Der Hass der Toleranten

Zitat: „Man sollte endlich anfangen, diesem völkischen Dreck immer und immer wieder zu widersprechen, gerade im Staatsfunk.“ So der ehemalige Regierungssprecher Anda.

Es ist schon erstaunlich, wie schnell gewisse Personen, die zur Prominenz aus Politik. Kultur und Journalismus zählen, jederzeit ihre humanitären Phrasen von Toleranz und Weltoffenheit wegwerfen, um sofort brutal und intolerant daherzureden, wenn es um Meinungen geht, die ihnen verdächtig und unerlaubt erscheinen. Die Lizenz dazu besorgen sie sich aus der deutschen Geschichte, die sie natürlich nur sehr grob und mythisch verbrämt kennen. Wäre es anders, würden sie sich nicht hetzerisch und brutal aufführen wie die Faschisten einst, die keinen Skrupel kannten,wenn es um ihre vermeintlichen Feinde ging. Den Richtigen totzuschlagen oder wenigstens sein Auto anzuzünden, ist auch heute wieder kein Gewissens-Problem für sie. Die Wesensverwandtschaft mit jenen Unholden kommt den liberal eingefärbten Heuchlern und Heuchlerinnen von heute bislang nicht in den Sinn.

Sofort sind sie mit Keulen wie Nazi und Rassismus zur Stelle, um auf die anders Gesinnten einzudreschen. Das ergibt einen auffällig schrillen Kontrast zu ihren sonst so säuselnden, süßlichen Redensarten und Studio-Manieren, die wie die Autos nie auf der Straße, sondern nur in den künstlichen Medienkulissen journalistisch geprüft werden. Dort ist es billig und geht gratis, nett und gutmenschlich daher zu labern. Es ist Betrug, Selbstbetrug. Dort in den Staatsfunkstuben erlegen sie mit 6 Rittern aus der liberalen Schönfärberei spielend den bösen Drachen Sarrazin. Dort lassen sie eine gut integrierte Türkin das Lied von der Toleranz und Humanität im Islam singen. Dort diffamieren sie jeden, der die Welt anders sieht und anschaut als sie.

Übrigens sind es nicht nur Männer, sondern auch die anscheinend friedfertigsten Frauen, die unverhofft und rasch zu den verbalen Schlagstöcken greifen. Es wird deutlich, das liberale Getue von grün bis ganz links steht auf den tönernen Füßen der Doppelmoral. Der Kitsch, den sie uns mit ihrer liberalen Ideologie auftischen, ist nicht hart, aber fair, wie die Fernsehsendung heißt, sondern falsch und verlogen. Der vorläufige Gipfel der weltfremden Gutmenschlichkeit war es wohl, als die Schulzanhänger im Willy Brandhaus nach der verlorenen Wahl in frenetischen Jubel ausbrachen, da ihr Schulz die größte Errungenschaft und Leistung der SPD „die Ehe für alle“ in heiserster Kampftonart verkündet hat. Nichts gegen diese Ehe überhaupt, aber was würde dazu ein alter Genosse wie Wehner wohl Ätzendes bemerkt haben?

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Die deutsche Kanzlerin

Die CDU hat viele Fans und Stammwähler verloren, auch die bayrischen Christsozialen, erfolgsverwöhnt wie sie sind, steckten tapfer Prügel ein, die Kanzlerin aber bleibt souverän. Was ficht sie die Schwäche ihrer Partei an, sie spielt längst in der höchsten global league und schaut milde gestimmt auf ihre künftigen Kinder herab, auf die grüne Kathrin und den ehrgeizigen Lindner. Aber sie hört ihnen gut zu, das sieht man in ihrem ernsten, stillen Gesicht, bevor sie wieder kurz und leicht den Mund verzieht. Die Zeichensprache ihres Schweigens. Irgendwas zwischen Verwunderung und Geringschätzung anspielend. Natürlich blasen die kleinen Sieger mächtig die Backen auf. Der Christian Lindner mit seinen hoch fliegenden Träumen von der digitalen Zukunft, die Kathrin mit ihrer triefenden politischen Moral. Beide kämpfen sie entschieden und weltoffen gegen die Gefahren des Neofaschismus. Beides überschäumende Selbstinszenierungen, gut gemeint und hoch hinaus gedacht, aber die Kanzlerin ist technisch-wissenschaftlich sehr beschlagen und mit weit größeren Kapazitäten im Gespräch, als der forsche junge Christian sich das vorstellen kann. Aber er wird schon sehen, er ist ja nicht dumm, und als evangelisch gefestigte lutherische Burgfrau – weiß Gott- wird sie die eifernde Kathrin, die den ganzen Planeten retten will, bald noch lehren, wie man bei Gott unsrem unbekannten Gott politisch nicht kommen sollte. Da verläuft nämlich eine paulinische rote Grenze. Ihm gegenüber den Mund  zu voll zu nehmen, ist blasphemisch, wird sie die gute Kathrin schelten. . Die Kathrin wird sie zu ihrer theologischen Meisterschülerin machen und ihr die Kraftmeierei austreiben, die doch gar nicht zu ihrem Naturell gehört. (Das ist nur der Einfluss des rohen, linksradikalen Milieus bei den Grünen.) Wenn sie fleißig lernt, wird sie sie vielleicht sogar einmal zum Papst in Rom mitnehmen. (das zweite, geheime transzendentale Projekt Angelas, die Kircheneinheit- sie und der Papst Franz ) .

