Spanische Poesie

Ortega y Gasset wirft einmal die fantastische Frage auf:

„ Arbeitet Gott? Denn Gott hört nicht auf zu wirken, vor allem nicht der Gott, der oberster Schöpfer ist. Waren die Schöpfungstage Arbeitstage? Macht es uns nicht den Eindruck, als ob Gott am Tage, da er auszuruhen beschloss wie ein Maurer, traurig war? „

Ortega y Gasset vermutet sogar, dass die Bibelübersetzer und Schriftgelehren uns diese Stimmung unterschlagen haben in dem heiligen Text. Sie schrieben sich mit ihren heimlichen Absichten und theologischen Spleens sofort in die Urschriften mit ein. Das provoziert den Lebensphilosophen, munter wie eh und schreiblustig fügt er dem Schöpferbild eine weitere Szene hinzu.

„ Sollte es nicht eher so sein, dass Gott nach der Erschaffung der Welt, da er nun nichts mehr zu tun hatte und der erste Sabbat herankam, sich die Brille auf die Nase setzte und ein Sonett verfasste mit dem Titel: „ Die Welt“. „

Ja, dieses Sonett muss verloren gegangen sein. Deshalb die Trauer. Gott mit Brille ist ein Seitenhieb auf die Beamten der Philosophie und eine Karikatur natürlich. Ein Signet seiner Zeit. Der Spanier zeigt uns, wie der heilige Stoff auch mythologisches Material für unsere Poesie sein kann. Die Chance, mit dem Gott der Bibel, außerhalb des Buches und seiner Übersetzer, ins Gespräch zu kommen. Das Gespräch geht vom naiven Menschen aus in der Hoffnung, dass Gott ihn verstehe.

Gott argumentiert, dass er soeben aus einer langen Resignationsphase zurückkehre. Viele seiner Religionsführer seien verrückt geworden und machtgierig. „ Immer wieder schließen sie sich Diktatoren und Gewaltmenschen an“. Es sei zum Verzweifeln, er habe soviele Hinweise— dann verschwand die Stimme wieder. ..

Gott mag verstorben sein, denkt Ortega y Gasset, da „die Massen beginnen, die geschichtlichen Zügel zu ergreifen“. Gott ist tot, wie Nietzsche es in die Welt hinein donnerte, der Glaube mag in der Masse vergrauen, das Gottes-Bild aber bleibt unsterblich.

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