Michael Klonovsky, der Aphoristiker..

Er schreibt über Dinge, deren Bedeutungsschwall er sprachlich einzudämmen sucht, reduziert und zuspitzt.   Er sucht auf kürzestem Satzweg dessen Wende, oder  die Pointe, die ihm manchmal auch großartig glückt. Oft aber dominiert die Polemik gegen den Zeitgeist, dessen Macht er manchmal überschätzt.  Dieser Unhold von Geist  ist ein Verhängnis, das sich aber ständig umkleidet, etwas Schwindendes an sich hat, wie die alten und ältesten Gespenster. Er ist wie ein Schema auch bloß, das sich bald selbst ankotzt und sich dann nur neu schminken lässt. Es wäscht sich nie, es hat keinen Leib.

Jedenfalls gibt Klonovsky mit seinen Beobachtungen und Notaten zum Tag und zur Nacht gleichsam präzise  Vorlagen zur Auseinandersetzung mit den Zeitläuften, wie wir sie gleichzeitig selber wahrnehmen können. Sein Zeitgenosse zu sein, ist eine geistreiche Ehre und Gelegenheit, die ich gerne nutze.  So sagt er einmal, zu dem  – den happy few-  ganz Offensichtlichen: „Solange sie nicht reden, könnte man sie fast für Individuen halten.“ Natürlich, sie kleiden sich wie Individualisten, sie sehen aus, als hätte sie ein Kinobetrieb soeben geboren,  als hätten  sie mehrmals schon die Vereinigten Staaten besucht, auch wenn das gar nicht der Fall war. Individualismus ist eine Fassadenfarbe, die sich jeder besorgen kann. Jederzeit erhältlich im Handel. Klonovsky meint aber noch etwas anderes, er denkt ,dass die falschen Individualisten nicht nur sich selbst, sondern auch uns – irgendwie bösartig- täuschen wollen. Einen dieser Falschmünzer beschreibt er ein anderes Mal so:

„ Seine geistige Inferiorität kompensierte er erfolgreich mit zeitgeistiger Überlegenheit“.

Diese Überlegenheit ist natürlich eine Fälschung, man hört es an der offiziösen Tonart des Begriffs: „ Zeitgeistige Überlegenheit“-Thema für Schulaufsätze, damit trifft man kein Körnchen Wahrheit, man kompensiert nur ein Defizit, eine innere Hohlheit. Karl Kraus sagt einmal, der Mensch in der Menge, gemeint wie :-„ es bilden sich Gruppen“  überall, noch heute, – dieser Mensch also  brauchte die Presse, um sich durch deren Futter selbst im eigenen Innen- soweit vorhanden-  auszustopfen. Der Horror vacui  brächte ihn sonst in den Wahnsinn.   Also kurz: dabei  kann nur Unsinn herauskommen, aber auch hier wieder das Bedrohliche. Der Unsinn ist bösartig, der Inferiore, das menschlich Niedere, der wesenlose Mensch maßt sich eine Macht an, er sagt ja zum Komplott (Kompensation)  mit dem  Zeitgeist. Er schmarotzt an ihm. Unbewusst, klar. Nie böse gemeint, nur getan.

