Staats-Theater-Possen

Das Theater der Gegenwart existiert schon lange nicht mehr, es wurde von den Kulturrevolutionären mutwillig und hybrid in die Tonne getreten. Die Regisseure usurpierten über Nacht die Rechte und Ränge der Autoren. Sie studierten Foucault und andere mächtige Zeitgeister, plapperten deren Meinungen nach und zerfetzten damit die alten Stücke. Sie dekonstruieren Schiller und Shakespeare bis heute, indem sie etwa König  Philipp II.  in einen Bankpräsidenten verkleiden und den Inquisitor Alba in einen Mafiaboss, — Jottchen war, ja ist das originell, —   und sie fanden bei einer philiströsen Kritik dafür bislang andauernden Beifall. Das Publikum lief inzwischen in Scharen zu Musical und Kabarett davon.  Die Kritik nahm sich die Teufelskirchweih statt zu Herzen,  als Anerkennung ihrer hohen Bemühungen zu Buche und die Kommunalpolitiker die das Janze zu bezahlen haben, ließen sich beindrucken und entsprechend einschüchtern.  Die Stückeschreiber, die aus diesen  verkweren Zuständen Profit schlugen, hießen an erster Stelle die schlaue Frau Jelinek, gefolgt von Thomas Bernhard, dem Verfasser immergleicher eindimensionaler Monotonologe und Anklagehymnen.  Die Jelinek lieferte  bald gar keine Dialoge mehr, sondern nur sog. „Textflächen“-Vorlagen, also manierierten Prosatext, indem sie alles  mögliche gallig und obszön vermanscht:  Nazis, Feminismus, Marx, Terroristen, Sex, Ulrike Meinhof, Kapitalismus, Maria Stuart-  querbeet. Sie nimmt alles, was ihr abscheulich dünkt und gerade durchs Hirn kreucht. Die Regisseure können sich dann bedienen und ihre krassen Deutungen dazu verbreiten lassen durch Schauspieler, die natürlich auch auf ihr Kosten kommen. Denn das Prosa-Zeug, gut rhythmisiert, –das Takten kann sie doch, doch, –  erhält höchste Aufmerksamkeit und alle erhältlichen Preise und Trophäen. Wenn sie nicht so nobel wäre, die scheue Jelinek, (sie hat anscheinend soziale Phobien), könnte sie jederzeit mit Staatspräsidenten und ganz hohen Tieren zu Abend speisen. Sie ist immer  eingeladen.

Bestellte Jurymitglieder prämieren ihre Textflächen regelmäßig und nennen sie Stücke, dann Stille. Niemand erhebt Einspruch. Auch die Theaterwissenschaft nickt nur beflissen dazu. Die Jelinek hat doch inzwischen den Nobelpreis, na also. Was soll man sagen? Sagt das nicht jedem wenigstens einiges? Der andere Champion, der kontinuierlich inszeniert wurde mit viel Pomp und Aufwand an glänzenden sündteuren Bühnen-Bildern, ist der Botho Strauß. Er bringt vor allem das niemals endende, ganz  leicht philosophisch gehobene Beziehungsgeschwätz auf die Bretter, in welchem sich die Zuschauer dann nolens volens einigermaßen selbst wieder erkennen. Sind wir nicht alle verwöhnte substanzlose Wohlstandschwätzer? So etwas steht nach den Premieren stets in der Qualitäts- ja sogar ganz drunten- in der Lokalzeitung. Diese Message will ausgelegt sein, in Tausenden von Magister- und Diplomarbeiten. Ähnliches  gilt für die Pariserin Yasmina Reza  , die immer dieselben Dialoge abliefert, einmal mit Kunstkennern, dann wieder mit Geschäftsleuten, Webdesignern, Wissenschaftstypen, egal- alle Figuren haben ständig Beziehungsprobleme, die sie ganz allmählich schier in den Wahnsinn treiben, über die Grenzen jagen, nah ans Reich des wohlparfümierten Dionysos..Das zwischenmenschliche Gerede, in welchem man alles mögliche bei den Psychoanalytikern  und anderen Modezaren des Weltgeistes Aufgeschnappte -wie den berühmten Ödipuskomplex oder die Ichstrukturen  des impotenten, weil  zwiegeschlechtlichen  Mannes hinein platzieren kann — Gegenwartstheater? Noch nicht einmal Kabarettreife hat das frivole  Apokalypsospiel. Man erkennt das Zitat der alten Tragiker, aber es ist light, ohne Alkohol konsumierbar. Auch für das Schulbuch noch gut bekömmlich. . .

Die sog. DDR- Dramatik ist inzwischen eingeschlafen, sie zieht gar nicht mehr. Heiner Müllers und Volker Brauns Schlachthausgemälde der Welt-Geschichte, die stets in die kleine DDR abbog am Schluss, passen nicht mehr zum Geist der Zeit. Die Horrorstories von Stalingrad und Auschwitz sehen sich heute  gerade die jungen Leute lieber auf ihren smartphones in Guido Knopps  history an. Da wirken die Dokumente irgendwie  authentischer, sagen sie. Da reden sogar echte Zeitzeugen, echt super, sie finden Geschichte sogar ganz cool.

Aber nochmal: Man fragt sich, wie kommt man aus dieser Misere, die die Kulturrevolutionäre und ihre Zeitungsclaqueure-und  Freunde anrichteten,. je wieder heraus? Nur weil es seit 2 Jahrhunderten  große Theater gab, muss das jetzt auch noch sein, wo die Eventmacher doch viel gefragter und erfolgreicher rauhe  Massen an sich ziehen? Staatstheater als Bildungsauftrag? Man sieht ja was daraus in den öffentlichen Sendern wurde, eine Alibiveranstaltung in der Nacht für diejenigen, die den Faust sogar lesen könnten, und den anderen wäre der Text dann weiterhin durch Verballhornung und modische Gags und  Mätzchen nahe zu bringen?

Nein, vielleicht wäre  ein Autorentheater, in dem diese sich ihre Regisseure des Vertrauens selbst aussuchten, eine Möglichkeit? Doch das generelle Heil- und Erholungsmittel kann nur in einer vorübergehenden Streichung aller Subventionen liegen. Denn der liberale Staat braucht und verdient kein Theater in seinem Namen und die Städte sollen aus ihrer Mitte Theater gründen und wachsen lassen, anstatt sich weiterhin von  einem völlig korrupten überregionalen Selbstbedienungsbetrieb versorgen zu lassen. Diese eitlen Theaterkarrieristen mit Bezügen, wie sie Firmenmanager oder Generaldirektoren einstreichen, haben die Chuzpe, sich öffentlich selbst als Künstler zu bezeichnen.  Na gut, in der Nacht sind alle Kühe schwarz und gleich. Doch sie verhöhnen nicht nur die Politik, die sich vor ihnen fürchtet, sie verhöhnen auch alle Kunst, die, bevor sie kamen, einmal fürs Theater geschaffen wurde.

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