Grenzenlose Ironie

Ironie der offenen Grenzen: Passkontrollen vor jedem Volksfest. Die Kontrollen und Zäune, die man  an den Grenzen nicht haben will, haben wir jetzt im Inland.

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Foucault XXL

Der lebende Autor mit seinen mehr oder weniger unverwechselbaren Kennzeichen spielt keine Rolle, meinte Foucault. Der Autor sei nur eine Funktion, eine Art Gleichung, durch die etwas hindurchfließt, das Foucault den Diskurs nannte: ein Schwarm von Aussagen, die überall in der Gesellschaft am Werk sind und sich im Schriftsteller wie in einem Wirtskörper einnisten, um durch ihn zu sprechen und in seinen Schriften Gestalt anzunehmen.

Solche Autoren gibt es, die den Diskurs tragen, statt ihn zu durchdringen und zu zerbrechen. Sich selbst reservierte der Philosoph selbstredend einen Posten der Beobachtung außerhalb dieser Diskurse. Anderen, womöglich mächtigeren Autoren als er einer war, gestand er diese Position nicht zu. Sehr trickreich dieser Dünkel.

Das Abgenudelte

Der Jammer im Geistbetrieb ist, dass man ihm überall das Routinierte,  das Immergleiche, den Mangel an Begeisterung anmerkt. Das Übliche, Gewohnheitsmäßige und Könnerhafte ist ein müdes Betriebsgeheimnis.  Selbst die Polemik eines Klonovsky hat plötzlich keine Kraft mehr, er schimpft und diffamiert seinen Feind mehr, als dass  dieser ihn bis ins Mark erzürnt. Er prunkt mit seinen hart und autodidaktisch erworbenen Bildungsschätzen. Da man ihm nie etwas schenkte, vergisst er selbst das Schenken, das seine Polemik reich und großzügiger machen könnte. Das Motiv des Zukurzgekommenen lässt seine hässliche Rachsucht oft aufscheinen. Seine Liebe zum Dasein schmeckt vorsätzlich, nicht ganz echt. Er ist das Revers zum Betrieb, den er mit gutem Grund verachtet.

Der Dandy macht sich interessant

Nein, er schreibt nicht die rasanteste Prosa der Gegenwartsliteratur, wie der Knirps von der Zeit und auch der Fastfoodverkäufer Denis Scheck meinen. Kracht macht sich interessant durch seine Geschmäcklerei, sein Plot vom großen Cinema ist grandios konstruiert (oder sagt man jetzt nobler: „dekonstruiert“)  und treibt es freilich allzu bunt mit seinen Adjektiven. Die Nazis hielten auf den Tod, ja  besser: Totenkult. Doch von „makelloser Todessehnsucht“ gleich zu sprechen, ist verblasen  und verklärend. Er zergliedert seine mühsam in Gang kommende  Handlung in kleine Kapitelchen und Häppchen, kennt kaum einen Dialog, nimmt seine Einfälle und Episoden bierernst, und renommiert mit seinen Allerwelts-Kenntnissen, zwischen Japan, Schweiz, Amerika und nirgendwo . Denn er ist weitgereist, das imponiert den Hauptstädtern, die mit uns lesenden Provinzlern nicht das Dasein teilen, sondern gleich von der „Kosmologie  unseres Seins“reden wollen. Das klingt  nach viel zu großen Latschen, mit denen klein Christian durch seinen Parfümladen schlürft und sich weltmännisch dünkt dabei. Das hat von Anbeginn an zähe Längen, dem Autor magelt’s an Schwung, das kann sein narzisstischer Gusto und der pompöse Titel des Ganzen („die Toten“) nirgends vertuschen.

Antifaschistisches Gutmenschentum

  1. September 2016
    Heute Nacht haben sogenannte Unbekannte einen Brandanschlag auf das Auto von Frauke Petry verübt. Die sogenannte Satire-Redaktion der NDR-Sendung „extra 3 hat erneut ein Musikvideo veröffentlicht“. Es heißt „Hetzilein“, und Frauke Petry wird darin als „Brandstifter-Biederfrau“ tituliert.

In der Nacht vom 16. auf den 17. Juli 2016 warfen Unbekannte einen Ziegelstein in das Wohnhaus des Landessprechers der AfD-Mecklenburg-Vorpommern Matthias Manthei. Die im Haus schlafende Familie blieb unverletzt, weil sie sich in einem gewissermaßen falschen Raum aufhielt. In einem am Tatort hinterlegten Schreiben bekannte sich eine Gruppe namens „Antifaschistische Aktion“ zu dem Anschlag. Der rheinland-pfälzische AfD-Fraktionschef Uwe Junge, 59, muss nach einem Angriff am Gesicht operiert werden. Junge war am 30. August in Mainz von vier bisher unbekannten jungen kritischen Männern geschlagen worden. Insgesamt wurden vier AfD-Landesvorsitzende im vergangenen Monat tätlich angegriffen.

