Nicolaus Fest

der Sohn des Hitlerbiografen Joachim Fest, der einst auch zu den Herausgebern der FAZ zählte, fasst heute seine Sicht auf Glanz und Elend  der Sozialwissenschaften folgendermaßen zusammen:

„Nachdem die Naturwissenschaften mit dem Bau der Atombombe ihren Sündenfall erlebt und gezeigt hätten, das Wissen immer zur Anwendung dränge, es also keine unbefleckte Erkenntnis gebe, drohten nun ähnliche Gefahren von Seiten der Sozialwissenschaften. Denn all die Pädagogen, Psychologen, Soziologen, Gesellschaftsstatistiker und Erziehungswissenschaftler, die an Universitäten, in Stiftungen, Gewerkschaften, den Stabsstellen von EU wie Bundestag und in vielen Think Tanks arbeiten, würden ebenfalls nicht im Raum der Unverbindlichkeit leben. Auch sie wollten ihr Wissen – oder das, was sie dafür hielten – einmal ausprobieren, und wie die Atomwissenschaftler natürlich im besten Glauben. Die Gesellschaft sollte verbessert werden, nämlich gerechter, sozialer, gleicher, friedlicher. So begann das Experiment des Gesellschaftsumbaus.

Wer auf die großen Projekte der letzten Jahrzehnte schaut, findet überall den Einfluß dieses sozialwissenschaftlichen Optimierungswahns. Ob Rechtschreib- und Bildungsreform, ob Vegetarismus, Windkraft, Umweltschutz, Inklusion und Gendertum, ob Feinstaub oder das indoktrinäre Gerede von Deutschland als einem Einwanderungsland – immer ging es um angebliche Verbesserungen der Gesellschaft, um Schutz von Migranten, Minderheiten, Legasthenikern, Hühnern, Luft oder Kröten. Und selbstredend auch um mehr Offenheit, Verständnis, Toleranz. Dass man zu diesem Zwecke selbst Grundschulkinder gegen ihren Wunsch mit dem Wissen um Analsex, Blowjobs und andere Sexualpraktiken behelligt, ist nur konsequent: Erst die völlig Re-Education schafft den perfekten Menschen, und wer die Zukunft formen will, muss die Kinder beherrschen. Auch das jüngste Projekt der schwarz-rot-grünen Landesregierung in Sachsen-Anhalt, den Geschichtsunterricht künftig von Daten und Jahreszahlen zu befreien, entspringt diesem Geist – man will die „narrative Kompetenz“ der Schüler – genau – verbessern. Und wie die Naturwissenschaftler nicht bei der Atombombe stehenblieben, sondern Wasserstoff- und Neutronenbombe nachschoben, hat auch der Machbarkeitsrausch der Gesellschaftstüftler nun die Waffen der ultimativen gesellschaftlichen Vernichtung entdeckt: Wahllose Einwanderung und Willkommenskultur. Doch schon nach einem Jahr wird deutlich: Wie bei der Spaltung des Atoms löst auch diese Wissenschaft nicht notwendig Probleme, sondern schafft viele erst.“

 

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