Aus: „ Meine Traumprotokolle“

Hatte heute einen wirren Traum, Seehofer der bayrische Löwe ist plötzlich gestorben an einer Fischgräte, wie in dem berühmten Stück von Witold Gombrowicz. Eine namenlose Staatstrauer brach aus , ein riesiges Machtvakuum  bedrohte die bayrische Gemütlichkeit. Wer sollte ihm nachfolgen? Die Ratlosigkeit eskalierte und am Ende pilgerten  hohe Würdenträger, unter denen viele Prominente wie Uli Hoeness, der  Schubeck und sogar ein uralter Wittelsbacher mit seiner taufischen jungen Frau zu sehen waren , nach Rom, um vom greisen Expapst Benedikt  Weisheit und Rat zu erbitten. Der Papst ging lange in sich, während die Münchner Pilger im Vatikanstüberl auf ihn warteten. Nach wenigen Tagen öffnete er seinen Hörsaal und sagte, er habe es lange überlegt. Aber man müsse endlich sowohl die alten Denk-Schablonen  des kalten Krieges, als auch das intellektuelle Stroh  der 70er und 80er Jahre über Bord werfen. Eine neue geistespolitische Umkehr sei im Gange. Das habe er deutlich in seinem Gebet gespürt. Auch sein Freund Wojtyla habe ihm wieder einen entscheidenden  Wink gegeben. Kurz: Er rate seinen braven Landsleuten, den Schulz zu ihrem neuen Führer zu ernennen. Er sprach das Wort Schulz sehr weich und langgezogen aus.   Maßlose Sprachlosigkeit erfasste die Münchner Runde, aber Benedikt duldete keine Einsprüche oder Diskussionen. Der Relativismus des kranken westlichen Denkens, sagte er streng,  sei am Ende und nur ein Europäer von der bescheidenen, demütigen Statur des Herrn Schulz sei die beste Lösung. Der Würselener sei überdies katholisch, käme aus einfachem Hause wie unser Herr Jesus, dessen Vater bekanntlich ein Zimmermann war,  und überhaupt mit dem modischen protestantischen Faxen  könne die Einheit des deutschen Vaterlandes nicht mehr gerettet werden. Die Nachricht verbreitet sich in wahren Schockwellen über ganz Europa. Ich kann mich noch gut erinnern, welche Polemik und welchen Straßenaufruhr es zunächst gegeben hatte.  Allmählich aber leuchtete es jedem ein, sogar den radikalsten Atheisten und Protestanten, dass nur durch eine Renaissance der katholischen Machtfülle, und deren ästhetischen Glanz die Gefahr der Islamisierung Europas noch einmal abgewendet werde konnte. Benedikt hatte gesprochen  und lud die bayrischen Emissäre  noch zu einer kleinen stillen Eucharistiefeier in seine Hauskapelle ein. Schulz war inzwischen schon in einem mit schönen Marienbildern  bekränzten Sonderzug, in welchem viele europäische Spitzenvertreter der Industrie und der IT Branche ihn begleiteten, unterwegs in die bayrische Hauptstadt, wo er auf dem Marienplatz öffentlich seinen vielen Irrtümern abschwören sollte. Böse Zungen in meinem Traum spotteten, jetzt erst mit dieser Schulzwende seien die braunen Erinnerungen an die einstige Hauptstadt der Bewegung endgültig reingewaschen. Wie es weitergeht, weiß heute jeder.  Ich stieg damals in meinem Traumzug eine Station vor München aus, um mich mit meiner Exfrau auszusöhnen. Ich war jetzt genau in der richtigen Stimmung.  Sie war ja auch eine gute, sehr sinnliche  Katholikin.  .

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