Die Gesellschafts-Komödie mit Thilo Sarrazin

„Oh Gott,  Sarrazin hat schon wieder ein Buch geschrieben und nennt es auch noch Wunschdenken,“ – ich höre das Stöhnen in den mainstream-Medien  und gerade in den großen Zeitungen. „Leute, wir können das neue Buch, das wieder Hundertausende kaufen werden, nicht einfach totschweigen, das geht nicht“, sagt der Zeitungschef und hält nach einem Kandidaten Ausschau, der sich letztlich opfern muss, um das Buch des Sündenbocks zu lesen und zu besprechen.  Natürlich, wer verreißt schon gerne das Buch eines Vorverurteilten. Einige Redakteure ducken sich weg,  einer verschwindet schnell auf dem Klo, als der Chef in der Runde sich umsieht. Einen aber erwischt es, er wird den Schmöker nicht ganz lesen, nur ein bisschen herumblättern und nach rassistischen Sätzen suchen, die sich gewiss wieder finden lassen, womit er dann seine Pflicht  und die Erwartungen der Leser erfüllt hätte und sich wieder dem Schnaps zuwenden kann. Und wenn Du nichts direkt offen Rassistisches findest, tröstet er sich, dann mach‘s einfach wie der von der „Zeit“, der schreibt:  Sarrazin sagt, weil der ist ja nicht ungebildet,  der sagt  eben nicht direkt: die Neger sind doof, aber durch die Blumen seines Schmökers hindurch sagt er eben doch genau das. Und nichts anderes. Naja, das kriegen wir schon.

Auch fürs ZDF hat Lanz schon nach kräftigen Gegnern Ausschau halten lassen, die er mit dem Störenfried  Sarrazin in sein anwärmelndes  Studio laden kann, um dann scheinheilig, aber showmäßig eben ein Treffer, die alte Pilatusfrage zu stellen: „warum wollen Sie den Mann unbedingt ans Kreuz schlagen, Herr Prantl. Jetzt einfach mal absichtlich grob gefragt“. Und Herr Prantl von der Süddeutschen wird lächeln, und zunächst ein wenig ausholen müssen, um dann aber klar das wenig Hilfreiche (Merkel) einer solchen Publikation, wie sie Sarrazin eben provokativ immer wieder einbringe, und damit klar und deutlich als sein Geschäftsmodell missbrauche….   „Ja, genau“, wird  Frau Claudia Roth Prantl sogleich beispringen und sie wird wieder weinen, gewissermaßen  als bunte Multi-Kulti-Madonna unterm Kreuz. Eine berühmte  Filmschauspielerin – ey, war das die Berben schon wieder? –  hat sie eine neue Frisur oder war das nur als solidarisches Kopftuch gedacht?- jedenfalls bringt sie klar  ihr Entsetzen zum Ausdruck über einige Sätze aus Sarrazins  Buch, von denen sie eben gehört habe und auch Elke Heidenreich bringt ihr Fachurteil als Literaturkritikerin zum Besten, nämlich, dass man solche Bücher, wie Sarrazin sie verfasse,  eigentlich nur mit spitzen Fingern lesen könne, und man dazu immer wieder leider die andere Faust in der Tasche zur Toleranz überreden müsse, wo im Grunde keine Toleranz angebracht sei.  Ein schwieriges Bild, wie sie es ja schon in ihrer berühmt gewordenen Heideggerkritik gebraucht hatte, sodass Lanz alle Mühe haben wird, das vermaledeite Bild dem Publikum – mit einem Popperzitat-  halbwegs verständlich rüberzubringen.  Sarrazin versuchte natürlich als unermüdlicher Kämpfer in eigener Sache sich immer wieder Gehör zu verschaffen, doch der mächtige Meinungs-Sturm seiner Gegner verschüttete immer wieder seine ohnehin etwas schüttere Stimme. Das Publikum draußen an den Geräten empfand das Spektakel als nicht  sehr objektiv und ausgewogen, wie eine Umfrage ergab,  und entschloss sich deshalb  massenhaft, das neue Buch Sarrazins zu kaufen, um mal selbst rein- und nachzuschauen, ob der Mann wirklich mit Recht und aus besten Gründen gekreuzigt werden muss, weil er die Wohlfühlmoral von uns allen in der offenen Gesellschaft sonst arg in Gefahr bringen könnte.

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