Verfall der Sittlichkeit

Ludwig XVI war tatsächlich der irrigen Meinung, die Revolutionäre würden es nicht wagen, ihre Drohung wahr zu machen und ihm den Kopf abschlagen, wenn er dann leibhaftig als König vor ihnen erschiene. Aber der transzendente Glanz der Gottgesandtheit war tatsächlich erloschen. Sie brachten ihn unters Fallbeil. Knapp hundert Jahre später erzählte uns Nietzsche, nicht nur der König, sondern auch Gott sei tot. Deshalb wollte er einen neuen Gott im Menschen erschaffen.Den sog.Übermenschen. Das klingt von heute aus wirklich wie ein schlechter Witz.

Kurz nach der Hitlerbarbarei kam ein gottesfürchtiger, katholischer alter Mann, Konrad Adenauer, an die Macht. Ihn wollte keiner ermorden, er genoss kaum Personenschutz, denn seine Gegner und Feinde, die Kommunisten und Sozialdemokraten, blieben einfach weg, wenn er irgendwo in der Öffentlichkeit auftrat. Vor diesem historischen Hintergrund wirkte es auf mich frivol, ja geradezu frevelhaft, dass ganz normale Bürger plötzlich in mörderische Wut ausbrachen, als Frau Merkel den Osten Deutschlands besuchte. Hemmungslos wünschten sie ihr Tod und Verderben. Unterstellten ihr, der frommen Protestantin, verbrecherische Motive, sie wolle das deutsche Volk auslöschen. Das ist wohl als ein historischer Sittenverfall zu bezeichnen. Die politischen Kollegen – von Özdemir bis Schäuble- wiegelten indes sofort ab und sprechen jetzt davon, dass in diesem Abfall vom guten Glauben sich gar nichts Diabolisches, sondern eben nur die echten, tief-ernsten Sorgen und Ängste all der vielen kleinen Leute wahr zu nehmen wären. Als ob das schon die ganze Wahrheit sein könnte. Aber pragmatischer Utilitarismus muss eben metaphysisches Terrain meiden, wie der alte Teufel das Weihwasser. Selbst Bischof Prof. Dr. Heinrich BedfordStrohm ist letztlich auf diesen nützlichen Argumentationslinien vor der metaphysischen Obergrenze zu verorten. Ihn konnte man heute Nacht zum Ende des Lutherjubiläums noch im bayrischen Fernsehen ausführlichst aus seinem Glauben plaudern hören. Natürlich will ich bei Gott gegen diesen netten Mann nichts sagen, der so eben ein umfangreiches Buch über die radikale Liebe herausgebracht hat. Das gehörte sich nicht. Aber auffallend war schon und leider vergaß ich es mitzuzählen , wie oft er die Wörter „wunderbar“ und „toll“ benutzte. Der evangelische Glauben ist etwas Tolles, sagt er immer wieder. Jesus hat uns was Wunderbares gesagt, und es ist einfach toll, wie er in der Bergpredigt zu uns Menschen ganz klar und einfach spricht. Es war alles toll und wunderbar, dass ich ihm gerne gesagt hätte, ohne Polemik natürlich, dass er mit seiner Jugendspeech den Eindruck erweckte, Gott sei am besten im Reich der Teddybären zu finden.

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