Der Dandy macht sich interessant

Nein, er schreibt nicht die rasanteste Prosa der Gegenwartsliteratur, wie der Knirps von der Zeit und auch der Fastfoodverkäufer Denis Scheck meinen. Kracht macht sich interessant durch seine Geschmäcklerei, sein Plot vom großen Cinema ist grandios konstruiert (oder sagt man jetzt nobler: „dekonstruiert“)  und treibt es freilich allzu bunt mit seinen Adjektiven. Die Nazis hielten auf den Tod, ja  besser: Totenkult. Doch von „makelloser Todessehnsucht“ gleich zu sprechen, ist verblasen  und verklärend. Er zergliedert seine mühsam in Gang kommende  Handlung in kleine Kapitelchen und Häppchen, kennt kaum einen Dialog, nimmt seine Einfälle und Episoden bierernst, und renommiert mit seinen Allerwelts-Kenntnissen, zwischen Japan, Schweiz, Amerika und nirgendwo . Denn er ist weitgereist, das imponiert den Hauptstädtern, die mit uns lesenden Provinzlern nicht das Dasein teilen, sondern gleich von der „Kosmologie  unseres Seins“reden wollen. Das klingt  nach viel zu großen Latschen, mit denen klein Christian durch seinen Parfümladen schlürft und sich weltmännisch dünkt dabei. Das hat von Anbeginn an zähe Längen, dem Autor magelt’s an Schwung, das kann sein narzisstischer Gusto und der pompöse Titel des Ganzen („die Toten“) nirgends vertuschen.

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