Arbeit und Vision

Deutschland ist sehr sehr reich, sagt man uns täglich, um uns am allgemeinen Größenwahn teilhaben zu lassen. Unsere Superreichen sollen sogar noch reicher sein, hört man auch immer öfter. Wir und sie, also das hellere Deutschland, wir haben Milliarden über Milliarden auf der hohen Kante. Trotzdem können wir unsere Langzeitarbeitslosen, unsere alleinerziehenden Mütter, unsere Leiharbeiter nicht aus ihrem schnöden Dasein befreien. Auch unsere maroden Schulen und Brücken können wir bislang nicht reparieren. Das klingt widersprüchlich, natürlich.  Doch um uns von diesen Widersprüchen abzulenken, sagen wir deshalb jetzt, liebe Freunde, müssen wir zuerst Afrika retten.  Minister Gerd Müller selbst spricht von einem Marshallplan für ganz Afrika. All den armen korrupten Ländern dort  werden wir Mores lehren, das heißt Herrn Schäubles Vernunftstrukturen einbauen,  Volksbanken und  Arbeitsämter dort einrichten, Fernsehanstalten, Finanzbehörden  und Medienzentren, kurz: all das nachbauen, was uns so reich und glücklich gemacht hat hier. Sonst kommt Afrika zu uns und bringt unsere Sozialsysteme  zur Explosion. Dieses Damoklesschwert schwebt  bereits über unseren Wohnzimmern. Wir übertreiben nicht. Unsere Gutmenschlichkeit also besteht in einer gigantischen Not-und Abwehraktion  im eigenen Überlebens-Interesse. Natürlich werden sofort wieder einige Besserwisser und Moralapostel von einer kolonialistischen Renaissance stänkern und hämisch reden.  Als gönnten sie uns und den armen Afrikanern nicht den kleinsten Spaß.  Aber diese Figuren, die kennen wir längst, die füttern wir so mit Geld und Karrieren ab, dass sie verstummen: Siehe 68er, mit denen ging es doch auch so. Beispiel Jürgen Trittin, was war das für ein haarsträubender Kommunist, und heute hat er eine Dienstvilla, redet brav und staatstragend wie der Özdemir.  Liebe Freunde, reden wir gleich lieber Klartext. – Bleiben wir auf dem Teppich des Finanzierbaren.  Gerade auch im virtuellen Sinne.  Wie angedeutet: Wir haben natürlich auch selbst den Nutzen von Arbeitsplätzen, die die Afrikanummer  abwirft . Da wollen wir nicht nur ganz  ehrlich sein, sondern -wie viele Politiker neuerdings sagen- uns auch ganz „ehrlich machen“.  Und natürlich setzen wir unser Werk der Emanzipation hierzulande fort, wenn wir die Flüchtlinge davon überzeugt haben, in ihrer Heimat  zu verbleiben, wo sie zu Lohn und Brot kommen endlich. Das müssen wir schaffen. Denn dann erst haben wir den Rücken frei und bereiten uns vor für die Empfängnis der Utopien aus Silicon Valley. Die Propheten dort verkünden uns, dass wir, wenn wir ihnen folgen, die endgültige Befreiung  von den  Menschheitsgeiseln wie  Leiden, Krankheit und Tod erleben werden. Nicht weniger, nichts Geringeres, liebe Freunde, es ist wie im Traum  – alles schier unfassbar noch.  Und um diesen Rückweg ins paradise now anzutreten, müssen wir natürlich noch die Sprache endgültig gendern, das heißt reinigen von den Vorurteilen und Unterdrückungsspuren aus der Geschichte, denn die reine Sprache ist das Gefäß, in der wir  die  new message  erhalten und uns untereinander wie Brüder und Schwestern vereinen werden. Worte  des Evangeliums of New Age.

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