Richard Wagner im Spiegel der Heutigen

Die Augsburger Allgemeine geniert sich nicht. Sie hält ihre Leser offensichtlich für Vollpfosten. Heute schreibt einer ihrer Schkribler über die Meistersingerpremiere in Bayreuth gleich auf der ersten Seite vom „Heidenspaß“ . „Ruhe an der Wagnerfront, alle haben sich lieb “ und „ alle sind „wahnsinnig“ begeistert voneinander.  Die Intendantin am grünen Hügel, Katharina Wagner, lobte den Regisseur über den „grünen Klee“. Soviel Spaß und das mit dem Werk von RW.  –ja, buchstäblich, diese Abkürzung steht so da: RW – als ging es um ein Konzert der Toten Hosen (TH).  Freilich die gelangen  noch nicht so bald auf die erste Seite. Die sind noch etwas für den traditionellen „Kulturteil“ (abscheuliches Wort). Schließlich schreibt er: Man dürfe gespannt sein, ob am Ende die Lachtränen beim Publikum „spritzen“ werden.  Ich wäre beinah vom Hocker gefallen, und hörte drum in der Premierenpause  kurz bei Bayern 4 Klassik rein. Da plauderten die gelehrten Damen und Herren  ganz im Ernst über die mangelnde Komik der Meistersinger. Das völkische Spiel sei niemals eine Komödie. Die Deutschen, die Damen und Herrn gehören, -wenn ich mich nicht irre,-  wohl auch dazu, die wilhelminischen Deutschen, für die das Werk doch geschrieben worden sei, konnten niemals laut lachen. Das belegten sie prompt mit einem berühmten Zitat Sigmund Freuds über den Witz. Glasklar im Kontext ihrer ästhetischen Theorie.. Kurz:  Wagner, sie benützen die Abkürzung (RW)  gottlob noch nicht,  verfehle doch das Genre. Der Dirigent Jordan ist im nachfolgenden Interview ganz anderer Meinung, er betonte, das Stück sei die beste deutsche Komödie, die jemals geschrieben ward, die auch ohne Musik aufgeführt werden könne, denn der Text sei meisterhaft und könne sich jederzeit mit Lessings Minna oder Kleists zerbrochenem Krug messen. Jordan ist Schweizer und hat mit der deutschen Kunst, wie sie Hans Sachs vertrete, der natürlich das alter ego Wagners sei,  keine Probleme, sagte er, obwohl er natürlich auch wisse, wie und wieviel Goebbels  darüber geschrieben habe. Das konnten die Essayisten des Bayrischen Rundfunks  keine Sekunde lang vergessen  und sie konnten mit der Heiterkeit  der Musik deshalb gar nichts anfangen. Die Sänger empfanden sie allerdings wie eine Weltklasse sui generis. Ich hätte sie gerne gefragt, ob ihnen denn Mozarts  Requiem tragisch genug sei, oder ob man auch da letztlich zu wenig weinen kann. (Aber ich war zu bequem und rief dann doch nicht an) Man sieht indes, die peppige Art der Augsburger Allgemeinen (AA) ist nur das  haarscharfe  Gegenteil der Humorlosigkeit, die sich die BR-Journaille leistet, wenn sie Wagners Witzischkeit bemängelt, die ja auch ihr –zumindest unbewusst- abgeht, ganz ähnlich wie der sog. AA.

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