Populistische Wissenschaft

Warum die Wissenschaftler bei Bertelsmann die Lächerlichkeit nicht fürchten, ist mir schleierhaft. Müssen die Leute dort dringend immerzu beschäftigt werden? Sie brachten jetzt eine Studie zu der völlig unsinnigen Frage heraus: ist das deutsche Volk populistisch? Sie hätten sinnvoller gefragt,  ist das Volk misstrauisch gegen die Eliten? Oder: wie oft wäscht man sich im Volk das sprichwörtliche Maul? Luther benutzte schon dieses Wort und war womöglich populistisch.  Wer möchte für ihn da schon die Kastanien aus dem Feuer ho-..ich nicht.

Populismus wird aktuell als ein Kampfbegriff gegen all diejenigen in Stellung gebracht, die ein ungutes Gefühl haben, wenn alles so bleiben soll, wie es ist. Genau genommen ist populistisch eine demagogische Methode, die einfachen Leute mit Versprechungen zu ködern, die gar nicht einzuhalten sind. Wer möchte da den ersten Stein werfen, wer sich raushalten und für sich die pure Redlichkeit  reklamieren? Die Grünen? Die Linken? Die Autoindustrie? Da lob ich mir doch den Heinrich Heine, der gar nicht erst in den Verdacht geraten wollte, dem deutschen Volk schön zu tun und er hat es deshalb ganz unwissenschaftlich als den großen Lümmel bezeichnet. Und wie sollte man mit diesem schon reden, außer mit groben Parolen und handgeschnitzten Thesen? Die Rente ist sicher, der Diesel wird wieder sauber..usf..

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Die Phrasen der Aufklärung

Die Aufklärung als Phrase ist inzwischen ins allgemeinste Gerede gekommen. Jeder benutzt sie wie eine Handfeuerwaffe, um andere öffentlich ins Unrecht zu setzen. In den Verdacht zu bringen, dem Konsens abtrünnig zu werden. Dazu hatte ich ein markantes Erlebnis Mitte der 90er Jahre, als es im öffentlich rechtlichen Fernsehen eines späten Abends, als die Angestellten und auch die Arbeiterschaft schon schlief, zu einer heftigen Diskussion  über Aufklärung versus Religion kam. Welche credit lady die Runde damals moderierte, hab ich vergessen. Doch als Vertreter der bunten Jacke lud man neben den bekannten Neomarxisten und Aufklärern vom Stern –oder war‘s Spiegel-?  auch einen Jesuitenpater ins Studio, der die Religion vertreten sollte. Er hatte nur wenig Zeit, seine Narrenrolle auszufüllen. Denn kaum hatte  er damit begonnen, fuhr ihm sogleich eine junge Frau, die heute unter ihrem berühmten Namen  Thea Dorn  schon eine steile Medienkarriere hinter sich hat, in die Parade. Sie gab sich beinah erzürnt und ereiferte sich: wozu denn das? Wem der alte, längst überholte Standpunkt des katholischen Obskurantismus noch irgendetwas nütze?  Der sei doch nun wirklich längst widerlegt und überholt. Sie gab sich sehr siegesbewusst, trumpfte auf, denn sie brauche solch finsteren Mittelalter-Unsinn nicht mehr, sie habe nämlich die Moderne und die Aufklärung studiert, wie alle fortschrittlichen Subjekte,  das genüge ihr vollkommen. Ob der Herr Pater davon auch schon gehört habe?  Ihr Tonfall und ihre verbissene Miene verrieten, dass sie ihre  Einsichten als pure Ersatzreligion verstand, als bereits merklich ins Alter gekommene Ideologie. Denn sie ahnte noch nicht, dass mit jeder Wiederholung ihrer Phrasen diese sofort altern und schal werden. Eine Erfahrung, die ich als Student an der FU Berlin fortwährend machen konnte, als mir ein Aufklärer und Kaderkommunist nach dem andern mit seinen Plattitüden auf die Nerven fiel.  Das verstohlene Lachen des Paters wurde ihm nun von einem wissenschaftlichen Soziologen, der sich inzwischen als Gastprofessor viel in den USA aufhält,  als reaktionäre und elitäre  Arroganz ausgelegt. Man kenne ja den Dünkel der Kleriker genügend, sie hätten ja den heiligen Geist auf der Seite, also gar keine wissenschaftliche Anstrengung mehr nötig.  Ich dachte damals: welche Pyrrhussiege und sie merken noch gar nichts. Heute, nachdem ihnen der Islam eine heuchlerische Toleranz beibrachte, da  jede Islamkritik als Rassismus gilt, würden sich dieselben Aufklärungsideologen vermutlich nicht mehr ganz so vollmundig geben. Aber sie haben ihr Ziel ja längst erreicht, heute sind ihre Phrasen auf jedem Kreisklassenniveau zu hören.  In jedem teuren und billigsten Medienjournal. Ohne lautes Bekenntnis zu Aufklärung und Moderne darf heute keine mehr einen öffentlichen Kindergarten leiten. Sogar in die esoterischen Sekten drang die Ideologie ein, auch diese Leute kommen ohne Modernitäts-Fassade nicht aus. Kein besseres Image, kein Geschäft ohne diese Ideologie.         .

