Medienmissbrauch an der Poesie

„ Zeitungen- Organe für Impotenz“ kräht der Wahnsinnige im gleichnamigen Stück „ Der Wahnsinnige und der Ignorant“ von Thomas Bernhard, und weil ihm die Schmähkritik nicht originell  genug in seinen feinen Ohren klang, setzte er nach: „Andererseits, ohne Zeitungen-welche Öde.“  Wahr daran ist allenfalls, dass es gut täte, wenn, sagen wir,  die Zeit schon so fad ist wie die unsere, wenigstens die ein oder andere Zeitungslektüre  etwas interessanter sein könnte. Zumindest für Leser wäre das erfreulich, ob die Förster oder Ameisenpfleger es genau so empfinden, weiß ich nicht.  Das Feuilleton der FAZ war in den 90er Jahren diesem Ziel der Interessantheit hin und wieder etwas näher gekommen. Seit Jürgen Kaube aber dort das Sagen hat, geht es vollmundig taumelnd, jammertalwärts. „Eine matte Sache“ hätte Helmut Qualtinger dazu gesagt.  Da Kaube keine Sensation im still irgendwohin  schnurrenden  Literaturbetrieb erkennen konnte, gießt er eine alte Kalamität aus dem Kalender auf. Vor genau 50 Jahren habe doch Handke  im Princeton die dort tagende Gruppe 47 aufgemischt. Kaube meint: – die Sprache bringt es an den Tag- Handke habe „Furore“ gemacht. Herrgotthimmelarsch, wer macht heute nicht schon überall „Furore“. Heute sogar mit Selfies. Der blutjunge Anfängerpoet  Handke,  damals schon mit Sonnenbrille selbst bei Regen- beschimpfte und beleidigte seine älteren Kollegen, die schon über einen kleinen Nachkriegsruhm verfügten. Aber das sind ja alles alte Kamellen, die keiner weiteren Rede bedürfen.  Ich fand nur einige Stinkblüten in Kaubes Abituraufsatz, angefüllt mit alten Schulweisheiten und teeniehaften Vokabeln,  die ich mir merken muss, dachte  ich und fraß das Phrasen-Stroh.  Friedrich Sieburg,  Kaubes  berühmter Vorgänger im Feuilleton der FAZ, er waltete, vor Reich Ranicki, um dieselbe Zeit von Princeton 1966,  und habe den damaligen Literaturbetrieb von ganz anderer Seite als provinziell und konformistisch attackiert. Was sei das wohl für eine Literatur, die durch das Zusammenhocken und Dazugehören in der Gruppe entstehen solle. Fragezeichen. Diese Vorstellung war dem frankophilen  Aristokraten und Gourmet Sieburg zuwider.  Er forderte entschieden mehr und schärfere Intellektualität, – meine Herren, hör ich ihn sprechen,-  als sie Hans Werner Richter, Böll, Grass oder Walter Jens aufbieten konnten. Kaube, der Literaturkritiker von heute, möchte sich dazu nicht äußern. Er staunt nur ein bisschen, denn nach seiner Meinung sind die deutschen Schriftsteller doch schon seit dem 18. Jahrhundert immer wieder „in Gruppen und als Gruppen aufgetreten.“   Wie es doch immer wieder auf das deutsche Verb ankommt.  Aufgetreten? Nein. Niemals. Nicht einmal die Klassiker, aber auch die Romantiker, Schlegel und Tieck, nur zum Beispiel, sind nie zusammen aufgetreten.  Sie schrieben sich Briefe, wie Humboldt und Schiller usw.. Von Gruppen und Vereinen im heutigen Sinne, wo man sich organisiert und einen Medientermin nach dem anderen für sich buchen lassen muss, kann man seit dem 18.Jahrhundert in der Literatur, bis hin zu jener fatalen Gruppe  47 eben,  nicht sprechen. Vermutlich hat er diesen historsich verquasten   Unsinn vom Arnold abgeschrieben, dem PR-Mann und Presssprecher der Gruppe.  Oder von Böttiger, dem Arnoldschüler. Sei es drum, Trivialmythen beleben immer das Geschäft mit der Masse.  Mancher Buchhändler wird diesen -Abituraufsatz  Kaubes jetzt in sein Schaufenster hängen.  Es steht nämlich noch mehr solcher Legenden in Kaubes Selbstergießung. Zum Beispiel sein naseweiser Hinweis, zwischen Lobhudelei und Indiskretion,  sein großer Vorgänger Sieburg  sei in den zwanziger Jahren ein „heißer Anwärter für den Georgekreis“ gewesen. Heiß ja, o je, heiß wie Handke in Princeton,  heiß nach „Furore“.  Kaube kennt Stefan George und seinen Kreis natürlich nur aus dem Lexikon. Bei Goerge  konnte sich niemand bewerben, wenn dann  erwählte er einen in die Fraternität, der kurioserweise auch einige konservative  Frauen angehörten.  Eine solche Weihung kann dem Kaube in seinem Büro nicht passieren, das glaub ich wohl. Er wird eher die Nähe zur Stimme des Kohlenpotts suchen. Aber als mäßiger Journalist weiß er: gibt es draußen keine Sensationen , müssen wir sie drinnen selber machen.

Aber ich hab noch eine Praline, wieder nach meinem Motto: man muss sie nur zitieren, Sie sagen es schon selbst. Ja, wie von selbst: „Was  die Treffen der Gruppe 47 früh ausgezeichnet hatte, die Begleitung durch die Medien, war hoch effektiv genutzt worden. 1947 waren die Strukturen der öffentlichen Verteilung von Ruhm in der deutschen Literatur noch schwach ausgeprägt.“ Seit 1966  machen die Medien jetzt selbst die Stars der Literatur. Damals in Princeton geschah der große Schub in den „Strukturen der Ruhmverteilung“.  Kaube selbst ist Clubmitglied bei den  Verteilern von Schlagruhm.  Handke war in Princeton der Aufstieg zum Medienstar, der er heute noch ist, geglückt. Ein John Lennon-Double in der Haustracht des Eigenbrötlers.  Sieburg hat recht, der Provinzmief ist nicht mehr aus dem Betrieb hinauszubringen.  Schon gar nicht, wenn darin solche Medienmacher wie der Kaube, der Diez und der Scheck an den Rudern beim Betriebsheim immerzu zusammen hocken. Die Kritiker, die sinnvollerweise sich besser stritten, als in der Gruppe von einander zu lernen, und ihre tollen Gagen zu vergleichen, werden natürlich komplettiert durch einige prominente Frauen, deren Formulierungskünste mich nicht selten zu mein e-book: Lachtraining/Zielgruppe weibliche Ingenieure, inspirieren.  Aber von diesen merkwürdigen Gouvernanten der Poesie , deren Hauptmetier natürlich die Romane in der ganzen Breite sind, mehr noch ein anderes Mal.

 

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