Damen -Literatur zwischen Mode und Dünkel

Mit alten Büchern ernte ich die besten Einsichten, wenn ich die Texte lese, die größte Geister, also Shakespeare, Kafka, Goethe, Jean Paul  und andere vor mir schon lasen. Bei neuen Büchern häuft sich indessen der papierene Schrott bei mir. Das liegt daran, dass auf die meisten Kritiker kein Verlass ist. Sie loben und empfehlen verworrenes Zeug, superlativisch gestimmt und oft auf Talkshowniveau, weil sie ihr Geschäft  nie wirklich erlernt und ihr Urteil ausschließlich innert der Logik des Zeitungsbetriebs gewonnen haben. Wo denn, woher denn auch sonst, da seit dem Krieg ideologische Korrektheit und äußerste Vorsicht angebracht schien und die Kritik politischen Funktionären mit literarischer Ambition anheim gegeben ward. So ähnlich schrieb das sogar der Heinz Schlaffer, nach dem er emeritiert war und sein Mütchen endlich riskieren durfte, in  seiner kleinen Geschichte der Gegenwartsliteratur.

Oder denken Sie nur an die DDR-Intellektuellen  Meyer, Raddatz usf. – sie erfanden sogar eine neue Sparte: die „DDR Literatur“ – über diesen Quark  stehen noch überall Dissertationen herum.  Nach den politisch-korrekten Funktionären, von denen es heute natürlich mehr denn je gibt, streben jetzt immer mehr Frauen hervor, da es inzwischen ja selbstredend auch eine „Frauenliteratur“ gibt.    Ich denke da z.B. an jene peinliche Runde von vier hochdotierten Kultur-Edelfrauen, die sich um den smarten Herrn Scobel von 3 sat platzierten und hemmungslos über einen französischen Schmöker schwärmten, den man unbedingt lesen müsse. Er schildere die Situation in Paris um die neuen Philosophen Foucault , Derrida, Lacan und wie sie alle hießen und heißen, das  sei spannend wie ein Krimi.

„Das Gespräch schweift ab, man kommt auf Barthes. Der Verleger hält eine doppelsinge Grabrede auf ihn. Sollers erläutert: Viele Homosexuelle haben mir bei der einen oder anderen Gelegenheit das merkwürdige Gefühl vermittelt, sie würden sich von innen heraus verzehren..“

Denn Anlass der Ermittlungen sei der Unfalltod  Roland Barthes‘, des berühmten Bohemien und Semiotik-Professors, der in Wirklichkeit kein Unfall war, sondern  einen Mord maskieren sollte. Also die Prominenz der Figuren und der Glamour der Sache  war enorm werbewirksam.

„Lacan ist geistesabwesend. Der Fuß seiner Freundin streichelt immer noch BHL zwischen den Beinen. Der Verleger hofft, dass es bald vorbei ist. Althusser fühlt etwas Gefährliches in sich aufsteigen.“

Dazu kommt der preziöse Buch-Titel, der etwas von einer geheimen 7. Sprachfunktion zu enthüllen versprach. Welch pikantes Salongeheimnis. Natürlich roch ich den Braten. Das penetrant Geschwätzige des  Damenkränzchens um  den smarten Herrn Scobel  war nicht zu überhören. Ich vergaß ihre Namen, aber Sandra Kegel von der FAZ war dabei. Das weiß ich noch. Aber vielleicht täuschten sie sich ja an dem Pariser Stoff, den sie natürlich immer schon liebten wie ihr bestes Parfüm  und naturgemäß wollten sie immer schon einmal dabei sein, um zu erleben, wie der große Foucault in einer Pariser Sauna seine homosexuellen Neigungen auslebte. Aber vielleicht enthielt das Buch ja auch noch anderes. Möglicherweise sogar den schönsten Stil. Das behaupteten die Teuren jedenfalls. Also schaute ich rein, las vorne, in der Mitte und hinten, es war ein Knüller für Voyeure, schwule, weibliche und sicher auch Ergänzungs-Nahrung für Scobels künftige Philosophengespräche. Stilistisch ein krauses Gemisch aus Illustrierten-Prosa und mausgrauer Sekundärliteratur. Doch ich will nicht übertreiben, man erfährt tatsächlich einiges über Intimitäten, aus Cafes, Saunen, Salons und Restaurants. Und tatsächlich auch Brisantes, Süffisantes über die Perversionen der Berühmten.

„Althusser baggert die Chinesin an. Lacan zündet sich eine seiner berüchtigten Zigarren an. Es wird ein wenig übe Fußball geredet, und man einigt s8ich darauf dass Platini talentiert ist. ..Lacans Freundin geht mit BHL. Sollers schläft ein und träumt von der Orgie, die nicht sattgefunden hat.

Die Krimitapete freilich ist fad und künstlich  gewirkt und halt nach dem Geschmack der Saison.  Ich legte das Buch bald wieder weg und dachte, das sind also  die Frauen, denen man heute die Literaturkritik überlässt, wie ein altes ausgedientes Pferd, das zwar noch ganz gepflegt und  schön trabt und ausschreiten kann, mit dem man aber zu keinen Turnieren mehr reist. Auch das kein Wunder,  denn von den Jockeys haben nur wenige noch Weltformat, wie es aussieht. Und Herr Scobel ist kein Sportler,  nur Sportmoderator, ähnlich wie Herr Lanz ganz fürs Gesellschaftliche da. .

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