Die deutsche Kanzlerin

Die CDU hat viele Fans und Stammwähler verloren, auch die bayrischen Christsozialen, erfolgsverwöhnt wie sie sind, steckten tapfer Prügel ein, die Kanzlerin aber bleibt souverän. Was ficht sie die Schwäche ihrer Partei an, sie spielt längst in der höchsten global league und schaut milde gestimmt auf ihre künftigen Kinder herab, auf die grüne Kathrin und den ehrgeizigen Lindner. Aber sie hört ihnen gut zu, das sieht man in ihrem ernsten, stillen Gesicht, bevor sie wieder kurz und leicht den Mund verzieht. Die Zeichensprache ihres Schweigens. Irgendwas zwischen Verwunderung und Geringschätzung anspielend. Natürlich blasen die kleinen Sieger mächtig die Backen auf. Der Christian Lindner mit seinen hoch fliegenden Träumen von der digitalen Zukunft, die Kathrin mit ihrer triefenden politischen Moral. Beide kämpfen sie entschieden und weltoffen gegen die Gefahren des Neofaschismus. Beides überschäumende Selbstinszenierungen, gut gemeint und hoch hinaus gedacht, aber die Kanzlerin ist technisch-wissenschaftlich sehr beschlagen und mit weit größeren Kapazitäten im Gespräch, als der forsche junge Christian sich das vorstellen kann. Aber er wird schon sehen, er ist ja nicht dumm, und als evangelisch gefestigte lutherische Burgfrau – weiß Gott- wird sie die eifernde Kathrin, die den ganzen Planeten retten will, bald noch lehren, wie man bei Gott unsrem unbekannten Gott politisch nicht kommen sollte. Da verläuft nämlich eine paulinische rote Grenze. Ihm gegenüber den Mund  zu voll zu nehmen, ist blasphemisch, wird sie die gute Kathrin schelten. . Die Kathrin wird sie zu ihrer theologischen Meisterschülerin machen und ihr die Kraftmeierei austreiben, die doch gar nicht zu ihrem Naturell gehört. (Das ist nur der Einfluss des rohen, linksradikalen Milieus bei den Grünen.) Wenn sie fleißig lernt, wird sie sie vielleicht sogar einmal zum Papst in Rom mitnehmen. (das zweite, geheime transzendentale Projekt Angelas, die Kircheneinheit- sie und der Papst Franz ) .

Wie sie da sitzt, die kluge schweigsame Angela, noch nie hat sie jemand aus der Rolle fallen sehen – hier im Studio scheinbar inter pares, im basisdemokratischen Dekor, und doch spürt jeder – selbst die 2 vierschrötigen Journalisten, diesmal ausnahmsweise männlichen Geschlechts beide – wie Madame Angela gegen allen Anschein und trotz ihrer bescheidenen, schlichten Eloquenz vielleicht schon insgeheim einem nobleren Stand angehört  als all ihre Landsleute und einige Europäerinnen um sie herum.

Wie sie da sitzt in ihrem offenbar neuen, matt-blauen Hosenoutfit, etwas schmerzlich lächelnd über die plötzlich erwachte Angriffslust des schwer getroffenen Schulz. Es scheint ihr leid zu tun, sie hat ein Herz für die alte Arbeiterpartei und auch darüber schweigt sie. Schweigen ist ihre Stärke, denn sie kann handeln und vor allem verhandeln. Sie hat schon andere Kaliber – Schäuble, Sarkozy, Putin, Erdogan- als die beiden Jamaika- Sprößlinge bis zum Morgengrauen verhandelnd und diskutierend nieder gerungen und überwunden. Bis zum unterschriftsreifen Vertrag. Auch jetzt schaut sie auf die Uhr, sie hat ja längst alles gehört und das Nötigste gesagt, ach ja die AFD noch, was will sie, der Meuthen will mich in einem Untersuchungsausschuss zur Rechenschaft ziehen, ja gut, bitte davor habe sie wirklich keine Angst. Nur sollten die Kontrahenten bedenken, dass sie, wie wir alle, keine Zeit zu verschwenden habe, die Zukunft stelle sie wie uns alle vor schwerste Aufgaben und jetzt sagt sie einmal etwas Pathetisches, wir stehen mitten in einem Umbruch, wie er noch nie da war, sie zögert und dann sagt sie „ja in einem Umbruch der Menschheit“, kann man wohl sagen, sagt sie, als wär ihr das Pathos schon wieder halb peinlich. Nein, die Niederlage der SPD tut ihr tatsächlich Leid, die eigene kümmert sie nicht groß, es geht ja weiter, die kindlichen Forderungen der Jamaikakinder Christian, Kathrin, Cem – (und den unsensiblen Krakeeeler Trittin werden sie doch wohl diesmal zu Haus lassen,)- schrecken sie kein bisschen. Und für die AFD und ihre Säbelhiebe hat sie ja die groben Männer aus Bayern, die machen das schon für sie. Die haben viel Erfahrung am rechten Rand und aus den Bierzelten und wollen beschäftigt sein. Der Christian und die ehrgeizigen Grünen werden viel von ihr lernen und dafür einige Wählerstimmen an sie und die CDU verlieren, wie gehabt.

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