Sind wir im Krieg, oder wie ?

In Frankreich spricht man von Krieg, lebt folglich im Ausnahmezustand. Hier bei uns sagt man, von Krieg wolle man jetzt noch nicht sprechen, schließlich stürben auf der Autobahn jährlich auch jede Menge Leute. Wer regt sich darüber auf? Also, man möge sich beruhigen, mit seinem normalen Weiter-Leben kann jeder Bürger seinen Beitrag leisten und ein Stück unserer beliebten Freiheit verteidigen. Die Terroristen lassen wir ins Leere laufen. So ist es das Beste. Freilich, die Medien, die mästen sich am blutigen Terror, das ist naturgemäß sensationelles Futter für sie. „Ständig wird spekuliert und revidiert, geplaudert und eingeschätzt. Und oft genug gerät dabei Falsches in die News-Rotation.“ Sie heizen die Ängste auf, die wir politisch mit Ruhe bewahren und einfach Weiterleben bekämpfen sollen. –Ein Boris Rosenkranz, Kritiker bei den „Übermedien“,  meint: „Die Hilflosigkeit ist mit jedem Wort zu spüren, ganz oft, auf allen Sendern, doch die Reporter können ja nicht anders. Sie müssen reden, weil ihre Sender Strecke machen: Kanäle wie N24, n-tv oder Phoenix sind an solchen Tagen permanent live drauf. Und gerade die Privatsender berichten, wie viele Online-Medien, was ihnen dabei in die Finger kommt. „

Das klingt verständnisvoll. Sie müssen reden, zweifellos.  Ähnlich wie die sämtlichen Psychologen unterschiedlichster Strömungen, sie  raten ebenso dazu, den Feind nicht als Feind anzuerkennen. Feinde überhaupt haben wir als zivilisierte Subjekte nie mehr nötig.  Das ist zugleich unser tiefstes Integrationsproblem, das wir mit den Muslimen haben, sie brauchen noch immer einen Feind. Leider. Sie vermuten ihn oftmals insgeheim in uns, in unserer westlichen Super-Toleranz. Die finden sie eigentlich blasphemisch. Die Freiheit, Mohamed, den Propheten, zu verspotten, finden sie kriminell und überhaupt nicht wertvoll.

In den meisten Medien wird dieser Konflikt verschwiegen. Sie konzentrieren sich auf die blutigen Taten der Täter. Warum sind die so? Die Politik stellt dagegen überall Sandmänner auf, die uns  helfen, das Problem, den Krieg, wie die Franzosen offen zugeben, zu verschlafen. Im Schlaf findet der normale Deutsche immer das, was ihm tagsüber abgeht, eine Art von Besinnung. Er sagt sich, so lange die Terroristen keine Totalkatastrophe anrichten, sagen wir: mit der Bombardierung eines Kernkraftwerkes, das dann eine ganze Region vergiften würde, solange es bei hunderten von Toten bleibt im Jahr, ist es –dann wiederholt er den politischen Trost, auf der Autobahn sterben jährlich auch usw. dann dreht er sich um und schläft wie immer gut.

Die Papiertiger, die Politiker beteuern indes ständig, auch Deutschland stehe „im Fadenkreuz des Terrors“. Sie stellen deshalb immer wieder folgende Forderungen auf: mehr Polizei, mehr Personal, bessere Ausstattung, mehr Vernetzung, mehr Überwachung, mehr Datenerhebung, bessere Vernetzung und weniger Datenschutz. Da gilt im Grunde für jeden Bereich. Für die Gesundheitsfürsorge wie für das breite Leben überhaupt.

Man spürt aber doch, es schlummert eine Katastrophe unter unserem Dach. Doch wir können sie nicht erkennen, nicht fassen, sie hat etwas Imaginäres  an sich, obwohl  ihre realen Ausbrüche fürchterlich konkret sind und unsere Trauerrituale dagegen allmählich erodieren.  Dann wieder die Abwechslung, der Lärm des Tages: Wir wollen Ihnen jetzt noch mal dramatische Bilder zeigen“ wir sind das  „Live-Fernsehen pur“

Der psychische Schaden ist heute schon größer, als wenn unsere Truppen am Hauptsitz der menschlichen Teufel einmarschiert wären,  um sie zu vernichten, ins leere All zu kippen.  Aber so zu denken, das ist natürlich sehr, sehr verpönt. Man ist unter keinen Umständen für einen Krieg zu haben. Ich erinnere mich bei der Gelegenheit an einen Auftritt des Politikwissenschaftlers Michael Wolffsohn, der in einer Expertenrunde laut sagte, wie er die Lage sieht. Der IS hat 30 000 Mann, sagte er, diese 30 000 zu besiegen, – plötzlich erschienen die Teufel wie giftige Zwerge, nicht mehr als Riesen und Top-Terrorchefs-  das ist natürlich möglich, sagte Wolffsohn, man muss es nur wollen, aber man will es eben nicht.  Banges Schweigen, keiner der Experten sagte dazu einen Ton, man kam schnell auf eine andere Meinungs-Bahn.  Fand Anschluss, zum Beispiel zu den dringenden  Fragen der Diplomatie und zur Analyse  der  Ursachen hinter dem Syrienkrieg. Usw. Natürlich fehlte hinten und vorne wieder Peter Scholl Latour, der die Ursachen am besten kannte von allen. Er hat sie vielleicht sogar in sein Grab mitgenommen.

Frankreich spricht vom Krieg,  eine These, die niemand direkt bestreiten kann, aber zustimmen wollen die meisten eben doch nicht. Die Deutschen sagen, gut, das ist eine These, die kann man diksutieren,  aber wir sehen die Sache als sehr komplex an und werden weiterhin differenzieren müssen.

Ich vermute, der deutsche Michel  und seine Frau, sie schauen jetzt endlich in ihrem Hauslexikon einmal nach, was das Wort differenzieren bedeuten mag. Aber o je, das Lexikon stammt noch vor dem Krieg, da gab es das Wort noch gar nicht.  Und damals hat man doch auch gelebt und auch tiefer nachgedacht. Oder nicht? Fragt der Michel seinen Freund Hans, der aber nur mit den Achseln zucken kann.

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