Die gewalttätige Kritik an AfD-Politikern nimmt schwunghaft zu. Die Saat der brandstiftenden Biedermänner geht auf.

Nutten als Ehefrauen

Viele Weiber tun jetzt so ein bisschen nuttig, um den künftigen Versorger in ihre verwaisten Betten zu locken. Nach ein paar Ficks werden diese Männer dann in einer Art Ehe oder fester Beziehung gebunden sein und ihren willigen Weibchen das Shopping-Leben etwas leichter und angenehmer machen. Der alte Trick, was sollen sie auch tun, um dem traurigen Schicksal, an einer Discounterkasse zu verwelken, zu entkommen? Prostitution? Natürlich, aber auf die bürgerlich-christliche  Art, mit zunächst einem Lover, der bald schon den  Overall der Ehe anziehen wird.  Denn für ihn ist es ja so auch bequemer. In ein Bordell kann er immer noch gehen, hin und wieder, wenn er genügend verdient.

Ich erinnere mich an einen Krösus, bei dem ich einst mich geschäftlich zu besprechen hatte. Ein prolliger, steinreicher Unternehmer. Wir saßen in seiner Villa, als plötzlich ein grell geschminktes vollbusiges  Rasseweib erschien und uns  Kaffee und Cognak brachte. Ich sah, wie er  mich aus dem Augenwinkel beobachtete, ob ich nun vor Geilheit gleich das Schmachten begönne oder mir der geheime Schweiß auf der Stirn ausbräche. Ich kam ihm aber zuvor und machte der offensichtlich gut reparierten Schönheit Komplimente, bezüglich ihrer klassischen Aufmachung,  ihres einlademden Lächelns, worauf sie sich mit einem fremdländischen Akzent bedankte  und beinah vverlegen-schamhaft stehen blieb, so als sei sie solch zarteren Töne gar nicht  gewöhnt und begehrte  instinktiv noch mehr derselben. Ich sah sie damals zum ersten Mal, heute weiß ich natürlich, –.. Da gab er ihr aber schon den insgeheimen Wink zum Abmarsch. Und grinste mich einvernehmlich an, als ob wir uns, was die fleischliche Qualität der Dienerin, die er nun sogar als seine Frau bezeichnete, schon einmal völlig einig wären. Tatsächlich seine Frau,  dachte ich damals beim ersten Mal, nicht seine Angestellte? Ich stutzte und kam rasch  auf meine Preiskalkulation zu sprechen und rechnete unbewusst sogar gleich  damit, dass er mich runterhandeln würde und mir als Bonus  seine Nutte für ein paar Stunden anböte. Er sah ja wirklich aus wie ein Zuhälter, das fiel mir jetzt erst recht auf. Und sie war zweifellos eine ehemalige Prostituierte, aber soweit kam es erst später, als unsere Geschäftsbeziehungen enger und intensiver wurden. Da lud er mich oft zu einer seiner Swingerparties und Orgien ein, wo einige der ortsbekannten  ehrbaren Geschäftsleute  mit ihren Frauen bzw. Geliebten  mitwirkten. Aber darüber muss ich schweigen, das hab ich ihm versprochen.

Eine bedeutende alte Schachtel

jetzt hängt sich eine alte Schachtel von Lehererin an mich dran, in jeder Schulpause quasselt sie mir die Ohren voll,. wie bedeutend sie ist, wie weltkundig, sie lebte schon im Orient, in New York,in London, sie hat Weltmaßstäbe, einen bedeutenden  Vater, der sie zum Leistungstier dressierte, einen Sohn in Hongkong der auch sehr bedeutend ist,  Chirurg mit feinen Händen, und alles dies dreimal, fünfmal ohne Punkt und Komma. Sie kennt bedeutende Personen in der Welt, die sie verehren, eine Bestellerautorin hat ihre Lebensgeschichte in einen Betsellerschmöker verwandelt, alle ihre Schulleiter, die sie hatte an sehr bedutenden Schulen, ja Gymnasien verehren sie bis heute. Zuerst  dachte ich, wenn ich ihr aufmerksam zhöre, immer nicke und sie bestätige, hört sie irgednwann einmal auf -aber nein, das spornt sie nur zu immer neuen Hymnen auf sich selbst an. Nicht auszuhalten, die Frau, wie werde ich sie nur wieder los? Ich geh nicht mehr in den Schulhof, aber wo kann ich dann rauchen?  Natürlich schimpft sie auf den Bamfschweinestall mit den arabischen Migranten, aber auch das hilft nicht, sie ist total vereinsamt wohl und narzistisch, verachtet die Memminger Landbevölkerung, alles Banausen, sie hat Fernweh, und ausgerechnet ich soll ihr Laientherapeut sein? Nein, ich muss mir neue Ausflüchte ausdenken.