Wie sie da sitzt, die kluge schweigsame Angela, noch nie hat sie jemand aus der Rolle fallen sehen – hier im Studio scheinbar inter pares, im basisdemokratischen Dekor, und doch spürt jeder – selbst die 2 vierschrötigen Journalisten, diesmal ausnahmsweise männlichen Geschlechts beide – wie Madame Angela gegen allen Anschein und trotz ihrer bescheidenen, schlichten Eloquenz vielleicht schon insgeheim einem nobleren Stand angehört  als all ihre Landsleute und einige Europäerinnen um sie herum.

Wie sie da sitzt in ihrem offenbar neuen, matt-blauen Hosenoutfit, etwas schmerzlich lächelnd über die plötzlich erwachte Angriffslust des schwer getroffenen Schulz. Es scheint ihr leid zu tun, sie hat ein Herz für die alte Arbeiterpartei und auch darüber schweigt sie. Schweigen ist ihre Stärke, denn sie kann handeln und vor allem verhandeln. Sie hat schon andere Kaliber – Schäuble, Sarkozy, Putin, Erdogan- als die beiden Jamaika- Sprößlinge bis zum Morgengrauen verhandelnd und diskutierend nieder gerungen und überwunden. Bis zum unterschriftsreifen Vertrag. Auch jetzt schaut sie auf die Uhr, sie hat ja längst alles gehört und das Nötigste gesagt, ach ja die AFD noch, was will sie, der Meuthen will mich in einem Untersuchungsausschuss zur Rechenschaft ziehen, ja gut, bitte davor habe sie wirklich keine Angst. Nur sollten die Kontrahenten bedenken, dass sie, wie wir alle, keine Zeit zu verschwenden habe, die Zukunft stelle sie wie uns alle vor schwerste Aufgaben und jetzt sagt sie einmal etwas Pathetisches, wir stehen mitten in einem Umbruch, wie er noch nie da war, sie zögert und dann sagt sie „ja in einem Umbruch der Menschheit“, kann man wohl sagen, sagt sie, als wär ihr das Pathos schon wieder halb peinlich. Nein, die Niederlage der SPD tut ihr tatsächlich Leid, die eigene kümmert sie nicht groß, es geht ja weiter, die kindlichen Forderungen der Jamaikakinder Christian, Kathrin, Cem – (und den unsensiblen Krakeeeler Trittin werden sie doch wohl diesmal zu Haus lassen,)- schrecken sie kein bisschen. Und für die AFD und ihre Säbelhiebe hat sie ja die groben Männer aus Bayern, die machen das schon für sie. Die haben viel Erfahrung am rechten Rand und aus den Bierzelten und wollen beschäftigt sein. Der Christian und die ehrgeizigen Grünen werden viel von ihr lernen und dafür einige Wählerstimmen an sie und die CDU verlieren, wie gehabt.

Kulturlose Demokratie

Wie ich als Oberschüler zum ersten Mal etwas von Meinungen verstehen wollte, hatten die etwas fast Glänzendes, Ehrbares. Man musste sie erringen, sie hatten etwas von Haltung und Überzeugung an sich. Wenn ich mir heute die Meinungsschlachten anhöre und ansehe, bekommen sie immer öfter etwas Ordinäres, etwas, das ich nicht unbedingt haben will. Etwas Wertloses wie eine Bierdose im Rinnstein. Im Fernsehen kämpfen sie um die Zeit wie Hunde, die nach der Wurst schnappen. Schicke Anstandsdamen verteilen die knappen Zeitrationen, „nein, sie sind jetzt nicht dran, sie hatten schon zuviel Redezeit, jetzt wollen wir zum nächsten Thema kommen“ und in die Lücken, die die Zeitverwalterinnen lassen, preschen die Kontrahenten sofort hinein:“Nur ein Satz, lassen sie mich bitte ausreden..ich habe ihnen auch lange zugehört.“ Zuhören ist was für Looser, Winner reden, gewinnen die meiste Redezeit. Und sie schnurren die Statements herunter, die sie schon hundertmal wo anders in Broschüren und Livespots verkündeten, als kämpften sie um ihr Überleben.

