Wer sind wir nicht, wer wieder schon

Die ehrbaren Skeptiker gegen die hohe Volksmoral: „Wir schaffen das“, finden noch nicht zur Klarheit ihrer Sprache. Peter Sloterdijk verbirgt sich hinter feuilletonistischem Zierrat, in der Zeitschrift Tumult versuchen es die Antipoden mit wissenschaftlichem Argumentationsbesteck, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass sie mit den rechtsextremen Typen nichts zu schaffen haben. Auch Safranski, der Küchenchef der Popular-Philosophie, ist etwas gehemmt in seiner medienaffinen Eloquenz. Denn man kann seinen Augen nicht gut trauen, die bisher ganz anderes zu erblicken gewohnt waren. Dieses bundesdeutsche Volk hat natürlich schon einige Moralprüfungen absolviert, wie etwa das ethische Nein zur Kernkraft. Ein dezisionistischer Volksakt avant la lettre. Auch die Lichterketten-Mode vor gut 20 Jahren entstand aus moralischer Abscheu vor der rechten Gewalt. Ferner ist nicht zu übersehen, dass große Teile des sozialen Mittelstandes schon einige psychotherapeutische Prozeduren durchlaufen haben, wo man ihnen den Rest von Thymos zu verachten lehrte. Oft schon hatte es den Anschein, in dem einst so militärisch tüchtigen Heerhaufen ist ein pazifistischer Wandel eingetreten.. Manche übertreiben natürlich und folgen der Parole: „Nie wieder Deutschland“. Das klingt verspätet, beinah linksextrem. Deutschland ist doch stark, wie sie alle sagen jetzt ununterbrochen. Wir sind der Hegemon. Mir gellt es in den Ohren. Warum hören die rechten Kräfte der ARD nicht, dass das der neue moderne europäisch verkleidete Sound des Nationalismus ist. Hauptsache: Wir sind die Größten.

Nein, nein, der moralische Konsens ist zweifelsfrei eine feine Sache, er erhebt die Gemüter. Doch wie kann es sein, dass eine Gesellschaft, die sich selbst nicht zu helfen weiß, plötzlich anderen Völkern helfen, ja sie retten will. Täusch ich mich, befand ich mich nicht bis gestern noch in der Ellenbogen Gesellschaft, die sich den Namen Spaßgesellschaft gab. ? Denn was gibt es Lustigeres, als den anderen aus seinem Job zu kippen? . Wir erinnern uns, wie einst Jörg Kachelmann auf dem Altar bei BILD geopfert wurde. Die Chefin bei EMMA durfte selbst das Schlachtmesser führen. Wir erinnern uns an die rücksichtslosen, brutalen Wunden, die die Frauenbewegung im Wesensgrund der deutschen Sprache schlug. Wir dürfen alte Bedeutungen wie Weib, wie Hexe nicht mehr aussprechen, ohne dass uns der Bannstrahl des Antirassismus sofort träfe. In der Wirtschaft wie in der Kultur herrscht eine gnadenlose Atmosphäre, in welcher die Karrieren und .auch die Bauernopfer durchkalkuliert und bestimmt werden. Nach wie vor, oberhalb der Flüchtlingskrise, wie man sagt. Über der sozialen Obergrenze. .

Und jetzt eine Wende zum Guten? Zur solidarischen Nation, zur Mobilmachung der Helfer? „helfen macht Spaß“ hör ich, entdecken urplötzlich die smartphone – Schwärme. Ich kann es noch ganz schwer erst glauben.

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s