Die Polizei kann nichts machen

Zum zigten Male ruft mich ein Notariat an, das, wie ich gleich glaube, wieder fingiert und getürkt ist. Am handy:  eine Frau Dr Gisela Bauer, sie verspricht mir eine immense Geldsumme, die ich gewonnen hätte, und die mir sofort durch die Comdirektbank überwiesen werde, wenn ich vorab, gleich heute oder morgen spätestens,  950 € bezahlte für die Bearbeitungskosten, die für das Notariat Kroll und Kollegen bei der Operation  naturgemäß anfielen. Das sähe ich ja sicher ein. Und was wären die 1000 schon im Vergleich mit den Hunderttausend, die ich gewonnen hätte. Gratulation sagte sie süßlich  gleich noch dazu. Die Geldquelle, sagte Frau Dr. Bauer noch,  wahrscheinlich, um mich zu beruhigen, -die immense Summe spukte mir wie blöd im armen  Kopf herum, die Geldquelle sagte sie – gesponsert übrigens von namhaften deutschen Verlagshäusern und Supermärkten, habe aus Steuerspargründen für Gewinner wie mich ihren Sitz eigens in Bulgarien genommen. „Sonst müssten Sie ja sofort 30 000 Euro an den Staat abdrücken, das wollen Sie doch sicher nicht?“  Natürlich, natürlich, sagte ich schnell und als glaubte ich an den Schmäh. Natürlich zum Lachen, diese kriminellen, bauernschlauen Bulgaren! Ich googelte und sah:  die Kanzlei Kroll usw. gibt es  gar nicht in Solingen. Rief bei der Bank an, sie weiß auch davon nichts. Frau Dr. Bauer glaubte wohl, es mit einem halb dementen Opfer zu tun zu haben. Ich ärgerte mich über die Zeit, die ich verlor an die Betrügerin und dieses Mal rief ich sofort die Polizei in Solingen an. Auch diese konnte mir nicht bestätigen, dass es in Solingen eine Kanzlei Kroll gibt, „da müsste ich erst nachschauen“, sagte der Beamte, schon ziemlich müde am Vormittag, und er verwies mich an meine Heimatpolizei in Bayern, wo ich wohne.  Von dort müsse dann meine Anzeige gegebenen Falls nach Solingen zurück und weiter geleitet werden. Aha, ein kleiner bürokratischer Kreisverkehr, ein Polizeikreisel,  ich verstehe. Also ging ich zu meiner Heimatpolizei,  wo mich ein bewaffneter Polizist empfing. In seinem kahlen Büro, wo sich  außer uns nur ein Computer und eine Topfpflanze befanden,  hörte er sich den Fall kurz an, grinste und winkte  ab. Meine Daten, Telefonnummern und mein getürktes AZ interessierten ihn überhaupt  nicht.  Da sei vorerst nichts zu machen, die Gesetzeslage reiche nicht aus, um hier präventiv tätig zu werden. Nein, er sagte nicht, es tue ihm Leid. Ich habe aufgepasst, ich Idiot wollte andere schützen, dem Staat helfen für seine Kriminellenjagd,    wie alt bin ich geworden, die Illusionen nehmen einfach nicht ab. Ich selbst durchschaute den Trick ja bereits.  Andere, dachte ich, wohltätig, sollen auch nicht auf den Trick  hereinfallen. Andere, welch dubiose Kategorie,  wieso sollten andere die Polizei schon interessieren, kurz nach der Mittagspause, noch dazu auf defizitärer äußerst löchriger Gesetzeslage. Wieso sollte sich der  bewaffnete Heimatmensch  da groß reinhängen ? Der Betrug müsste schon erst einmal stattfinden, „so befinden sich die Betrüger ja noch in der Aufbauphase“  sagte der Polizist mit überzeugte Miene. Erst wenn sich der Betrug  de facto ereigne, dann käme es zum  kommunikativen  Linienverkehr: Heimatpolizei-Solingen, um das Geld eventuell aus Bulgarien zurückzuholen.  Das könnte lange dauern.  Heute Abend ist übrigens eh Fußball. Er führte mich wortlos wieder zum Ausgang.

Ich verstehe allmählich die Leute, die keine Steuern bezahlen wollen in diesem Land, wo die Polizei einen wie die anderen nicht vor Betrügern schützen kann.

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