Mediendemokratie

Norbert Bolz, der Medienprofessor , ist ein Virtuose darin, dem großen Unsinn, der uns verstört, immer wieder tröstlichen Sinn abzutrotzen, dabei sanft darauf anspielend, dass er als Philosoph auch noch eine größere Katastrophe kennt, nämlich die Sinnlosigkeit. Aber das zu erörtern, würde hier zu weit in die Finsternisse der Komplexität hinein führen.  Nein, ich bewundere ihn dafür, wie er bei allen Katastrophen, über die er zu berichten weiß, sich persönlich anscheinend völlig heraushalten kann und den Eindruck des interesselos faszinierten Zuschauers erweckt. Was ihn ärgert bei dem Schauspiel, in das wir alle verstrickt sind, weiß er in objektiven Sätzen zu verhüllen, wie in der Feststellung: „Wir lassen die Krise der Presse auf sich beruhen“, um dann prompt fortzufahren: „ wir beobachten einen Strukturwandel von der Öffentlichkeit  zur Mediendemokratie.“  In dieser Struktur denke man nicht mehr, sondern fühle deutlich alles, worum es geht und  bald schon ginge. In dieser Demokratie  verwandle sich alles vom Faktischen ins Moralische. Die Moralisierung mache es allen möglich, die nichts von der Sache verstehen, an sämtlichen  Diskussionen teilzunehmen. Sie sei also eine Serviceleistung für Inkompetente.  Denn Menschen hätten heute keine Zeit und interessierten sich nicht länger für Probleme, sondern allein für Personen, in welchen sich alles Partei-und Konfliktmäßige abbilden lasse und  versammle. Um über Personen zu urteilen und sich in sie einzufühlen, sei es bequem und notwendig, auf Argumente und Kontexte völlig zu verzichten. Talkshows und Medienduelle sind Unterhaltungsformate, in welchen Medien und  Politik sich wechsel-und gegenseitig inszenierten. Das heißt, wir brauchen Politik nicht mehr als traditionelle Politik wahrzunehmen, sondern erleben sie als Teil der modernen Unterhaltungsindustrie. Diese schafft die Nachrichtenprodukte, bei denen sich der Kunde gut bedient fühlt. Mehr will und braucht er nicht, sagt man. Dass der Journalismus  dabei noch seine Aufklärungsstory erzählt, gehört zu Fassade und zum Image des Geschäfts, das nobel klingt, aber von niemand mehr verstanden werden soll. Es ist eine Art Legende bzw. Betriebslüge. Öffentliche Meinung wird so zu der Ware,  die jeder konsumiert, der dabei noch glauben kann, dass er meint, was er meine und immer schon meinte. Es ist ein Fetisch, der die Kunden  vor der Frage schützt: ist es falsch oder wahr, was ich glauben kann oder fühlen soll.  Denn sonst bräche  die Informationsflut herein, die  viel zu elementar ist, als dass sie irgendjemand noch  verarbeiten könnte. Vor dieser latent bedrohlichen Situation hütet uns die Mediendemokratie mit ihren Instrumenten des Infotainments . Das könnte sich erst ändern, wenn das Supergehirn der Big Data uns die Fakten neu geordnet vorlegt, und uns mit neuen Produkten der Hypermedien-Transparenz versorgt. Aber selbst wenn es soweit kommt, wird uns Professor Bolz, davon bin ich überzeugt, wieder aktuelle Theorien offerieren, die uns Trost schaffen können .