Kein Funken Humor, kein Charme, keine Eleganz kommt dabei zum Vorschein. Kein scharfer Witz, kein geistreiches Bonmot. Nur die Qualen des Rechthabens. Nur Gier, den eigenen Senf unbedingt loszuwerden und nochmal und noch einmal zu wiederholen. Was soll das für eine Kultur sein? Dass sie nicht merken, wie ärmlich und bedürftig sie dabei aussehen? Wie würdelos und zänkisch sie sich dabei selbst darstellen. Was sagt ihr Coach dazu, wenn sie sie sich ihr Eiferertum nachträglich zusammen noch einmal anschauen? Sieht so jemand aus, der überzeugend ist oder gar faszinierend ? Für wen, für die Masse denkfauler Zuschauer, die erst vollkommen zufrieden wären,wenn sich die Streithähne tatsächlich an die Gurgel gingen und noch scheußlicher mit den Zähnen fletschten, als sie dies tierische Gebaren bisher eben noch zu verbergen wissen. Dabei werden die Zeitrationen von Tag zu Tag immer noch knapper, denn auch die Online-Laberer müssen jetzt noch mit eingeschaltet werden, sodass die rhetorischen Mittel immer plumper und phrasenhafter werden , sodass eine Atmosphäre wie in den McDonalds-Buden entsteht. Viele Pappe auf den Tischen und Essmanieren, die eher an Futtertröge erinnern, als an gesittete Mahlzeiten.

Die Zeit ist nah

Gegenwärtig weiß niemand, wann unsere Weiterreise beginnt. Klar ist nur, dass die Fortschrittslinie von Adenauer über die Beatles bis zu Donald Trump allmählich endet, ja verendet. Daher der politische Nebel überall im Moment. Die gehetzten Leute sprechen von Digitalisierung und Bildung, zwei Schlüsselbegriffe, sagen sie, die Geld und neue Jobs bringen. Mehr ist nicht bekannt, der junge Lindner will sogar Digitalisierungsweltmeister werden. Kein Stein wird dabei auf dem anderen bleiben, das Mauerwerk unseres gewohnten Daseins wird vollkommen zerstört werden. Solche Hiobsbotschaften liest man täglich in den Zeitungen. Das sei aber gut so, beruhigt man uns, weil das Neue immer das Alte zerstören müsse, das sei ein uraltes Weltgesetz. Es handele sich um einen gigantischen Transformationsprozess, in dem der Mensch in eine völlig neue Beziehung zur Maschine eingehe. Die Vorzeichen dafür sieht man an den Jungen, die bereits für diese Entwicklung fleißig mit ihren smartphones trainieren. Sie wollen die ersten sein. Deshalb müsse man alle Schulen und Einrichtungen, wie die Haushaltsgeräte und Automobile auch, einer vollkommenen Digitalisierung unterwerfen. Andernfalls werde Deutschland und Europa abgehängt und von fremden Mächten erobert und und versklavt.