In  Klonoskys Aphorismen schlummert ein dramatisches Genie. Er ist kein Verschwörungstheoretiker wie noch Adorno einer war, – zwar im philosophischen Seidenmantel, aber doch auch in den Wurzeln seines  höheren Kauderwelsch… – Anders Klonovsky, er  ahnt – eher als Detektivfigur- überall intrigante Zusammenhänge zwischen Dummheit und Meinungsmache. Grob und mundgeblasen. Er kreiert in dieser Opposition noch einmal alte Lebensstile für sich. Mit Einstecktuch, gutem Essen, besseren Weinen  und  im Gedenken an Egon Friedel. E. Jünger,  J. Fest  und andere vornehme Ausreißer, Kampfnaturen, Waldgänger  und  hedonistische Geister. Natürlich kommt auch Michael Klanovsky nicht ganz ohne ästhetische Dekorationsstücke aus.  Doch wo er geraden Wegs noch einmal von  „authentischen Linken“ und  „authentischen Rechten“ spricht, versäumt er  die Gelegenheit, diesen nie irgendwie irgendetwas Präzises  treffenden Gegensatz  beim historischen Wertstoffhof abzuladen und zu entsorgen. Auch der Versuch, dem antiquierten Begriffspaar  noch die Kontradiktionen von Witz und Hetze abzugewinnen, scheint mir missglückt. Die Linke war nie witzig, es sei denn, man verstände Heine ausschließlich als linken Witzbold, was ich nicht tue. Er empfand nur die Deutsch-Nationalen als die Karikatur, die sie heute wieder werden und darstellen wollen. Das Volk als Lümmel, naja, klingt schon ein bisschen nach Erich Kästner, wenn er aus dem Schwabinger Filmstudio trat.  Mit moderner Sonnenbrille. Nein, und die stramme Linie, von Tucho bis Biermann, nun jajaj. Nein. Sie hatten Pech und eben nur sehr miserable Gegner. Wie schaut man als Feind Honeckers oder Kaiser Wilhelms schon aus? Solche Feinde färben doch enorm ab.  Gegen sie besteht nur ein Karl Valentin. Sonst ist  es am besten,  ihnen  aus dem Weg zu gehen, sonst verziert  man ihre Phrasen, Parolen und Gewaltorgien noch mit der  seltensten Tinte der Kritik.

Genauso wenig würde ich sagen, hat die alte Rechte, die ich auch ohne die Nazis denken kann,  nur gehetzt. Sieh an!! Wo etwa wäre in Jüngers Vision vom Arbeiter Hetze zu finden? Kommando und Härte und heroischer Überschall ja, vielleicht auch Konstruktion bis über die Schmerz- und Kitschgrenze. Doch Hetze, wozu?- an der Richtung bestimmte der Feind nicht mit.  Die Rechte war nie demokratisch, sie setzte verächtliche Verdikte gegen die anderen, die die Utopie der Gleichheit predigten. Sie scheiterte aber wie die Linke am Traditionalismus, an der verborgenen Religionskrankheit. Sie hatten beide, Linke wie Rechte, keinen Ursprung, also konnte ein solcher auf Dauer weder  aus ihm fortentwickelt noch bewahrt werden. Eine Fiktion, – die Moderne versus das alte Reich-  die erstarrte und dann zusammenbrach und von daher keiner politischen Rede mehr wert ist. Graue Historie, beide Leichen einbalsamiert schon lange.  Hätten die Deutschen  auf Schopenhauer gehört, auf seine Sprach-und Charakterlehre, dann hätte uns natürlich bis heute vieles erspart werden können. Ja hätte. Wir hätten begriffen, dass Demokratie allenfalls eine Idee  ist, ein Ideal, das durch seine Verwirklichung notwendigerweise  krumm, beschädigt, wo nicht gar zerstört werden muss. Klonovsky verstößt jedoch nicht gegen das Grundgesetz, da er weiß, die Demokratie ist eine Glaubensbekenntnis und sollte mit der gleichnamigen Wirklichkeit nicht einfach verwechselt werden: „:Demokratie ist eine Staatsform, die nirgendwo existiert. Das macht diejenigen so unerträglich, die ganz ohne Ironie von ihr sprechen“. Das ist schön und klar gesagt mit einem gekonnten Hieb gegen alle missbräuchlichen Politikbetreiber, und geht übrigens auf den Gusto Friedrich Schlegels zurück, für den eine Geselligkeit ohne Ironie einem barbarischen Rückfall gleichkam. . .
Schön ist es auch, wenn Michael Klonovsky  auf Gott zu sprechen kommt, an den er wohl nicht glauben kann, doch dem er als Wille, Idee und Vorstellung die größte Ehre zuteil werden lässt. Er ist beinah empört über die gläubigen Muslime, die ihren Gott Allah grob und kindisch unterschätzten.  Was haben sie nur für eine miese, kleinkarierte  Vorstellung von Gottes Größe?     .

„Der Gedanke, dass Gott, Allah, der Ewige, der Schöpfer des Himmels und der Erde, der Allerbarmer und Herr der Weltbewohner, in dessen Händen alle Schicksale ruhen, sich von den Karikaturen eines kleinen Pariser Sterblichen und Gossenzeichners beleidigt fühlen könnte, ist vielleicht die größte Blasphemie, die sich überhaupt denken lässt.“

 

 

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