Mediendemokratie

Norbert Bolz, der Medienprofessor , ist ein Virtuose darin, dem großen Unsinn, der uns verstört, immer wieder tröstlichen Sinn abzutrotzen, dabei sanft darauf anspielend, dass er als Philosoph auch noch eine größere Katstrophe kennt, nämlich die Sinnlosigkeit. Aber das zu erörtern, würde hier zu weit in die Finsternisse der Komplexität hinein führen.  Nein, ich bewundere ihn dafür, wie er sich bei allen Katastrophen, über die er zu berichten weiß, sich persönlich anscheinend völlig heraushalten kann und den Eindruck des interesselos faszinierten Zuschauers erweckt. Was ihn ärgert bei dem Schauspiel, in das wir alle verstrickt sind, weiß er in objektiven Sätzen zu verhüllen, wie in der Feststellung: „Wir lassen die Krise der Presse auf sich beruhen“, um dann prompt fortzufahren: „ wir beobachten einen Strukturwandel von der Öffentlichkeit  zur Mediendemokratie.“  In dieser Struktur denke man nicht mehr, sondern fühle deutlich alles, worum es geht und eventuell bald ginge. In dieser Demokratie  verwandle sich alles vom Faktischen ins Moralische. Die Moralisierung mache es allen möglich, die nichts von der Sache verstehen, an sämtlichen  Diskussionen teilzunehmen. Sie sei also eine Serviceleistung für Inkompetente.  Denn Menschen hätten keine Zeit und interessierten sich nicht länger für Probleme, sondern allein für Personen, in welchen sich alles Partei-und Konfliktmäßige abbilden lasse und  versammle. Um über Personen zu urteilen und sich in sie einzufühlen, sei es bequem und notwendig, auf Argumente und Kontexte völlig zu verzichten. Talkshows und Medienduelle sind Unterhaltungsformate, in welchen Medien und  Politik sich wechsel-und gegenseitig inszenierten. Das heißt, wir brauchen Politik nicht mehr als traditionelle Politik wahrzunehmen, sondern erleben sie als Teil der modernen Unterhaltungsindustrie. Diese schafft die Nachrichtenprodukte, bei denen sich der Kunde gut bedient fühlt. Mehr will und braucht er nicht. Dass der Journalismus  dabei noch seine Aufklärungsstory erzählt, gehört zu Fassade des Geschäfts, das gut klingt, aber von niemand mehr verstanden werden soll. Es ist eine Art Legende bzw. Betriebslüge. Öffentliche Meinung wird so zu der Ware,  die jeder konsumiert, der dabei noch glauben kann, dass er meint, was er meine und immer schon meinte. Es ist ein Fetisch, der die Kunden  vor der Frage schützt: ist es falsch oder wahr, was ich glauben kann oder soll.  Denn sonst bräche  die Informationsflut herein, die  viel zu elementar ist, als dass sie irgendjemand noch  verarbeiten könnte. Vor dieser latent bedrohlichen Situation hütet uns die Mediendemokratie mit ihren Instrumenten des Infotainments . Das könnte sich erst ändern, wenn das Supergehirn der Big Data uns die Fakten neu geordnet vorlegt, und uns mit neuen Produkten der Hypermedien-Transparenz versorgt. Aber selbst wenn es soweit kommt, wird uns Professor Bolz, davon bin ich überzeugt, wieder aktuelle Theorien erklären, die uns Trost schaffen können .

Damen -Literatur zwischen Mode und Dünkel

Mit alten Büchern ernte ich die besten Einsichten, wenn ich die Texte lese, die größte Geister, also Shakespeare, Kafka, Goethe, Jean Paul  und andere vor mir schon lasen. Bei neuen Büchern häuft sich indessen der papierene Schrott bei mir. Das liegt daran, dass auf die meisten Kritiker kein Verlass ist. Sie loben und empfehlen verworrenes Zeug, superlativisch gestimmt und oft auf Talkshowniveau, weil sie ihr Geschäft  nie wirklich erlernt und ihr Urteil ausschließlich innert der Logik des Zeitungsbetriebs gewonnen haben. Wo denn, woher denn auch sonst, da seit dem Krieg ideologische Korrektheit und äußerste Vorsicht angebracht schien und die Kritik politischen Funktionären mit literarischer Ambition anheim gegeben ward. So ähnlich schrieb das sogar der Heinz Schlaffer, nach dem er emeritiert war und sein Mütchen endlich riskieren durfte, in  seiner kleinen Geschichte der Gegenwartsliteratur.

