Die Tomate

Jedes Jahr der Anblick der Strauchtomate. Die vollendete Form. Wenn ich reinbeiße, überkommt mich das Gefühl des Sommers, wie es immer war, seit ich denken kann. Das Gefühl wie die Form restlos geglückt.  Kein Wunsch, der noch ausstünde. Wie sie schmeckt, ist sie und alles ist gesagt. Wenn es irgendein Symbol des Ganzen gibt, dann ist sie es. Sie bedeutet, was sie bezeichnet. Das Einfache, das Rote, das Runde. Ich fühle mich wohl mit ihr wie sonst nie. Sie birgt und hütet mich im All, könnte ich sagen, wenn ich dazu nicht lieber schwiege. Selbst der Pfirsich, der wunderliche, stimmt mich oft zu hochmütig, weil er meinen Verstand überfordert, eine Niederlage nach dem Genuss, die ich mir nie eingestehen kann. Er ist dann wie eine Erinnerung, irgendwie immateriell.  Selbst die Weintraube im Spätherbst, die mir viel bedeutet, überflügelt mich schon, wenn ich bloß an sie denke. Sie erzählt mir viel mehr, als ich zu fassen vermag. Der Tomate aber bin ich gewachsen, sie nimmt mich auf in ihre Fülle – ohne ein Wort.

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