Frisst die globale Welt die Deutschen?

Katastrophenstimmungen hierzulande erinnern mich immer an den Wolf und die sieben Geißlein.Sie haben noch gar nichts von der Lässigkeit und Coolness der Gurus von Big Data in sich. Big Data ist hierzulande immer noch eine Angst- und Wunsch-Vorstellung, die die Nation spaltet. Man spürt es, wenn und  wie die Wirtschaftsexperten und Politiker von der Digitalisierung reden. Sie denken, sie kriegen das  Projekt bzw. das „Problem als Chance“, wie sie gerne sagen, in den alten Bürokraten-Griff. Sie werden sich noch wundern.

Die sich forcierende Mediengesellschaft kann nicht begreifen, dass sich eine zunehmende Menschenmasse von ihr abgehängt fühlt. Sie will das Tempo der Informationsmaschinen nicht mitgehend und flieht zu alten Weltbildern zurück, die ihr Halt geben sollen, in ihrem Protest gegen die neue globalisierte Welt. Die anderen klagen: „Man kann uns den Fortschritt doch nicht zurückdrehen wollen, wir sind und bestimmen doch schon die Wirklichkeit.“ Ich nenne sie die Modernisten und Gläubigen der durch und durch technischen Zukunft, die so überzeugt klagen.. Die anderen sind vornehmlich die Alten und die Bildungsschwachen, die sich wehren und sich an den Rockzipfeln des alten Nationalismus festklammern. In ihrer Angst vor dem Untergang der deutschen Lebensart greifen einige der Protestanten zu Mitteln der Gewalt, die sie natürlich ins Unrecht setzt. Mir fallen die großen Gemälde der Alten dazu ein, die den barbarischen Bauernkrieg, verbrämt in religiösen Erzählungen überliefern. Im Wurzacher Altar erkenne ich z.B. die altdeutsche Gewalt und Unordnung.

Die Protestanten gegen die neue europäische Fiktions-Welt kommen sprachlich gegen die von der Technik Verzauberten (freaks& fans) auf keinen grünen Zweig. Umgekehrt verstehen die Modernen und Utopisten von Silicon Valley auch die alten Volksideen nicht mehr. Das Wort Zweig zum Beispiel ist ihnen zum Fremdwort geworden, sie sprechen unablässig lieber von Links und Likes und Big Data. Sie sind so weit von der geschichtlichen Vergangenheit entfernt wie jene, deren Sehnsucht nach einer alten Ordnung äußerst vage und von großem Unwissen getrübt scheint. Natürlich fanden sich sofort einige Intellektuelle, die zu neuen altdeutschen Geschichtskonstruktionen ansetzten, die jetzt verbreitet werden. Sogar via Internet. Da ist also doch eine Schnittstelle?

Die Frage bleibt vorläufig dringend: wie vermittelt man einen Diskurs zweier Glaubensrichtungen, deren Wünsche in konträren Vokabularen, außerdem von Phobien und Ängsten bestimmt sind? Sie reden notwendigerweise aneinander vorbei, wenn sie nicht bald einen Dolmetscher erhalten, der ihre konträren Weltbilder und Mythen angemessen übersetzen könnte..

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s