Oder denken Sie nur an die DDR-Intellektuellen  Meyer, Raddatz usf. – sie erfanden sogar eine neue Sparte: die „DDR Literatur“ – über diesen Quark  stehen noch überall Dissertationen herum.  Nach den politisch-korrekten Funktionären, von denen es heute natürlich mehr denn je gibt, streben jetzt immer mehr Frauen hervor, da es inzwischen ja selbstredend auch eine „Frauenliteratur“ gibt.    Ich denke da z.B. an jene peinliche Runde von vier hochdotierten Kultur-Edelfrauen, die sich um den smarten Herrn Scobel von 3 sat platzierten und hemmungslos über einen französischen Schmöker schwärmten, den man unbedingt lesen müsse. Er schildere die Situation in Paris um die neuen Philosophen Foucault , Derrida, Lacan und wie sie alle hießen und heißen, das  sei spannend wie ein Krimi.

„Das Gespräch schweift ab, man kommt auf Barthes. Der Verleger hält eine doppelsinge Grabrede auf ihn. Sollers erläutert: Viele Homosexuelle haben mir bei der einen oder anderen Gelegenheit das merkwürdige Gefühl vermittelt, sie würden sich von innen heraus verzehren..“

Denn Anlass der Ermittlungen sei der Unfalltod  Roland Barthes‘, des berühmten Bohemien und Semiotik-Professors, der in Wirklichkeit kein Unfall war, sondern  einen Mord maskieren sollte. Also die Prominenz der Figuren und der Glamour der Sache  war enorm werbewirksam.

„Lacan ist geistesabwesend. Der Fuß seiner Freundin streichelt immer noch BHL zwischen den Beinen. Der Verleger hofft, dass es bald vorbei ist. Althusser fühlt etwas Gefährliches in sich aufsteigen.“

Dazu kommt der preziöse Buch-Titel, der etwas von einer geheimen 7. Sprachfunktion zu enthüllen versprach. Welch pikantes Salongeheimnis. Natürlich roch ich den Braten. Das penetrant Geschwätzige des  Damenkränzchens um  den smarten Herrn Scobel  war nicht zu überhören. Ich vergaß ihre Namen, aber Sandra Kegel von der FAZ war dabei. Das weiß ich noch. Aber vielleicht täuschten sie sich ja an dem Pariser Stoff, den sie natürlich immer schon liebten wie ihr bestes Parfüm  und naturgemäß wollten sie immer schon einmal dabei sein, um zu erleben, wie der große Foucault in einer Pariser Sauna seine homosexuellen Neigungen auslebte. Aber vielleicht enthielt das Buch ja auch noch anderes. Möglicherweise sogar den schönsten Stil. Das behaupteten die Teuren jedenfalls. Also schaute ich rein, las vorne, in der Mitte und hinten, es war ein Knüller für Voyeure, schwule, weibliche und sicher auch Ergänzungs-Nahrung für Scobels künftige Philosophengespräche. Stilistisch ein krauses Gemisch aus Illustrierten-Prosa und mausgrauer Sekundärliteratur. Doch ich will nicht übertreiben, man erfährt tatsächlich einiges über Intimitäten, aus Cafes, Saunen, Salons und Restaurants. Und tatsächlich auch Brisantes, Süffisantes über die Perversionen der Berühmten.

„Althusser baggert die Chinesin an. Lacan zündet sich eine seiner berüchtigten Zigarren an. Es wird ein wenig übe Fußball geredet, und man einigt s8ich darauf dass Platini talentiert ist. ..Lacans Freundin geht mit BHL. Sollers schläft ein und träumt von der Orgie, die nicht sattgefunden hat.

