Angela Merkels Sprache

sie hat nichts Glänzendes, auch nichts Glühendes, sie spricht nicht gerne lang, sie denkt lieber nach, – so der allgemein bekannte Anschein. Geht das denn? Ist Denken nicht inneres Sprechen, wie der Philosoph sagt? Nun gut, sie hat ja immerhin Physik studiert, das klingt in deutschen Ohren so nobel wie nichts anderes. Die Aura des göttlichen Einstein.

Ihre Sprache aber gleicht einer Kartoffelsuppe, so schlicht erfüllt sie ihren Nutzen scheinbar. An keinem ihrer Buchstaben sprüht noch ein Funke alter Transzendenz. Sie hat es mit der alltäglichsten Ausdrucksweise. „Hinbekommen“ ist eine ihrer Lieblingsvokabeln.

Sie will das auch mit den Flüchtlingen hinbekommen, sie will ergebnisorientiert mit allen anderen Europäern hart verhandeln und auch zu einer „konstruktiven Gesprächsatmosphäre“ das Ihre beitragen. Das „Ihre“ aber kennen wir nicht, das kennt nur sie. Ihr privates Gemüt schottet sie strikt ab. Nur zweimal hat sie sich sphinxisch geäußert. Darauf fiel die Medienmeute prompt herein und ließ nun ihre Fantasie ins Kraut schießen. Sylvesterkraut.

Angela Merkel meidet auch jede Redeblume, selbst wenn sie gefragt wird, wie ihr Verhältnis zur Türkei jetzt denn sei, dieses habe sich ja verändert, sagt sie nur, dass sie das Verhältnis zur Türkei als ein gutes hinbekommen will. Zur griechischen Situation, die schlimm ist, deren Elend und Bilder jeder kennt und gesehen hat, sagt sie wieder nur, dass es eine Situation ist. Kein Schmuck,nur die nackte „Situation, die Griechenland hat“ und dafür unterstützen wir sie. Sie meidet sogar das christliche Urwort helfen. Sie sagt wirklich nicht viel. Das macht sie zur Marke. Sie braucht keinen Lanz und keine Talkrunden, sie übt ihre Funktion als Kanzlerin ohne rhetorisches Ethos aus. Moralisch gibt sie sich klein und hausmütterlich ehrlich. Die Frau tut niemand unrecht, murmelt die Menge im Theater der Republik. Sie gibt sich größte Mühe. Sie weiß auch natürlich, dass Erdogan, der Türke, böse ist,  aber Realpolitik findet oft mit Bösen statt, aber sie kann in ihrer lutherischen Standfestigkeit auch in dieser dämonischen Sphäre bestehen und Vieles hinbekommen.  Sie behandelt ihre Regierungsgeschäfte wie die sachlichste Sache. Es scheint hinreichend klar geworden, sie könnte auch einen großen Autokonzern leiten. Oder hinterher, im Alter noch, die deutsche Bundesbahn sanieren.

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