Der Busfahrer und der Sascha Lobo

Neulich kam es bei der unseligen Frau Maischberger zu einem wilden Meinungsstreit zwischen einem Busfahrer und Sascha Lobo, dem Medienexperten mit dem berühmten Irokesen auf seinem Kopf. Der Busfahrer beklagte bei den hiesigen Medien eine deutliche Tendenz zur Gleichschaltung und er gab auch gleich Beispiele dafür zum Besten.  Das rief spontan den Zorn des Talkshowstars und  Irokesen Lobo hervor. Ob der gute Mann denn wisse, was er da  Ungeheuerliches behaupte. Ja, das wisse er, er entstamme nämlich dem DDR-Osten und bedürfe in dieser Sache keiner Belehrung. Ulrich Wickert schaltete sich ein und wollte den Busfahrer verstehen, um ihn etwas zu besänftigen. Aber Vera Lengsfeld, ebenso Kind des alten Ostens, verstand ihn gleich noch besser, und auch sie beklagte eine Tendenz zur Manipulation der News in den herrschenden Medien. Frau Maischberger war naturgemäß sogleich wieder überfordert, und sie wollte nun die Meinungen ordnen und schürte leider das Chaos noch mehr an. Folglich griff Lobo die gute Vera an, die ganz nervös wurde und nur noch stottern konnte. Endlich meldete sich auch der Statistiker, ein sonorer Herr im dunkelblauen Arbeitszwirn, der lange geschwiegen hatte und er beruhigte die Runde. Es sei doch alles ganz normal. Gut, mein Gott, Lügenpresse, das alte Wort, das Goebbels schon benutzt habe,  sei  natürlich polemisch, aber sonst sei es immer so gewesen, dass 40 Prozent der Meinungskonsumenten den Medien nicht vertrauten und nur 60 Prozent ihnen aufs Wort glaubten. Das sei nichts Neues, das sei immer so gewesen. Und Wickert rief dazwischen, „das ist auch gut so. “.  Ja, das gehört sich in einer guten Demokratie, pflichtete ihm der Statistiker bei. Jetzt schien die arme Frau Maischberger vollends konfus geworden, schaute auf ihren Redaktionszettel und wollte ein neues Thema anschieben. Denn sonst ginge alles noch mehr durcheinander als bisher schon, meinte sie, wie ein tapfere Lehrerin in einer Böse-Bubenschule.  Versuchten die Journalisten tatsächlich Politik zu machen, statt neutral zu bleiben, setzte sie neu ein.  Nein, eigentlich nicht. Wickert zitierte prompt aus dem Lehrbuch der objektiven Berichterstattung, nach dem Herrn Dovifat, aber natürlich sei es auch so, räumte er ein, alle Fünfe wieder grade sein lassend, dass in der Praxis Politiker und Journalisten oft zusammenhockten bei einem Gläschen und da sei es ja kein Wunder undsoweiter. Das weiß doch jeder vom Fach.  Das kenne man doch. Also doch. Alles zerfloss wieder, viel heiße Luft drang von neuem in die Debatte, nur der Sascha wollte nochmal mit dem Busfahrer abrechnen, aber dieser blieb gelassen und sagte nur: „der Herr Lobo versucht die ganze Zeit, seine Meinung intellektuell zu überhöhen, das interessiert mich aber gar nicht.“ Oh je, welches Debakel. Es kam zu keinen Resultaten, Frau Maischberger aber moderierte ab, dass die Diskussion doch sehr interessant gewesen sei und man sie noch stundenlang hätte fortführen können. Aber die Sende-Zeit, leider, war wie immer wieder einmal vorbei und der Busfahrer, den man eigentlich als einen bildungsschwachen Normalbürger vorführen wollte, der sich abgehängt fühle und sich darum nach rechts zu Pegida hinneige, entkam bemerkenswert  schadlos der Schwafelrunde.  Ich musste an Bert Brecht denken, wie er wohl die Begegnung des lesenden Busfahrers mit einer Gruppe federführender Tuis nachzuempfinden uns empfohlen hätte.

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