Helmut Kohl und Kai Diekmann

Natürlich konnte es mir nicht entgehen, dass der Bild-Chef-und spätere BILD-Herausgeber Diekmann immer ein treuer Gefolgsmann Helmut Kohls war. Dass ihn seine Treue bald schon zu einer persönlichen Duzfreundschaft mit Helmut Kohl führte, wusste ich nicht. Kohl gab den Trauzeugen bei Kais Hochzeit mit Katja 2002, und bei Kohls zweiter Hochzeit mit Maike Richter, 11 Wochen bereits nach seinem schrecklichen Unfall, diente ihm Kai zusammen mit Kohlfreund Leo Kirch in selbiger Funktion. Diekmann und Kohl trafen sich immer wieder zum vertraulichen Gespräch bei Pfälzer Wein in Berlin, in Oggersheim und Hamburg. Für beide scheint mir das persönliche Glück des Zu- spät-Geborenseins einen Fingerzeig auf ihre großen Karrieren zu geben. Kohl war am Ende des 2. Weltkriegs erst 15 Jahre alt, Diekmann war die Gnade vergönnt, die sinnverstörende Kulturrevolution von 68 im Kleinkindalter von 3 Jahren versäumen zu dürfen. So entrannen sie beide, schier im unbewussten Stande der Unschuld, den ideologischen Verseuchungen jüngster deutscher Geschichte. Diekmann gab nun in einer langen Würdigung seines verstorbenen Freundes preis, welche intimen, gleichwohl geschichtsträchtigen Situationen ihn mit dem großen Pfälzer und Europäer verbanden. Einmal bat ihn Kohl, nachdem er sich mit Helmut Schmidt zu einem letzten Gespräch traf, in Hamburg zur Nachbesprechung. Es ist zu vermuten, dass Diekmann Quellenkenntnisse jüngster Geschichte und Staatsgeheimnisse besitzt, die er uns hoffentlich in seinen Memoiren schon bald anvertrauen wird. Möglicherweise wird er sogar die Siegel der Verschwiegenheit seines Freunds Helmut aufbrechen, um die Namen der illegalen Spender bekannt zu geben, die Kohl nun vorerst mit in sein Grab nahm. Zutiefst rührend ist auch die Episode, die Kai erzählt, als er nach Kohls Kanzlersturz ins dunkle Kanzlerbungalow gebeten wurde, wo die künftige Schröderregierung, schnöde wie stets, schon alles Personal abgezogen hatte und der große Einheitsdeutsche nun unbeholfen und schier hilflos nach den Lichtschaltern suchte. Auch fand er keinen Korkenzieher mehr im Amt und beide drückten den Korken einfach in den Flaschenhals. Ach, es gab noch die ein und andere Situation, die Diekmann jetzt berichtet und die manchem begabten Literaten künftig als Stoffvorlage dienen kann , um sie in höhere symbolische Qualität zu verwandeln.. Diekmanns Loyalität den einfachen Bildlesern gegenüber riet es ihm, seinen Sätzen keinen größeren Schliff zu verleihen, keinen pompöseren Stil, als wie ein solcher etwa auch seinen Kollegen in der Provinzpresse jederzeit zur Hand ist. Schlichte einfache Sätze, ehrliches Graubrot des politischen Willens, auch das ein letzter Dienst an seinem Freunde, der auch sprachlich der Hausmannkost stets den Vorzug gab. Eine der Lieblingsvokabeln Kohls war die Hausaufgabe, und wie er dabei den Au-Laut des gewöhnlichen Ausdrucks von Schmerz zum Aus desselben verdünnte und verheilen lassen wollte, bleibt mir unvergesslich.

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