Global heroes

…höre prominente Politiker immer davon reden, dass es zu ihren festen Vorsätzen gehöre, die Globalisierung so zu gestalten, dass der normale Mensch keinen Schock erleidet, wenn der neue Hurrican des Fortschritts ihre Gewohnheiten und Verhältnisse so durcheinanderwirbelt, dass man das Bewusstsein zu verlieren droht. Das soll nicht sein, deshalb wolle man die Globalisierung gestalten mit allem drum und dran, auch einschließlich der Digitalisierung. Selbstredend. Gestalten ist ein schönes natürliches Wort, sehr beliebt bei den Kunsthandwerkern, auch bei den Naturfreunden und den Psychologen. Es verspricht sogar Nachhaltigkeit. Doch bei Lichte erleben wir doch das Gegenteil, müssen wir doch mitleidvoll zusehen, wie die Globalisierung die Politik zerfetzt, verunstaltet und lächerlich macht. Das hat einen tragischen Zug und erinnert mich an die ohnmächtigen Sprechblasen, die unsere PolitikerInnen landauf landab jdesmal nach einem dieser entsetzlichen Terrorangriffe mit vielen Toten loslassen müssen. „Lebt weiter so, tut als ob nichts wäre, lasst euch keine Angst machen, das wollen die Verbrecher nur, geht weiterhin auf die Straßen und Märkte, so leistet ihr Widerstand und wir kümmern uns inzwischen weiterhin um den globalen Kampf gegen den Terror. “ Schön gesagt und sicher gut gemeint, denn was sollen sie auch sagen, wenn sie wie gelähmt vor die Kameras treten müssen und alles, bloß nicht schweigen können.

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Zeichen der Unterwerfung

Das Metropolitan Museum in New York soll ein Meisterwerk dr Kunstgeschichte abhängen. Balthus‘ „Thérèse, träumend“, es zeigt ein Mädchen auf einem Stuhl, die Beine sind gespreizt, unter dem roten Rock kann man die weiße Unterwäsche erkennen.

Ist das ein Fall von Heuchelei oder wer will solche Malerei heute noch verantworten? In der Ära von Weinstein, Wedel und Konsorten, da kein Tag mehr vergeht, an dem Schauspielerinnen, Künstlerinnen, Tänzerinnen oder Kuratorinnen sich nicht offenbaren – und die Karrieren von Produzenten, Schauspielern, Regisseuren ganz plötzlich enden. Das mag seine strafrechtliche Berechtigung haben in dem ein oder anderen Fall. Doch die Ausdehung des moralischen Diskurses auf den Bereich der Kunstwerke ist wohl nicht anders als absurd zu bezeichnen.

Die Sittenwächter avancieren zu Kunstrichtern

Wer glaubt sich dazu berechigt rückwirkend die Kunstgeschichte zu zensieren? Offenbar eine ganze Reihe von politisch moralischen Sittenwächtern, die in den Medien Helfershelfer fanden, diese neueste Stimmung politisch korrekter Prüderie zu verbreiten. Eine vom Folkwang-Museum in Essen geplante Ausstellung dieser Motive, wie der Maler Balthus sie liebte und vaiierte, wurde dann nach einer wochenlangen Diskussion kurzfristig abgesagt.Museumsdirektor Tobia Bezzola gab zu, in seinem Fokussieren auf kunsthistorische Fragestellungen womöglich „betriebsblind“ gewesen zu sein. Ach ja, so hört sich das an, wenn ein wohl bestallter Kurator um seinen Job fürchtet und einknickt vor der moralischen Seuche, die den Zeitgeist befallen hat offenbar.

Der Fall deutsch-muslimischer Gastfreundschaft

Denn man bedenke, ein islamistischer Staatsgast besucht die Bundesrepublik und im Begleit-oder Damenprogramm führt ein Weg in ein modernes Museum, dann wird man zum Zeichen der Unterwerfung wohl die freizügigen Werke der Kunst des Westens abhängen oder wenigstens züchtig verhängen müssen.Es ist lächerlich ja und man glaubt es kaum, aber es ist so weit. In Bremen,offenbar ein Zentrum der politischen Korrektheit,fordern die MoralwächterInnen der Metoobewegung jetzt,dass die unzüchtige Darstellung eines Mädchenbildes durch den bereits verstorbenen Maler Balthus abgehängt und ins Depot abtransportiert werden soll.Wer ist als nächster dran? Kirchners badende Mädchen?Oder der große Rubens, der die Unverschämtheit besaß,nackte Frauen so darzustellen, dass man meinen kann,sie fühlten sich in ihrer Haut sozusagen sauwohl? Bedeutet das nicht einen Sittlichkeitsverstoß gegen die Würde der Frauen?Gegen die islamistische Vorschrift unserer fremden Mitmenschen,ihren Körper als ganzen zu verhüllen und zu verbergen? Oder denken wir an den Maler Egon Schiele, müssen seine freizügigen,offen ans äußerst Obszöne grenzenden Bilder nicht schleunigst entsorgtwerden,bevor eine Muslima in die Verlegenheit gerät,in einem unserer Museen mit der Unverfrorenhiet solch unsittlicher Verworfenheit konfrontiert zu werden?

