als die Jünger Jesus verrieten

Heute am Gründonnerstag dachte ich wieder daran. Warum sagte Jesus beim letzten Abendmahl: „Einer unter euch wird mich verraten.“  Lag der Schock, der nun bei seinen Jüngern einschlug, in seiner Absicht? Jeder von ihnen sah sofort, dass es jeder von ihnen sein konnte, vielleicht sogar er selbst?  Jesus hat die Gesellschaft durcheinander gewirbelt, warum wollte er das? Er wusste doch, wer es sein würde.  Moment, Augenblick: Wurden sie nicht alle zu Verrätern? Petrus verleugnete ihn, die anderen flohen in alle Winde, heute am  Ölberg schliefen sie ein, während er von der größten Angst zermartert wurde.  Morgen würden die feisten Römer ihn foltern und kreuzigen, keiner der Jünger wird ihm beistehen, am Kreuz, außer Johannes und Maria, die Mutter. Dieser Szenenzyklus beginnt mit dieser Ankündigung beim Abendmahl: „ Einer unter euch..“ und dann war es eben nicht nur Judas, der seinen Verrat  bitter bereute und dann sogleich den Strick nahm.

Eine kunstvolle Geschichte, denn warum deckte Jesus nur einen Teil seines Vorauswissens auf? Wollte er erfahren, was die Jünger jetzt denken können, wusste er nicht längst, dass Denken nicht ihre Stärke war. Und außerdem: das Mahl, sollt es nicht höchstes Zeichen der Freundschaft  und Gemeinschaft sein, jetzt aber benahmen sich die Jünger wie facebook-Freunde und stieben, verwirrt  durch den Schock,  auseinander. Jeder verriet Jesus nun auf seine Weise.  Als er seine letzten Worte am Kreuz aushauchte. „Es ist vollbracht“ hörten das nur die Gottesmutter, Johannes und Maria Magdalena. Was aber ward vollbracht ? Ein Rätsel, diese Frage.  Da gehen die Deutungen und Meinungen wie wild durcheinander, und ein Deuter verrät ihn nach dem anderen.  Ein Theologe nennt den anderen Ketzer. Aus Tradition. Der Vatikan beherbergt und versteckt seit jeher ganze Banden von Verrätern. Aber die Kirche nimmt das nicht wahr und setzt sich auf eine uralte Lehrmeinung, so als wüsste einzig sie, was dieses „Vollbracht“ heißt, wie man es verstehen könnte.

Nein, dieser Jesus ist mir ein Rätsel, warum sagte er nicht gleich: Judas wird mich verraten, dann wären die anderen einig geblieben, der Schock hätte nur Judas betroffen und seinen Verrat sogar verhindert, wer weiß.  Aber das wollte er nicht, er wollte die Einsamkeit im Sterben vollbringen. Die mediokren gewöhnlichen Jünger sollten nicht dabei sein. Die Blamage am Ölberg, heute am Gründonnerstag,  gab ihnen genug zu denken, sie wollten nicht noch jämmerlicher versagen bei der Kreuzigung. Sie ließen sich entschuldigen, wie heute noch üblich.

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