Knackige Sätze

Frau Will ist ganz verliebt in ihre Leitfrage: wie viel grün ist schon in der CDU? Sie erwartet „knackige Sätze“. Herr Schäuble zitiert zunächst einmal Lessing, Nathan der Weise, da sagt der Nathan einmal zu seiner Tochter, sinngemäß, von einer guten Sache schwärmen ist etwas ganz anderes, als vernünftig auch zu handeln. Politik darf nicht nur gut gemeint, sie muss gut gemacht sein. Später wird er dazu noch den Volker Kauder zitieren, der immer sage; Politik fängt in der Realität an und „so ischt es“. Cem Özdemir wirft sich gleich auf die Autofrage, er will, dass die deutschen Ingenieure, die hervorragend sind, das neue Elektroauto bauen und nicht die Chinesen. Drum braucht die neue Regierung die Grünen, die nicht nur modern und tolerant denken, sondern auch dafür sorgen, dass es mit dem Klimaschutz vorangeht. Das Publikum applaudiert . Cem führt. Aber, sagt Schäuble, jetzt muss er schon einmal sagen,wer hat denn Kyoto ermöglicht, das war doch nur die Angela Merkel und wenn wir später  zum Gipfel in Paris kamen, dann war es auch keine andere als Angela Merkel, die schon als Umweltministerin in den 90er Jahren davon gesprochen und Entscheidendes geleistet hat. Sie hat das Thema als einzige und erste doch gehabt und voran getrieben. . Das muss er jetzt schon noch einmal sagen. Aber jetzt hier auf Koalitionen spekulieren, da möchte er doch davor warnen. Jetzt muss zunächst einmal der Wähler sagen, was er will. Drum kämpfe er mit aller Kraft für seine Partei und danach müsse man sehen, wer die Verantwortung übernimmt. Nach der letzten Wahl haben die Grünen sich gedrückt, wir waren soweit, wir haben gesagt, sagt Herr Schäuble, sie brauchen nur noch ja sagen, aber sie wollten ja nicht. Er erinnere sich noch ganz genau, die Angela Merkel habe gesagt, jetzt ist ein Fenster offen, das geht nicht so schnell wieder auf, aber sie haben sich verweigert. Das ist doch die Wahrheit Herr Özdemir. Doch Cem erinnert sich ganz anders.  Frau Will, aber kommt auf ihre Frage zurück, wie grün ist die CDU mittlerweile? Das müsste doch Cem Ödzdemir als Kompliment anerkennen, das sie ihm hier auf den Tablett darreiche, da könne er doch dankbar sein. Es habe sich doch unheimlich viel verändert. Das gibt Herr Schäuble sofort zu, doch zugleich verdüstert sich seine Lächel-Mine, denn man müsse eben die Menschen immer mitnehmen. Dass die nicht glauben, es finde hier ein Betrug statt. Und bei aller Kritik an der Autoindustrie, die ihm doch auch ganz klar ist, doch dürfe  man eben auch die Wirtschaftskraft der Autoindustrie nicht vergessen, und auch vor allem die vielen Arbeitsplätze nicht.  Jetzt klatscht das Publikum für Herrn Schäuble. 1 zu 1. Wissen Sie, belehrt Herr Schäuble jetzt den Juniorpartner in spe, ohne die Wirtschaftskraft erreichen Sie ihre schönsten Klimaziele nicht. Ja eben, deshalb müsse die grüne Partei in die Regierung, denn ohne die Grünen habe die CDU zwar inzwischen die richtigen Ideen, aber es braucht eben ihn, den Cem und seine Parteifreunde, um diese Ideen auch voll durchzusetzen. Er werde, kaum an der Regierung, egal in welchem Ministerium, sofort dem Franzosen Macron die Hand reichen. Ihm liege nichts an einer Dienstlimousine, ihm gehe es um Gestaltung in der Politik. Herr Schäuble kontert lächelnd: ja meinen Sie, mir geht es um meine Dienstlimousine? Da lacht man. Das zieht wieder beim Publikum, drum setzt  Herr Schäuble nach:  wissen Sie, wenn Sie in Frankreich sind, müssen sie Französisch reden, das mach ich auch.  Dann geht’s noch um die Ehe für alle, das ist doch was Schönes, sagt Cem, da müssen Sie doch als Christ sehr froh sein. Ist er auch, der Herr Schäuble, er ist schon lange verheiratet und hat über die Ehe für alle viel schon mit seinen Töchtern diskutiert. Man kann nicht nur so denken wie die Großväter schon gedacht haben, man muss auch den Wandel der Zeit verstehen, den die Gesellschaft will. Der Beifall des Publikums sagt jetzt, dass es das Zeitargument ganz klar als Kompliment für sich verbuchen wollte. . Es wird ganz deutlich, die zwei wollen miteinander und 50 Prozent der Unionsleute, sagt Frau Will, das zeigt die Statistik, wollen es doch auch, eine Koalition mit den Grünen. Na also. Es scheint alles wie schon gelaufen, sie vergessen in ihrer schwäbisch-badischen Kameraderie  sogar ganz die Polemik gegen die AFD. Die SPD und die FDP kommen ebenfalls gar nicht vor. Auch Frau Will ist glücklich über die Harmonie der Sendung, sie vergaß nur ganz die Umkehrung ihrer Leit-Frage, wie viel Hellgrau ist schon im Kopf des Herrn Özdemir.  Aber das wird man alles bald sehen. Die Karten sind gemischt, am 24. werden sie ausgegeben. Exakt zwei Monate vor der fröhlichen Weihnacht.

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