler Quantitätsbegriff geworden.Nichts mehr ist übrig geblieben von der schier heiligen Substanz, wie sie in den großen Chören bei Wagner und auch bei Verdi zu hören ist. Keine Rede vom biblischen Pathos von Gott und seinem Volk kann mehr sein.

Ähnlich wie dem Volk ging es mit dem Bürger, der einst ein revolutionärer Ahn, dann ein verächtlicher Bourgeois wurde, verfressen, habgierig und dumm. In der 68er Revolte, ich erinnere mich gut, war die bürgerliche Gesellschaft deshalb ein Kampf-und Ekelpaket, das man mit dem Fuß herumstieß wie eine Blechdose, hämisch lachend und böse im Herzen. Oh Heine.

Denn mit diesen Idioten, die ihre eigene Revolution verrieten, war nichts zu machen, kein Staat, keine Utopie, nichts.

Darum schien es mir wie ein absurdes Wunder, als dieselben Leute, inzwischen grün und alternativ- chaotisch gewandet kaum zwei Jahrzehnte später, also dieselben Leute und ihre Kids den Begriff etwas umstellten und nun euphemistisch von Bürgergesellschaft sprechen und zwar bis heute. Der Bürger, gestern noch tief gehasst, plötzlich wieder veredelt . Die Soziologen und die Redakteure sprechen ihnen nach, denn sie haben von Sprachkritik ja nicht die geringste Ahnung. Wir haben nun also neben dem Volk noch eine leere Hülse, den Bürger, vom Arbeiter redet eh niemand mehr. Selbst die Linken ließen ihn längst im Stich und alle rangeln sich nun um die Minderheiten, der neue Fetisch der akademisch Gestrandeten, die für sich keinen besseren Namen verdienten bisher,als den Fassaden-Begriff des Gutmenschen. Man sieht, selbst einfachsten Bezeichnungen geht es an den Kragen. Jetzt.