Die Türkei – Zeitungsblätter und Blüten

Der Deal mit der Türkei erregt die europäischen Zeitungsgeister. Ein belgisches Blatt bezeichnet ihn als Drecksarbeit für Ankara.  „Warum ist fast niemand an einer detaillierten Diskussion über die Kosten und die Verteilung der Flüchtlings-Lasten interessiert?“  Der Grund ist, findet das Blatt: „Die schickeren Regionen der Welt darf man eben nicht mit ein paar Millionen Flüchtlingen stören. Das finden viele ganz selbstverständlich. Es ist merkwürdig, dass die Türkei sich in eine so ehrlose, untergeordnete Rolle hat drängen lassen.“

Aha, die schickeren Regionen rümpfen die Nase. Die Türkei lässt sich wieder als Müllwerker einspannen. Man fragt sich, ob die Diskussion detailfreudiger, weniger grobschlächtig geführt werden sollte oder ob die Details der Kosten absichtlich so grob  verdrängt werden? – Weniger als Chic denn als Schikane.

Eine kroatische Zeitung berührt einen anderen point of view: Sie bittet um mehr Selbstbewusstsein der Türken. Europa brauche eine moderne Türkei, „eine Türkei, die den Frauen das Wahlrecht früher gab als viele andere europäische Staaten, und die nicht weniger Toleranz gegenüber Minderheiten zeigt als das verblichene Osmanische Reich. So eine Türkei kann ein wahrer Partner sein. Aber nicht, solange sie sich aufführt wie ein herumstolzierender, kleiner, rabiater Cäsar – von solchen Cäsars haben wir in Europa genug. So schadet die Türkei nur sich selbst und den Muslimen in Europa, gegenüber denen sie eigentlich eine moralische Verantwortung haben müsste. So fördert sie nur islamfeindliche Kräfte in Europa. „

Der Kroate spricht den Türken Mut zu, am besten, so träumt er, sie zögen  den gockelnden Cäsar ganz aus dem politischen Spielfeld zurück. Den habt ihr doch nicht mehr nötig. Na und wie? Seine Anbeter und die Fans des Sultans sind zahllos.  Da ist wohl ein frommer Wunsch des Kroaten der Ausputzer der sog. Realpolitik. Sie ist so garstig, so vom Chaos infiltriert, dass darin kein reiner Gedanke Platz nehmen will. Aber schön und frisch moralisch gesagt steht es schon da, im kroatischen  Blatt.

Einen ganz anderen Sprung ins Seitenaus der history macht die Hürriyet Daily News and Economic Review,  das zweitgrößte englischsprachige Blatt in der Türkei.

Man ist skeptisch, wittert Heuchelei.  Man fragt sich :Warum interessiert sich ganz Europa plötzlich für Missstände in der Türkei, die es jahrelang systematisch ignoriert hat?  Europa sei in Wahrheit froh über die Rückschritte in der Türkei, denn das verschöbe  einen EU Beitritt auf den St. Nimmerleinstag. „ Die jüngste Entdeckung der öffentlichen Meinung in Europa, dass die Türkei in Richtung einer autoritären Herrschaft abgleitet, ist nicht dem plötzlichen Wunsch geschuldet, eine demokratischere Türkei zu erleben. Unzufrieden mit dem Flüchtlingsdeal entschied man sich, Merkel dafür zu kritisieren, sich auf einen Führer einzulassen, der demokratische Normen und Werte nicht respektiert.“

Frau Merkel kan nicht warten, bis die Türkei demokratische Normen und Werte begreift und achtet. Der Karren steckt noch im Dreck. Frau Merkel rümpft aber nicht die Nase, wie der Belgier das den schickeren Regionen unterstellt, sie nimmt die Drecksarbeit auf, verhandelt mit dem obszönen Gockel und Führer. Sie erkennt ein Ziel, sie  macht Politik, während ihr die Gesinnungspolitiker aller Länder den Verrat an gemeinsam beschworenen Werten und Prinzipien vorhält. Es ist  deutlich wieder, die Moralisten und Gesinnungsmenschen verstehen die Politik nicht, geschweige denn,  grob gesagt: das rein Politische an der Politik.  Diese ist nicht nur ein Gemischtwaren-Unwesen, bestehend aus Gier, Triebhaftigkeit, Interessenlogik und kriminellen Begleit-Tatsachen. Sie kämpft auch mit historischen Dämonen, die sieht man bei Tageslicht nicht.

 

 

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