Die Schrift hat keinen Sound

Der fußballweise Lehrer und Ironiker Hans Maier gibt der Sportpresse immer wieder das Gefühl, dass er sie nicht  ganz ernst nehmen kann. Er fragt: Woher wollt ihr das denn wissen, was eure Gewissheiten zu sein scheinen? Ein Gefühl, das ich gegenüberder Presse oft teile. Nicht dass ich auf die Informationen ganz verzichten wollte, viele der Printprinzen und Stars können auch manches plausibel erklären. Es wird auch niemand bestreiten wollen,  dass einige von ihnen nicht sehr intelligent und umtriebig sind. Nur die Tonlage  in den Texten, die Rechthaberei in den Urteilsgirlanden sind meistens etwas verstiegen, zu forsch und karrierebestimmt. Zu hoch angestimmt, zu krass im Klartext, der dergestalt keiner mehr ist. Sie glauben an den Sound ihrer Thesen, der betöre, aber doch gar nichts beweisen kann. Sie wollen der Leserschaft keine Ambivalenzen zumuten, keine Ironie, denn die komme nie richtig an.  Wie sähe auch eine Ironie aus, die „richtig“ ankäme?  Ist Ironie nicht grundsätzlich Zweifel am sog. Richtigen? Keine Metapher, die mehr als ein nachgeplappertes Klischee wäre, wagen sie,  denn das neue Bild  könnte prompt falsch verstanden werden. Ja, Metaphern, die nicht zünden, können sehr schief gehen, aber damit  das nicht geschieht, sondern das wörtliche Wagnis  verblüfft und glückt, darauf kommt es eben an. Doch dieses Risiko scheuen die Herrschaften, das lässt manches Hauptwort so aufgeblasen erscheinen, darin gründet die fragwürdige Existenz der Schreiber, wobei ich fragwürdig hier, wie merkwürdig wo anders, für ein gutes, fruchtbares Wort halte.

Sie glauben, wo es nicht „hammermäßig“(BILD)  zur Sache geht, verrate sich Unsicherheit, Zweifel, der die Kundschaft schwächte. Denn Denken macht traurig, das darf nicht sein. Spaß ist Pflicht. (Jede Zahnarzthelferin weiß das , ihr Job macht Spaß!!)

Auch die Vorstellung, Ironie sei leseruntauglich, leserunfreundlich, ist vermessen, denn sie zeigt, wie hoch man sich, weil so fachmännisch,  über dem Publikum dünkt.  Dabei schreibt nur der mit einiger Wirkung, der die Selbstdistanz kennt und nie ohne Gelassenheit zu Werke geht.  Das Unwissen selbst des weisen Menschen ist größer als sein Wissen.  Das weiß dieser und lädt seine sparsamen Worte mit Schweigen auf.  Die Intelligenten aber, die mit ihrem Schreiben Macht- und Karriereziele verfolgen, umgehen diesen Denkstein,  wenn sie meinen, sich das nicht leisten zu können.

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