Die Rede von der Komplexität

Man hört die Phrase immer häufiger. Was bedeutet sie und wozu wird sie gebraucht? Sie hängt wohl mit der Digitalisierung zusammen, mit dem Internet der ins Unendliche vernetzten Dinge. Dieses Meer der Daten ist zwar schon da, aber weder überall befahren, noch gibt es zuverlässige, geprüfte Seekarten, die einem Kapitän oder Schiffsunternehmer eindeutige Orientierung gäbe. Die Welt der Dinge ist also bislang undurchschaubar, liegt weitestgehend im absolut Dunklen, in welchem wir uns die alten Legenden aus dem analogen Dasein , Bilder wie z.B. das vom Wald von lauter Bäumen, erzählen, um unsere Angst vor der Zukunft etwas zu dämpfen. Auch die Aussagen von der Komplexität mögen goldrichtig  wie unerklärlich sein, hauptsächlich aber sollen auch sie uns fürs erste beruhigen. Wenn keine einfache Aussage und Lösung in der Welt mehr wahr sein kann, weil sie viel zu einfach daherkommt, viel zu unterkomplex  ist und  ihre eigene Bedingtheit durch  die weltumspannende Komplexität nicht durchschaut, wird der Begriff Wahrheit und Tatsächlichkeit überhaupt verdächtig und öffnet das Tor, hinter dem Myriaden von Meinungen und Lügen sich ausbreiten und überall verbreitet werden. Vor diesem Tor steht das prophetische Wort Heideggers, des Philosophen: „ Das Licht der Öffentlichkeit verdunkelt alles.“

In dieser Welt-Finsternis verwenden die Mediensprecher das Wort Komplexität natürlich auch als Keule gegen Andersgläubige.  Und ehrgeizige Wissenschaftler aller Couleur, die in spe zugleich Mediensprecher sein werden, unterstützen sie bei der Dekonstruktion der viel zu einfachen Sprache.  Jedem bekannt ist inzwischen die Zertrümmerung der Märchenwörter männlich und weiblich. Es sind nichts als triviale Mythen und  primitive Propagandakeulen, sagen die Genderistinnen und Genders. Ähnlich könnte man auf die Unterkomplexität der sozialen Gerechtigkeit verweisen. Wer behauptet denn ernsthaft noch, dass das System des Sozialen mit dem System Gerechtigkeit kompatibel, vergleichbar, vereinbar sei, wo Gerechtigkeit doch kaum eine empirische Basis für sich reklamieren kann undsoweiter.  Man sieht, solange die neue Weltstruktur der Komplexität aller Dinge noch ganz im Anfang seiner Erforschung steckt,  sind wahre Sätze und Reden für die nächste Zeit gar nicht mehr möglich. Sie gehören noch der teils schon  überwundenen, analogen Unvernunft an. Drum das weltweite Gezänk um die fake  news, jeder Populist gleich welcher Hautfarbe und Gesinnung behauptet, was er will und schleudert die Komplexität als polemische Keule gegen den anderen, der etwas anderes will  und das mit viel zu einfachen Formeln erklärt.  Die Digitalisierung läuft darauf hinaus, dass wir unser Denken und Meinen den Superhirnen der künstlichen  Intelligenz überlassen, bei welchen wir dann wie heute an den Bankomaten unsere Einsichten und  Überzeugungen  abholen. Das ist die Aussicht auf die schöne digitale Welt,  in der dann Werte wie Landessprachen und Demokratie, Gleichheit usw. als Antiquitäten und Oldtimer in noblen Kinosälen gepflegt und bewundert werden können.

 

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