Mit sich alllein?

Wie schreibt man über das eigene Leben? Einerseits ist das eine platte Angelegenheit, kaum der Rede wert, andererseits eine Fülle von Fällen und Einfällen. Was habe ich erfunden und was hat mich erfunden und getragen? Wie oft stürzte ich ab?Das versuche alles niemals auseinanderzuhalten, als gäbe es diese reale Grenze zwischen wahr und fiktiv. Das weißt du nicht, das hast du nie entschieden. Mach dir nichts vor, aber das ist unmöglich, du hast dir immer etwas vorgemacht und hast es geahnt, während du das Schauspiel abzogst. Dein ganzes Leben war dieses Vormachen, diese Lust an der Selbsttäuschung, denn sie war immer der schmerzenden Nüchternheit vorzuziehen, in der nichts geschah. Sich einzugestehen, dass nichts geschah, dass die Stimme des Schicksals sicher wieder nicht gemeldet hat, als hättest du gar kein Schicksal, als gehörtest du zu den Vergessenen, niemals Aufgerufenen? Du wurdest übersehen, so laut du auch werden wolltest, man hat dich nicht beachtet. Das bezeichne den Nullpunkt der Erfahrung, wo die Radikalisierung beginne, wo der Ignorierte sich umschaue und in seinem Nacken den Verfolger spüre, der sich als Freund entpuppe und den Vergessenen, dem ins Nichts Verfallenen Beachtung, Anerkennung verspreche. Freilich Hilfe von der Sorte Mensch, die bei allen Erziehern und Priestern der Gesellschaft als Abschaum und als Ausgeburt der Hölle verschrien und verurteilt wird. Nein das weißt du, und auf diese Art Hilfe aus dem Nebengleis der Hoffnung hast du nie gesetzt. Du konntest schicksallos allein für dich bestehen.

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