Um dies zu verhindern, brauchten wir zudem noch die innovative Bildung, deren Begriff sich auch bereits in einem vollkommenen Umbruch befindet. Noch nie war die Bildung so eng mit Geld und Jobs verknüpft wie heute. Man hat diesen alten Begriff vom Dachboden der Geschichte, vom Überbau im Slang der Altlinken, geholt, entstaubt und auf den Boden der Tatsachen geschmissen, um ihm endlich sozioökonomische und gendermäßige Sprachnormen beizubringen. Das ist bereits in vollem Gange. Und jeder Philosoph und Weltbetrachter weiß doch seit langem, ein Vorwärtskommen ist noch nie ohne Verfall und totale Zerstörung möglich gewesen. Wenn zivilisatorische Treppenhäuser einstürzen, heißt das eben nicht, dass der Fortschritt dadurch gebremst würde. Im Gegenteil, er nimmt noch mehr Fahrt auf, wie wir es gegenwärtig ja auch schon spüren. Das legt Urängste frei, Flüchtlinge, Schutzbefohlene werden verdächtigt, nichts als die Vorhut von Eroberern zu sein, die bald schon persönlich eintreffen könnten. Andere heidnisch inspirierte Gruppen wollen die Natur retten, die sie als Mutter-Gottheit verehren. Als hätte je ein Mensch schon die Natur gerettet. Ein völliger Irrglaube, dem jüngst ein berühmter Waldforscher entgegentrat, der in einer populärem Fernsehshow verkündete, man solle den Wald endlich in Ruhe lassen, dann werde man noch staunen, der Wald verfüge über Zauberkräfte und könne die ganze Menschheit retten, wenn diese von ihrem Hochmut ablasse, Wald und Natur retten zu wollen. Immer mehr Heilsmänner und Wunderfrauen treten auf, am Vorabend der Digitalisierung und des ökonomischen Bildungs -und Umbildungsprozesses. Dagegen stemmen sich die Kirchen mit ihren reformatorischen Bemühungen für eine Rechristianisierung. Vergebens. Vordergründig erscheint alles etwas chaotisch. Doch in den Hinterzimmern der Welt sitzt eine technologische smarte Elite, die einen Versuchsballon nach dem anderen auf die Weltbühne hinausschickt, bis sie den ultimativen Trick gefunden hat, mit dem sie den Urknall zündet. Ein Ereignis das welterschütternder sein wird als die französische Revolution von einst, sagen mir einige Experten.

Die Grünen und die FDP

Die FDP und die Grünen hielten, 8 Tage vor der Wahl, nochmal kleine Parteitage ab, wo sie sich Mut machten und ihren Willen bekundeten, dritte Kraft werden zu wollen. Falls sie von Frau Merkel zu Koalitionsgesprächen eingeladen werden, wollen sie hart verhandeln und nur mitregieren, wenn sie ihre klaren Ziele auch durchsetzen können, um das Land in eine bessere Zukunft zu führen..

Die grüne Spitzenkandidatin Göring Eckart bekennt sich in weltanschaulich-rührender Frömmigkeit dazu, nicht nur Deutschland, sondern ihre Herzens-Kräfte auch gegen das Elend in der ganzen Welt einzusetzen, um auch diese deutlich zu bessern.

Sie sagt: „ In einer Zeit der Erdogans, Putins und Trumps ist Moral ein echter Standortfaktor, dazu stehe ich auch.“ Sie will also vollkommen -reinen Herzens Politik betreiben und Macht nur aufgrund ihrer moralischen Gesinnung anstreben. Und zwar „verdammt hart“ will sie dabei sein. Eine ostdeutsche Jean d_Arc.Um gegen Klimakatastrophe, Flüchtlingselend, Kinderarmut und Frauenunterdrückung anzukämpfen. Und so muskulös,wie ihre Stimme klang, wohl auch siegen.

Die gesamte grüne Prominenz, von Frau Roth, Hofreiter bis zu Ströbele und Kretschmann saßen in den ersten Reihen und spendeten ihr großen Beifall. Auffällig auch, dass sie heute am Sonntag alle betont werktäglich gekleidet waren. Auch sie verstanden also Kathrins Aussage als eine politisch-historische Kämpferinnen Legende. Irgendwo zwischen Petra Kelly, Lady Di und Joan Baez.

Dann wollte sie noch polemisch werden, ohne Kenntnis davon, dass auch der geistige Kampfsport seine strengen Regeln hat und auf Fakten, und seine Angriffe nicht auf fakes gebaut sein dürfen.Christian Lindner,den sie attackierte, sagte nicht, was sie über ihn Falsches berichtete. Lindner sagte nicht zu einem armen Mann, der sich vor Altersarmut fürchtet und nur 900 € monatlich auf sein Konto bekommt, dann solle er eben sparen und etwas zurücklegen, damit er sich bald eine Eigentumswohnung kaufen könne.

Fake, Rote Karte für Kathrin. So wahr ich im Wohnzimmer neben jenem Studio saß.Und selbst diejenigen,die Lindner für einen verwöhnten, arroganten Luxusstenz halten, werden ihn nicht für so dumm und ahnungslos halten, wie Frau Kathrin ihn hinstellen wollte. Das war plump von der sonst so reinen politischen Jungfrau. Polemik geht ganz anders.

