Jakob Augstein und die zweite Generation der Medienstars

Diese zweiten und dritten Generationen mit Prominenten- Hintergrund haben oft sog. hidden  problems mit dem Aufstieg, der ihnen eigentlich doch schon in die Wiege gelegt ward. Von Kindesbeinen an von Trainern, Nachhilfelehrern, Psychotherapeuten  und  Super-Coaches begleitet und umsorgt, fehlt es ihnen nicht selten an letztem Biss, Ehrgeiz und Charisma, da sie nie etwas erreichen mussten, das sie nicht von Anfang an schon geschenkt und mitbekommen hatten. In sündteuren Internaten und luxuriösen Auslandsaufenthalten gedieh ihnen keine urtümliche originale Überzeugungskraft, die sie nun zu simulieren hatten, und es erwuchs ihnen keine echtbürtige Charakterstärke, die sie deshalb mit äußerlichen Image- Accessoires und Schminken  zu ersetzen hatten. Wenn sie in der Schule oder später auf dem Set versagten, wissen sie das stets mit dem kollektiven Neid in ihrem allzu menschlichen Umfeld zu rechtfertigen.  Oft landen sie schließlich auf dem Abspann großer Filme oder in lukrativen Geschäftsführerpositionen, die ihnen den letzten Sprung ganz hinauf zu Glamour und Weltberühmtheit, trotz bester Beziehungen und Referenzen  nicht ermöglichen.   Den Beckenbauerkindern, Max Strauß, Monika Hohlmeier, den Kohlbrüdern, dem Sohn von Uschi Glas geht es so und noch vielen anderen ward nur dieses prekäre Schicksal im Auffanglager der B-und C- Prominenz beschieden. Kein einfaches Schicksal, bedenkt man, welcher Geltungsdrang in ihnen nun ein Leben lang nagt und  herumzerrt.

Ein seltener Ausnahme-und Glücksfall dagegen ist der berühmte Medienstar, Herausgeber, Spitzenjournalist und Gesellschaftslöwe Jakob Augstein.  Er hat die Kühnheit und den Chick seiner Vorgängerväter, die auch schon große Blender und berühmte Schwafler waren,  vollständig für sich bewahren können.  Auf ihn ist wie auf seine Väter das Gen und rhetorische Talent des Schwätzens  im Übermaß gekommen. Er bramarbasiert, labert sich wie der geborene Hansdampf in allen Gassen, unbeschwert und lässig um Kopf und Kragen, ohne anscheinend den geringsten Schaden davon zu tragen. Kein Thema, vor dem er zurückschreckte, keine erfolgreiche Global-These, die er je versäumte. Was er an Privilegien verpulvern und verschwatzen darf, könnte sich kein anderer aus den dunklen Bezirken der Stinknormalität erlauben. Kein Polizist würde es wagen, ihn und seinen Nobelschlitten  des Nachts wegen Raserei anzuhalten, kein subalterner Sozialpolitiker wollte  es je riskieren, ihm ins Wort zu fallen, wenn er sich  wieder und wieder in großer Grandezza, brillant und wortreich   für die Erniedrigten und Geplagten einsetzt. „Im Zweifel links“ ist sein Markenzeichen, das ihm alle Hintertürchen offen lässt, seine Positionen von Fall zu Fall auch wieder zu wechseln.

Er ist modisch gekleidet, extravagant frisiert und überall gefragt, wo die public voice ihre Zelte aufschlägt. Wo andere mit Zahlen und wissenschaftlich   unterfütterten Prognosen aufwarten, setzt er auf lockere Meinungsübung und Empathie aus dem Stand. In altlinker Attitüde greift er das liberale System an, gegen rechts verteidigt er es wie seinen goldenen Fetisch. Kein Sender, der ihn nicht als Gast und Kommentator begehrt, kein Zeitungsblatt, das sich nicht rühmen möchte, ihn als Zampano  für eine Höchstgage zu buchen..Aber ist er darum zu beneiden, wird er nicht auch bald sterben müssen und wird seine nahtlose Omnipräsenz  ihm auch genügend privates Glück ausschütten? Fragen über Fragen des neidlos alles – Spreu mit Weizen- mitlesenden Arbeiters, wie B. Brecht seinen impliziten Lieblingsleser zu nennen pflegte.   .

 

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