Die Grünen und die FDP

Die FDP und die Grünen hielten, 8 Tage vor der Wahl, nochmal kleine Parteitage ab, wo sie sich Mut machten und ihren Willen bekundeten, dritte Kraft werden zu wollen. Falls sie von Frau Merkel zu Koalitionsgesprächen eingeladen werden, wollen sie hart verhandeln und nur mitregieren, wenn sie ihre klaren Ziele auch durchsetzen können, um das Land in eine bessere Zukunft zu führen..

Die grüne Spitzenkandidatin Göring Eckart bekennt sich in weltanschaulich-rührender Frömmigkeit dazu, nicht nur Deutschland, sondern ihre Herzens-Kräfte auch gegen das Elend in der ganzen Welt einzusetzen, um auch diese deutlich zu bessern.

Sie sagt: „ In einer Zeit der Erdogans, Putins und Trumps ist Moral ein echter Standortfaktor, dazu stehe ich auch.“ Sie will also vollkommen -reinen Herzens Politik betreiben und Macht nur aufgrund ihrer moralischen Gesinnung anstreben. Und zwar „verdammt hart“ will sie dabei sein. Eine ostdeutsche Jean d_Arc.Um gegen Klimakatastrophe, Flüchtlingselend, Kinderarmut und Frauenunterdrückung anzukämpfen. Und so muskulös,wie ihre Stimme klang, wohl auch siegen.

Die gesamte grüne Prominenz, von Frau Roth, Hofreiter bis zu Ströbele und Kretschmann saßen in den ersten Reihen und spendeten ihr großen Beifall. Auffällig auch, dass sie heute am Sonntag alle betont werktäglich gekleidet waren. Auch sie verstanden also Kathrins Aussage als eine politisch-historische Kämpferinnen Legende. Irgendwo zwischen Petra Kelly, Lady Di und Joan Baez.

Dann wollte sie noch polemisch werden, ohne Kenntnis davon, dass auch der geistige Kampfsport seine strengen Regeln hat und auf Fakten, und seine Angriffe nicht auf fakes gebaut sein dürfen.Christian Lindner,den sie attackierte, sagte nicht, was sie über ihn Falsches berichtete. Lindner sagte nicht zu einem armen Mann, der sich vor Altersarmut fürchtet und nur 900 € monatlich auf sein Konto bekommt, dann solle er eben sparen und etwas zurücklegen, damit er sich bald eine Eigentumswohnung kaufen könne.

Fake, Rote Karte für Kathrin. So wahr ich im Wohnzimmer neben jenem Studio saß.Und selbst diejenigen,die Lindner für einen verwöhnten, arroganten Luxusstenz halten, werden ihn nicht für so dumm und ahnungslos halten, wie Frau Kathrin ihn hinstellen wollte. Das war plump von der sonst so reinen politischen Jungfrau. Polemik geht ganz anders.

Lindner, smart und betont modern und jung dynamisch auftretend, in schickem Anzug, ohne konventionelle Krawatte,wirkte ein wenig wie ein Popstar vor seinem in seriösem Businessoutfit angetretenen Publikum, das alle Hoffnung auf ihn setzt- mit heller Stimme rief er in den Saal: „wir wollen nicht immer nur Fußballweltmeister, sondern auch Digitalisierungsweltmeister werden.“Auch bei ihm der Bezug zur ganzen globalen Welt, aber nicht unter den Aspekten von Kummer und Elend, sondern die höchste Spitze und die weltweite Markenführerschaft betreffend. Deutschland,diese hoch-entwickelte Nation, so nannte er uns alle immer wieder,hat keine Zeit zu verlieren, um nach ganz vorne zu preschen. Er will die Topgeschwindigkeit mit einer technologischen und politischen Offenheit angehen und entsprechen, die sich gewaschen hat. Er will alte Hüte entsorgen und alle überflüssigen Hindernisse von Bürokratie und Bremser-Mentalitäten aus dem Weg der Zukunft räumen, um für die Menschen wertvolleSchaffens-und Lebenszeit zu gewinnen. Ein Mann aus dem Geist von Silicon Valley geschnitten, hatte man den Eindruck, ohne dass er diese amerikanische Heils-und Wellness-Oase auch nur einziges Mal beim Namen nannte. Smarty hatte Schwung, das gefiel der Mehrheit der Älteren ganz offensichtlich. Sein Erfolg stand8 T age vor dem Ziel schon fest. Doch der Zweifel, der ihm anscheinend mangelt, an dem Danaergeschenk der Digitalisierung, denn bitte: welche anderen Folgen,als die versprochen segensreichen, sie noch haben wird, Zweifel, Skepsis gegen diese technische Fiktionswelt ist ihm fremd geblieben. Das liegt vielleicht einfach daran, dass seine Agentur noch nie etwas von Heidegger gelesen und gehört hat. Man wird sehen. Mit dem blonden Lindner ist zu rechnen.

Den Vogel freilich schoss wieder unser guter alter Cem ab. Sein hemdsärmeliger Auftritt schäumte vor Sentimentalität und Patriotismus. So rührend schön wie er unser Land liebt und lobt, kann das außer ihm sicher kein Grüner und keine Grüne, die oftmals das deutsche Vaterland sogar hassten. Nicht so Cem. Geradezu anheimelnd deshalb auch sein inniges Verhältnis zur deutschen Geschichte und ganz anders als im konservativen Lager, wo man diesbezüglich meistens nur die ewigen Hymnen auf Bismarck, den großen Fritz und das Preußentum, bei älteren dann auch noch die Kaiser des Mittelalters erwähnt hört, ganz anders auch als bei den Linken,wo immer nur Marx im hohen Kurs steht und die Tradition von Heine bis Tucholsky und Biermann beschworen wird, nein Cem bekennt sich dazu, in der Tradition der Paulskirche,der badischen Revolution, die damals auf der „richtigen Seite der Geschichte“gestanden und gekämpft habe und last but not least stehe er und  die Grünen in der sie verpflichtenden Nachfolge der weißen Rose und sie wüssten drum zu verhindern,dass nochmals neue Nazi in das Parlament der Demokratie einziehen können. Das war ein schönes drolliges Pathos, so naiv und idealistisch liebt man die Grünen wieder. Wahrscheinlich. Mit dem guten Cem können sie wieder was werden.

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