Für Europa

Javier Cercas gegen Michel Houellebecqs Lob des Brexit in allen Punkten: „Unfug die Behauptung, Europa habe keine gemeinsame Kultur – Europa zehrt nicht nur von einer gemeinsamen historischen und religiösen Grundlage, seit Jahrhunderten befruchten sich auch seine Künstler, Schriftsteller und Philosophen gegenseitig. Unfug die Behauptung, Europa habe keine gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen – für wen, egal ob innerhalb oder außerhalb Europas, sollte das gelten? Was wiederum die zwischen uns Europäern bestehenden Unterschiede angeht, so wirken sie etwa von China oder Indien aus – wo tatsächlich sehr unterschiedliche Kulturen, Sprachen und Religionen zusammenleben – winzig, ja, kaum wahrnehmbar. Und wer, außer den verstocktesten Nationalisten, behauptet, kulturelle Unterschiedlichkeit innerhalb einer politischen Einheit sei unmöglich oder nicht erstrebenswert? Unfug auch die Behauptung, je größer ein Staatsgebiet, desto schwieriger ein demokratisches Zusammenleben – genau das Gegenteil ist wahr: Wie Jürgen Habermas geschrieben hat, ist Demokratie nur in einem einzelnen Land wehrlos gegen die Ultimaten eines grenzübergreifenden rasenden Kapitalismus. Es stimmt, ein Schriftsteller soll für Unruhe sorgen, den Finger in die Wunde legen, sagen, was niemand hören will – aber wenn es um Politik geht, ist eine langweilige Wahrheit tausend mal besser als interessanter Unfug.“

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