Der Fall Fränzi muss aufgearbeitet werden

Oder denken wir nur an das Leid der legendären Fränzi? Die Arbeitertochter aus Dresden diente in einem Alter, in dem Mädchen heute die Grundschule besuchen, den Brücke-Malern als Modell. Kirchner, Heckel und Pechstein nahmen sie mit zu Bade-Ausflügen, wo sie ihre Nacktheit in expressionistischem Pinselduktus und Kolorit als frei und exotisch idealisierten. Muss dieser skandalöse Fall nicht heute noch aufgerollt werden, mit der Konsequenz

diese Künstler post mortem als Täter und Kinderschänder zu überführten und aus unseren Musseen zu entfernen? Müssen wir sie nicht bald alle entsorgen oder die Missbrauchsbildnissse nicht wenigstens mit Burkas überziehen. Aus Gründen der Toleranz,der Solidarität und der Empathie mit unseren vielen Geflüchteten und Fremden?Es ist so weit, wehret den Anfängen der neuen Prüderie und des Tugendterrors,sonshaben wir bald Zusände wie in Riad oder Teheran.

Short Story

Als man vor Jahrhunderten die Vernunft entdeckte und sie bald zum Ersatz aufGottes Thron erhob, fiel sie bald in die Hände jedermanns, und man zerredete und zerfledderte ihren Begriff, bis sie in unseren Tagen in Gestalt eines mageren, sterbenskranken Greis‘ ,wie der 120 jährige Cassanova, der sie wohl einst als erster geraubt und geschändet hat, uns anbettelt, sie doch endlich ganz aus unserem Gedächtnis zu streichen.

Metoo und die Folgen

Der Chef kommt mit einem Blumenstrauß ins Büro und geht auf Frau Höchst, die gerade telefoniert, zu:

Frau Höchst: Moment Gabi, glaub der Chef will gerade was von mir, bleib dran bin gleich wieder da..

Höchst: ja Chef.. was ist ?

Chef: herzlichen Glückwunsch Frau Höchst.. man soll ja eine Dame nie nach ihrem Alter fragen, aber Sie sehen ja wirklich noch so großartig aus, als wären sie nochmal 25 .. was sag ich.. 22

Höchst: was soll die Anmache Chef, und diese öde alte Machomasche .. Sie wissen.. damit hab ich Sie in der Hand—- 25, dass ich nicht lache, aber so sehen Sie mir aus, noch als alter Sack an jungen Dingern rum schrauben wollen ..

Chef: aber liebe Frau Höchst..das war doch als Kompliment gedacht

Höchst: sehr ranzig dieses Kompliment Chef und die Blumen können Sie wieder mitnehmen, ich mag keine Blumen hier herumstehen haben..

Chef. Dann entschuldigen Sie bitte, Frau Höchst, das war höchstens ein Missverständnis..

Höchst. Jaja ist ja gut, sparen Sie sich die Schleimspur, ich rutsche darauf nicht aus

Chef: verdrückt sich kleinlaut schnell wieder zur Türe hinaus

Höchst: Gabi, bist du noch dran..ach nichts ..nur der Chef, der alte Labersack wollte mich anmachen hier.. ich sei ja noch wie 25 so jung..kennt man ja die Tour

ne hab nichts vor .. ja komm ich mit.. ich liebe den Lauterbach, der deutsche de Niro …sag ich immer (kichernd) seit Jahren beide meine Masturbationsvorlage ..ja freu mich… bis heut Abend ..

Von Lümmeln, Bürgern, falschen Titeln

Das Volk ist der große Lümmel, sagte der berühmte,besonders bei den Sozis populäre Heinrich Heine. An ihn, den Lümmel muss ich immer denken, wenn er wieder murrt, wenn die Sozialdemokraten ihn wieder verwöhnt haben oder andere Tribunen ihm wieder falsche Versprechungen einflößten. Dann aber sag ich mir: ach komm, es ist längst vorbei, das Volk ist ein Begriff von vorgestern.

Viele der modernen Sparkassenkunden sagen deshalb lieber Bevölkerung oder Konsumentenmasse, noch einfacher, denn das Volk ist ein hohler Quantitätsbegriff geworden.Nichts mehr ist übrig geblieben von der schier heiligen Substanz, wie sie in den großen Chören bei Wagner und auch bei Verdi zu hören ist. Keine Rede vom biblischen Pathos von Gott und seinem Volk kann mehr sein.

Ähnlich wie dem Volk ging es mit dem Bürger, der einst ein revolutionärer Ahn, dann ein verächtlicher Bourgeois wurde, verfressen, habgierig und dumm. In der 68er Revolte, ich erinnere mich gut, war die bürgerliche Gesellschaft deshalb ein Kampf-und Ekelpaket, das man mit dem Fuß herumstieß wie eine Blechdose, hämisch lachend und böse im Herzen. Oh Heine.

Denn mit diesen Idioten, die ihre eigene Revolution verrieten, war nichts zu machen, kein Staat, keine Utopie, nichts.

Darum schien es mir wie ein absurdes Wunder, als dieselben Leute, inzwischen grün und alternativ- chaotisch gewandet kaum zwei Jahrzehnte später, also dieselben Leute und ihre Kids den Begriff etwas umstellten und nun euphemistisch von Bürgergesellschaft sprechen und zwar bis heute. Der Bürger, gestern noch tief gehasst, plötzlich wieder veredelt . Die Soziologen und die Redakteure sprechen ihnen nach, denn sie haben von Sprachkritik ja nicht die geringste Ahnung. Wir haben nun also neben dem Volk noch eine leere Hülse, den Bürger, vom Arbeiter redet eh niemand mehr. Selbst die Linken ließen ihn längst im Stich und alle rangeln sich nun um die Minderheiten, der neue Fetisch der akademisch Gestrandeten, die für sich keinen besseren Namen verdienten bisher,als den Fassaden-Begriff des Gutmenschen. Man sieht, selbst einfachsten Bezeichnungen geht es an den Kragen. Jetzt.