Kulturverwaltung verhütet die Kunst

Kulturverwaltung ist ein hölzernes Eisen. Kultur ist nicht zu verwalten, sondern nur zu schaffen. Dazu bedarf es schöpferischer Kräfte, nicht kunstfremde Angestellte, die meistens BWL; Politologie und so- oder Sozialpädagogik studiert haben. Kultur verwalten heißt, sie töten und lähmen. Wem dienen also diese Verwalter, den Künstlern? – die, falls sie Formulare ausfüllen können und sich brav den Ämtern anpassen, eventuell dort Almosen empfangen können. So macht man sie zu Abhängigen und bringt die Politik in Sicherheit vor unnützen Ansprüchen und Ausgaben. Denn der sozioökonomisch begründete und durchrationalisierte  Staat und seine Kommunen sieht in Kunst und Kultur allenfalls  Schmuck, für sich verwertbares Image  und Schein, der ihm hilft, seine dunkleren Geschäfte und Machenschaften besser zu verbergen.

Deshalb  reglementiert, dosiert, überwacht, verwaltet und trocknet man aus, was das dann noch als Rest schöpferischen  Lebens dahinvegetieren kann.  Kein Wunder, dass so die Kunst als ein Schreckbild der Verarmung und Brotlosigkeit erscheint vor einer Jugend, die ihre Zuflucht und ihr Auskommen lieber bei den sicheren Karriereleitern  der Technik sucht. Es gibt außerdem aus der Sicht der Verwalter eh wertbeständige und recyclbare Kunst, Altes genug, das der Leere des technisierten, ent-christlichten Daseins als Trost und Kontrast dienen kann.  Außerdem nicht zu vergessen, der hochvirtuose  Amüsier-und Showbetrieb an jeder Ecke der Medienwelt.  Kunst aber  als neue Erfahrung, als Feste der Sinn–Verschwendung, der unerhörten  Erzählung und  des Fortgangs  innovativer Musik kann gerade noch als Spielfeld der Erben und der vermögenden Leute fortfristen; – in einen subventionierten Schonbereich, wie er etwa auch dem bald aussterbenden Teichrohrsänger zugebilligt wird. Kunst schließlich auch ein Terrain der reichen Leute, der Vermögensverwalter, der Zahnärzte und all jener Begünstigten, die Geld anzulegen haben und also sich ihre Kunst und Künstler selbst kaufen können.

Kultur war immer schon der Feind der Künste, die von jener entschärft und zurückgeholt werden sollten ins Reich der Normen  und der Bürgerverträglichkeit. Als Kunstdruck ist Kunst dergestalt dann auch erhältlich für jedermann und seine Wohnstuben. Kultur also immer im Widerstreit gegen die anflutenden, anstürmenden Künste, die die Institutionen der Kultur und der Politik zu zerbrechen und  zu attackieren drohten. Dieser kreative Kampf wurde der Bürgergesellschaft oder wie man heute sagt: der Republik der Steuerzahler  und Politikkunden,  zu riskant und man schob einen  weiteren Riegel vor:Die ausdifferenzierte Kulturverwaltung. Sie  steigert diese Versicherungen  noch, versorgt die Werke in Museen wie in einer Art modernster Altenheime für Wertsachen,  subventioniert  die Theater als Luxus-Sportstätten  für Bildungsgreise und ihre privilegierten Enkel. Die avanciert Musik, die nur als Spezial-Betrieb verwaltet werden kann, wird von den staatlichen Rundfunkanstalten und Industriesponsoren betreut und am Überleben gehalten. Das Feigenblatt ist man sich schuldig als Land der Beethoven und Mozarts. Der Jazz darf sich allerdings nicht beim Kultur-nur beim Sozialamt anstellen. Es gibt eben überall ärmere Leute und Flecken, auch in dem Land, wo es sonst den meisten Leuten so gut geht, wie noch nie in der Geschichte, sagt und hört man jetzt überall.

Die Verwaltung fungiert  als  Aufsichtsbehörde, die gleichzeig Therapien anbietet und  für Prävention gegen  die Radikalisierungstendenzen der Künstler sorgt, die anders als in Politik und Daseins-Verwaltung,  als reine Sozialempfänger  ohne diese Tendenzen nichts sind und keine Bedeutung erschaffen können. Das wissen weder die Bürgergesellschaft, noch  ihre unschuldigen Pädagogen und Wachhunde, und sie kastrieren so mit ihren Sicherheitsbedürfnissen das  Lebendigste, dessen Quellen doch Kunst und Kultur sind.  Die Quellen der Wissenschaft sind bereits okkupiert von der Technologie und deren neuen Industrien. Aus ihnen dringt viel verwertbares Fortschritts-Wissen, aber kein Leben mehr.

Kultur verwalten , das ist, in den jüngsten  Bildern des ewigen Schilda gesprochen, als wollte man aus Angst vor einer Überschwemmung den Fluss verdünnen und ihn übers Jahr in Gläsern abfüllen.  Safety first.

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