Lärm der Aufgeregten

Die klassische Politik, die wir alle im kalten Krieg mühsam erlernten, erschrak sehr, als plötzlich Leute auftauchten, die behaupten, sie seien das Volk,  sie, nicht die Fremden. Sie seien mehr wert als diese. Die Pressemeute schlug rasch bei Wikipedia nach: Volk, völkisch, Moment mal, sagte das nicht der verdammte Hitler  schon immer? Die Linken schämten sich ein bisschen klammheimlich, denn sie kannten das Wort natürlich noch aus ihrer maoistischen Jugendzeit.  Die Konservativen beruhigten die Lage, indem sie zugaben, die Fremden seien schon ein gewisses Problem, die Sozis schrieen: nein sie sind ein Gewinn, bedenkt  es sind Arbeitsplätze, die Grünen gar sangen, im Gegenteil, sie sind sogar ein großes Geschenk. Die fortschrittlichen Brecht- und Staatstheater witterten eine Chance  , erneut Zulauf zu bekommen, indem sie aus Protest gegen die Völkischen massenhaft Asylanten in ihren Kulissen aufnahmen, um sie vor dem abschiebewütigen Staat in Schutz zu nehmen. Das Qualitäts-Feuilleton berichtet täglich darüber.

Die klassische Politik trat rasch zusammen und einigte sich auf eine Erklärung des überparteilichen Konsens, um auszudifferenzieren , was das bedeuten könnte, das  sich in einem traumatisch-nostalgischen Rückfall  plötzlich wieder Volk nennen will. Moment mal, sagte der Präsident der Deutschen, natürlich gibt es euch, nur wir nennen euch nicht mehr Volk, sondern moderne Gesellschaft, in der wir alle leben. Und diese Gesellschaft unterliegt einem durch den alternativlos-technischen Fortschritt  immer mehr sich selbst beschleunigenden Wandel, an den wir uns alle anpassen müssen. Was heute gilt, kann morgen schon reine Historie sein. Bloße Zeitgeschichte. Unwert, Antimodernität. Auch die Fremden werden sich dem Wandel angleichen müssen. Das verspreche ich euch.  Das Volk der Neu-Völkischen und Protestanten, so möchte ich es vorläufig einmal nennen, das sich diese politische Live Übertagung in seinen Schrebergärten anschaute,  murmelte störrisch: „Aha, schaut sie an, sie geben zu, sie kennen sich selber nicht mehr aus in dem Chaos, das sie angerichtet haben. Sie benutzen schon lauter Fremdwörter,  dass man die eigene, alte deutsche  Sprache nicht mehr versteht. Sie sind uns alle fremd geworden, fremd wie diese Fremden, wir wählen sie ab das nächste Mal.“ Hier witterte die Pressemeute eine neue Chance nach Massenauflage, und goss völlig unbesonnen Öl in den Aufstand, warf mit Nazivokalen um sich, indem sie vor der Wiederkehr Hitlers  so drastisch warnte, dass Gefahr droht, die moderne, alternativlose  Gesellschaft  könnte auseinanderfallen. Gemäßigte altliberale Kräfte  mahnen jetzt zur Besonnenheit, sonst  könnte das Volk der Protestanten die Meinungsschlacht am Ende doch noch gewinnen. Das könnte die ganze Demokratie aus ihren Hausschuhen kippen. Wer will das schon? Das Ende der Gemütlichkeit?

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