Lindner, smart und betont modern und jung dynamisch auftretend, in schickem Anzug, ohne konventionelle Krawatte,wirkte ein wenig wie ein Popstar vor seinem in seriösem Businessoutfit angetretenen Publikum, das alle Hoffnung auf ihn setzt- mit heller Stimme rief er in den Saal: „wir wollen nicht immer nur Fußballweltmeister, sondern auch Digitalisierungsweltmeister werden.“Auch bei ihm der Bezug zur ganzen globalen Welt, aber nicht unter den Aspekten von Kummer und Elend, sondern die höchste Spitze und die weltweite Markenführerschaft betreffend. Deutschland,diese hoch-entwickelte Nation, so nannte er uns alle immer wieder,hat keine Zeit zu verlieren, um nach ganz vorne zu preschen. Er will die Topgeschwindigkeit mit einer technologischen und politischen Offenheit angehen und entsprechen, die sich gewaschen hat. Er will alte Hüte entsorgen und alle überflüssigen Hindernisse von Bürokratie und Bremser-Mentalitäten aus dem Weg der Zukunft räumen, um für die Menschen wertvolleSchaffens-und Lebenszeit zu gewinnen. Ein Mann aus dem Geist von Silicon Valley geschnitten, hatte man den Eindruck, ohne dass er diese amerikanische Heils-und Wellness-Oase auch nur einziges Mal beim Namen nannte. Smarty hatte Schwung, das gefiel der Mehrheit der Älteren ganz offensichtlich. Sein Erfolg stand8 T age vor dem Ziel schon fest. Doch der Zweifel, der ihm anscheinend mangelt, an dem Danaergeschenk der Digitalisierung, denn bitte: welche anderen Folgen,als die versprochen segensreichen, sie noch haben wird, Zweifel, Skepsis gegen diese technische Fiktionswelt ist ihm fremd geblieben. Das liegt vielleicht einfach daran, dass seine Agentur noch nie etwas von Heidegger gelesen und gehört hat. Man wird sehen. Mit dem blonden Lindner ist zu rechnen.

Den Vogel freilich schoss wieder unser guter alter Cem ab. Sein hemdsärmeliger Auftritt schäumte vor Sentimentalität und Patriotismus. So rührend schön wie er unser Land liebt und lobt, kann das außer ihm sicher kein Grüner und keine Grüne, die oftmals das deutsche Vaterland sogar hassten. Nicht so Cem. Geradezu anheimelnd deshalb auch sein inniges Verhältnis zur deutschen Geschichte und ganz anders als im konservativen Lager, wo man diesbezüglich meistens nur die ewigen Hymnen auf Bismarck, den großen Fritz und das Preußentum, bei älteren dann auch noch die Kaiser des Mittelalters erwähnt hört, ganz anders auch als bei den Linken,wo immer nur Marx im hohen Kurs steht und die Tradition von Heine bis Tucholsky und Biermann beschworen wird, nein Cem bekennt sich dazu, in der Tradition der Paulskirche,der badischen Revolution, die damals auf der „richtigen Seite der Geschichte“gestanden und gekämpft habe und last but not least stehe er und  die Grünen in der sie verpflichtenden Nachfolge der weißen Rose und sie wüssten drum zu verhindern,dass nochmals neue Nazi in das Parlament der Demokratie einziehen können. Das war ein schönes drolliges Pathos, so naiv und idealistisch liebt man die Grünen wieder. Wahrscheinlich. Mit dem guten Cem können sie wieder was werden.

