Die Kollateralschäden in der Kultur

Wir geistig verirrten Früh-68-er kamen zum größten Teil aus fragwürdigen und zerstörten Nachkriegs-Familien und ruinierten folglich auch unsere eigenen Familien. Oh, darüber könnte ich einen Roman schreiben, wenn ich die Zeit und das Talent dafür hätte.  Dazu brauchte man nämlich einen mächtigen reichen Wortschatz, der heute niemand mehr zur Verfügung steht. Deshalb die mageren Ergebnisse in der schönen Journal-Literatur von heute. Denn wir ruinierten nicht nur die eigenen Familien, sondern auch die Sprache, deren Wesen und Bedeutung wir überhaupt nicht verstanden. Die Folgen sehen wir an der Jugend heute, deren Wortschatz aufs geringste Niveau zusammen schrumpft. Sie glauben  mit 4 Adjektiven auskommen zu können: – cool, geil, super und scheiße. Wenn sie etwas nicht interessiert und dieses etwas kann groß und breit ausfallen, dann geht es ihnen eben „am Arsch vorbei.“ Basta, natürlich, verstehe, nur wie wollen sie das ins Hochdeutsche übertragen und auch noch begründen.  Die Professorin der Fachhochschule klagt; sie sind ja alle nett, aber ohne Schreibfähigkeit. Ein Jammer, was machen wir bloß. Sie können nichts mehr genau beschreiben, obendrein verlieren sie ihre Lesefähigkeit. Der Text eines Klassikers wie  Friedrich Schiller überforderte  sie vollkommen. Das Triumphgefühl und der Glaube an  ihre technische Perfektibilität täuscht sie über ihre Manipulierbarkeit und Sprachlosigkeit hinweg,  und die meist miserabel ausgebildeten Deutschlehrer kapitulieren vor den Eltern, der mächtigen pressuregroup, die gute Zensuren für ihre „hochbegabten“ Kinder einfordert, da sie in den Mintfächern doch so  begabt und so intelligent erscheinen. Hier nisten die Schrecken der Zukunft. In dem Geschwätz von „unseren Werten“, – die wir nicht kennen, zu denen wir trotzdem stehen, –  sind sie schon sehr gut hörbar. Ich begriff das damals ganz allmählich, als ich von der Provinz, vom Zeitgeist angetrieben und verhetzt ins Zentrum der Kulturrevolution flüchtete und bald sah, dass da nichts wirklich stimmte. In der Germanistik, – die gefühlte Zerstörung des Deutschen zog mich in dieses Fach-  wurde der Kanon ideologisch zusammen gestrichen. Alles was die Nazis berührten und missbrauchten, wurde zum Tabu erklärt. Es gab keine Romantikvorlesungen, die alten mittelalterlichen Texte wurden aufgrund des General- Verdachts, als Quelle des Nazismus  gedient zu haben, auf Schmalspur gesetzt. Nietzsche war verboten, Stefan George kam nicht vor und natürlich sperrten sie  Ernst Jünger. Heidegger und Carl Schmitt in den Giftschrank.  Hochkonjunktur hatten dagegen Marx, Hegel, Heine, Freud und Brecht  und alle, die diesen folgten, bestimmten den neuen Kanon. Diese grobe Zensur der Geistesgeschichte charakterisiert  bis heute die linken, rosaroten und grünen Köpfe, die die abgemagerte kahle Kultur dirigieren in Theater, Kunst, Politik und Umweltgeschwätz. In der DDR  wurde der Kanon noch übler zugerichtet und auf Eunuchenniveau beschnitten. Dort verbot die Gesinnungspolizei sogar Kafka, Joyce und Proust. Um vom den Schäden in der Kunst und Musikgeschichte gar nicht zu reden. Das hinderte die politischen Funktionäre nach der Wende aber nicht, die Examina und  Diplome, die dort bei den plumpen Marx und Engels- Bauern und  Ideologen erworben und erschlichen wurden, voll anzuerkennen. Wissenschaft hat überall denselben frisch gestrichenen Nimbus, denken sie.

Den schlimmsten Flurschaden in den Gemütern richtete die Geschichtsideologie an.  Von Geschichte war nur im Sinne einer Katastrophengeschichte die Rede. Alle Pfade führten aus der  deutschen Geschichte, von Karl dem Großen über Luther, zum Preußenkönig über Bismarck teleologisch zu Hitler. Lesens-.und studierenswert waren nur die sog. historische Aufklärung, Marx, Heine und Freud. Sehr grob, sehr simpel auch der Glaube der Früh-68er, den Deutschen fehlte bis damals, zu ihrem Erscheinen,  die Revolution, die jetzt stattzufinden hätte, wenn nicht im Realen, dann eben auf dem Theater, im Film und in der Kultur. Der Joschka Fischer lässt solchen Stuss sogar bis heute in die Bücher schreiben, die seinen Autorennamen tragen. Die Kulturrevolution aber hätte nie stattgefunden in dem Ausmaße, in welchem sie sogar noch unsere Enkel treffen wird, wenn nicht der mächtige Zeitstrom  der kommerziellen Popkultur die gesamte Gesellschaft in all ihren Schichten erfasst hätte, sodass sogar ein vierschrötiger Traditionalist wie Theo Weigel  sich stolz zu den  Genesis-und Who-Fans zählt. Dagegen ist sein Engagement für verfallende Barockkirchen nur ein loses Feigenblatt, das seine geistige Blöße vor den alten Kirchgängern und Trachtlern verdecken soll. Außerdem, wem ich zu übertreiben scheine, der fahre doch einmal durch Deutschland und höre die öffentlichen Sender der ARD alle durch. Der mainstream der amerikanischen und denglischen Pop-Charts überall  ist so übermächtig, dass daneben der sog, Bildungsauftrag der teuren Anstalten sehr bescheiden, schwindsüchtig  und mauern-blümchenhaft anmutet.

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