Rhetorischer Niedergang

Bei der österreichischen Elefantenrunde gestern fiel mir wieder auf, wie viel höher das rhetorische Niveau in der Politik dort ist. Selbst ein Strache hat schon ein paar Seiten im „Mann ohne Eigenschaften“ gelesen, dachte ich plötzlich. Der weiß wie man von der Kreide ablenkt, die man so eben gefressen hat.

Hierzulande ist das unvorstellbar, hier reicht die Macht der Schweißfüße bis in die Köpfe. Hier lesen sie im Carl von Linde Gymnasium im Leistungskurs Deutsch Hera Lind und Ulla Hahn. Das macht sich bemerkbar, daher kommt der rhetorische Niedergang. Der Kitsch und das Geplapper. „ Zunächst einmal ist das Ganze ja keine Frage, und wir werden es natürlich prüfen.“ (Kauder oder der nihilistische Text )

Sie sprechen selbst das Wort, das ihnen so wichtig ist, nämlich den Konsens durch die Bank falsch aus, betonen ihn auf der ersten, statt auf der zweiten Silbe.

Das liegt daran: Sie haben alle nie eine Ballade von Friedrich Schiller laut gelesen und vorgetragen. Dieser Klassiker ist unser größter, der Maßstäbe setzende Rhetoriker Nummer 1. Mit ihm, von ihm nur ein bisschen geschult, könnten die Damen Kipping, Schwesig, KGE, Roth usw. niemals ihre stets viel zu langen Statements herunter leiern, wie sie es bis zur Unerträglichkeit tun. Es gellt und nölt jedem halbwegs musikalischen Menschen in den Ohren. Es tut weh. Ich frage mich,warum sagt ihnen das niemand? Es gibt doch Coachs überall, der gut trainierte Lindner macht es ihnen doch vor. Sein dynamischer Vortrag federt sogar die ein oder andere Phrase ab, an der sein Text krankt. Im Ganzen wollen die meisten einfach nicht begreifen, dass die größten politischen Probleme, die uns lähmen, Sprachprobleme sind. Man drücke mit gewöhnlichen Worten das Ungewöhnliche aus, lehrt uns der Philosoph. Sie machen es umgekehrt, sie klotzen mit Begriffen, die sie meistens  nicht verstehen, um ihre Gewöhnlichkeit im Denken zu verbergen.

Das erzeugt die Politikmüdigkeit.

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