Metaphernnot im Hirn des Chefredakteurs

Der Journalismus befindet sich wie das Staatstheater in einer permanenten Krise, seit die Stützbalken der Objektivität, die wie die Zeit, als sie noch still um kurz vor 12 über Jahrzehnte feststand, und jetzt auch plötzlich die Ausgewogenheit der Feindbilder mit dem Ende des kalten Krieges zusammengebrochen war. Wir haben zwar ein neues Feindbild, den Terrorismus, doch dieser Feind hat islamische Wurzeln, die man nicht unter Generalverdacht stellen darf. Eine verzwickte Lage, die der Journalismus mit vielen anderen Problemen gleichzeitig zu bewältigen hat. So fragt sich Walter Roller, der Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen, oft täglich, wann er seine Leser als Bürger, oder ganz unprätentiös als einfache Leute, oder schlicht als Menschen ansprechen soll. Wie kann Europa beispielsweise „den Herzen der Menschen“ wieder näher gebracht werden, wenn den Leuten jedes „konkrete Konzept“ fehlt. Und wenn er, Roller, bedenken muss, dass dem Bürger die „deutsche Marschroute“ nicht mehr voll bewusst ist, da die Reise einerseits in den „unverwüstlichen Nationalstaat“ zurückführt, andererseits von globalen Plänen im „Raumschiff von Brüssel“ in vollkommen falsche Richtungen gesteuert wird. Rollers Feder gerät hier oft ins Schwitzen, wenn ihm dann auch noch die Rede Präsident Junckers in die Parade fährt , deren Geist von jenen „Visionen in Atem“ gehalten werde, die, wie Roller meint, den sturen Widerstand der Menschen gegen einen Superstaat Europa hervorrufen, weil der Bürger als Europäer ein Höchstmaß an Selbstbestimmung und Eigenständigkeit einfordert. Da geraten die sprachlichen Bilder in einen inneren Anschauungs-Krieg mit sich selbst und Walter Roller in Not, für seine Leser einigermaßen „übersichtliche Verhältnisse“ wieder herzustellen. Wie einfach war das früher, denkt sich Walter Roller, als man noch auf jedem Schreibtisch die Weichen stellen und das „Rad der Geschichte“ immerzu vorwärts rollen sah: „Unabhängig, objektiv und parteienübergreifend.“ Aber dann starben auch noch die wahrhaft großen Journalisten und überließen uns Leser ihren kleinen Brüdern und Neffen. Roller sucht noch nach einer Schlusspointe seines Artikels. Vielleicht: „ Europas Realität braucht wieder einen neuen Traum?“ Oder: Mückenplage im Brüsseler Raumschiff?

Der schneidige Seehofer.

Horst S., Chef der CSU in Bayern, ist zwar viel höflicher und netter als der Trump. Aber auch er kann die Medien attackieren, wie er es heute beim Interview  der Augsburger Allgemeine gezeigt hat: „ Die vier Journalisten, die das TV-Duell moderiert haben, die haben doch unzureichende Ahnung davon, was im Land tatsächlich los ist.“ Eigentlich hätte er viel lieber sagt, die haben keine Ahnung. Denn: “ Die wissen nicht, was die Menschen im Allgäu, in Augsburg oder in Rosenheim bewegt.“  Das weiß er, auch über die Leute in Leipzig, Berlin und meinetwegen sogar in Hildesheim. Nämlich die Obergrenze. Sie bewegt alle. Und wenn man eine europäische Lösung anstrebt, sagt Horst, dann muss man den Nachbarn schon sagen, mit welcher „zahlenmäßigen Größenordnung „ sie bei der Verteilung der Flüchtlinge rechnen müssen. „Ohne Obergrenze geht das nicht. Das ist doch logisch. Die kaufen doch nicht die Katze im Sack.“ So spricht der Mann des Volkes. Deshalb fragt man sich, warum hat er sich nur gescheut, Bundeskanzler zu werden. Er hätte es als einziger geschafft, der AFD garantiert  massenweise die Stimmen wegzunehmen.  Es war seine historische Stunde, die er versäumte. Der Wahlkampf und auch das Duell mit Schulz wäre  hundertmal  spannender geworden.  Schulz hätte viel stärker auf den lucky punch hinarbeiten können. So etwas will  das deutsche Volk, von Rosenheim bis Berlin,  immer gern sehen und das geht natürlich mit einer Frau wie Angela nicht. Warum hat Horst nur gezögert? Die Augsburger Allgemeine vermutet, jedenfalls ihr Leitartikler sagt es so: „ Die Autonation – (vulgo wir alle)-braucht gerade bei der Digitalisierung einen Vorreiter“.  Interessant diese Pferdemetapher im Sinne der Mobilität der Zukunft.  Ein SPD Blatt hätte vermutlich in dieser uns alle betreffenden Hinsicht – Auto wohin mit Dir?  wieder die traditionelle Lokomotive des Fortschritts  bemüht.

Es ist allmählich ein Problem mit unseren alten Sprach-Bildern. Die neuen sind noch nicht eingetroffen, so brauchen wir, um unser Schicksal zu beschreiben, noch immer die ewigen Katzen im Sack oder die Züge, die kurz vor 12 immer noch nicht abfahren. Trotz allem und wo der Damokles, oder wie er heißt, schon mit seinen Schwertern auf das Rad der Geschichte losgeht. Drum hält die Augsburger Allgemeine an dem Seehofer fest, denn der mit der Obergrenze,  wie er im  Geschichtsbuch heute schon bezeichnet wird, lässt sich sicher keinen alten Gaul schenken,  ohne ihm ganz klar vorher ins Maul zu schauen.