Die Krimitapete freilich ist fad und künstlich  gewirkt und halt nach dem Geschmack der Saison.  Ich legte das Buch bald wieder weg und dachte, das sind also  die Frauen, denen man heute die Literaturkritik überlässt, wie ein altes ausgedientes Pferd, das zwar noch ganz gepflegt und  schön trabt und ausschreiten kann, mit dem man aber zu keinen Turnieren mehr reist. Auch das kein Wunder,  denn von den Jockeys haben nur wenige noch Weltformat, wie es aussieht. Und Herr Scobel ist kein Sportler,  nur Sportmoderator, ähnlich wie Herr Lanz ganz fürs Gesellschaftliche da. .

Atempause

Natürlich, die Ironie schafft Abstand zur Zeit und den ihr Hörigen und Verwandten. Auch ist es erfreulich, sogar ein wenig befreiend, allmählich herausgefunden zu haben, dass viele Dinge, die Vorbild und Vorfahr für wahr hielten, gar nicht wahr, ja falsch sind. Doch wie wenig Wahres wissen wir, das sie nicht wussten?

Richard Wagner im Spiegel der Heutigen

Die Augsburger Allgemeine geniert sich nicht. Sie hält ihre Leser offensichtlich für Vollpfosten. Heute schreibt einer ihrer Schkribler über die Meistersingerpremiere in Bayreuth gleich auf der ersten Seite vom „Heidenspaß“ . „Ruhe an der Wagnerfront, alle haben sich lieb “ und „ alle sind „wahnsinnig“ begeistert voneinander.  Die Intendantin am grünen Hügel, Katharina Wagner, lobte den Regisseur über den „grünen Klee“. Soviel Spaß und das mit dem Werk von RW.  –ja, buchstäblich, diese Abkürzung steht so da: RW – als ging es um ein Konzert der Toten Hosen (TH).  Freilich die gelangen  noch nicht so bald auf die erste Seite. Die sind noch etwas für den traditionellen „Kulturteil“ (abscheuliches Wort). Schließlich schreibt er: Man dürfe gespannt sein, ob am Ende die Lachtränen beim Publikum „spritzen“ werden.  Ich wäre beinah vom Hocker gefallen, und hörte drum in der Premierenpause  kurz bei Bayern 4 Klassik rein. Da plauderten die gelehrten Damen und Herren  ganz im Ernst über die mangelnde Komik der Meistersinger. Das völkische Spiel sei niemals eine Komödie. Die Deutschen, die Damen und Herrn gehören, -wenn ich mich nicht irre,-  wohl auch dazu, die wilhelminischen Deutschen, für die das Werk doch geschrieben worden sei, konnten niemals laut lachen. Das belegten sie prompt mit einem berühmten Zitat Sigmund Freuds über den Witz. Glasklar im Kontext ihrer ästhetischen Theorie.. Kurz:  Wagner, sie benützen die Abkürzung (RW)  gottlob noch nicht,  verfehle doch das Genre. Der Dirigent Jordan ist im nachfolgenden Interview ganz anderer Meinung, er betonte, das Stück sei die beste deutsche Komödie, die jemals geschrieben ward, die auch ohne Musik aufgeführt werden könne, denn der Text sei meisterhaft und könne sich jederzeit mit Lessings Minna oder Kleists zerbrochenem Krug messen. Jordan ist Schweizer und hat mit der deutschen Kunst, wie sie Hans Sachs vertrete, der natürlich das alter ego Wagners sei,  keine Probleme, sagte er, obwohl er natürlich auch wisse, wie und wieviel Goebbels  darüber geschrieben habe. Das konnten die Essayisten des Bayrischen Rundfunks  keine Sekunde lang vergessen  und sie konnten mit der Heiterkeit  der Musik deshalb gar nichts anfangen. Die Sänger empfanden sie allerdings wie eine Weltklasse sui generis. Ich hätte sie gerne gefragt, ob ihnen denn Mozarts  Requiem tragisch genug sei, oder ob man auch da letztlich zu wenig weinen kann. (Aber ich war zu bequem und rief dann doch nicht an) Man sieht indes, die peppige Art der Augsburger Allgemeinen (AA) ist nur das  haarscharfe  Gegenteil der Humorlosigkeit, die sich die BR-Journaille leistet, wenn sie Wagners Witzischkeit bemängelt, die ja auch ihr –zumindest unbewusst- abgeht, ganz ähnlich wie der sog. AA.