Die Spaltung der Deutschen

Wer das Sagen haben will, der müsste frei reden können. Aber sie könen es nicht,nicht hier und nicht da. Ich habe jetzt lange genug dem Schwall der Reden und Erklärungen zugehört, die eine Spaltung des Landes mit viel Sprechlärm, hie und da, vertuschen soll. Worum geht es in der Sache, aber ist Sache ein angemessener Ausdruck für das Problem, dass die einen pathetisch die Hilfe für arme Flüchtlinge, die mit knapper Not dem Elend entkommen , als gute Gelegenheit nutzen, um sich vor der Welt moralisch zu rehabilitieren und auf der anderen Seite des Risses, die dem Mythos Volk anhängen. Er zieht sie an wie ein Magnet in den heidnischen Rückfall. Sie fürchten die Gefahr dass der  symbolische Begriff des einig‘ Volk zu verschwinden, abzusterben beginnt.. Unbeholfen und hochtönig bemühen sie dafür die alte Phrase vom christlichen Abendland. Jetzt, wo wir uns gerade der Aufgabe widmen, die Einheit der Nation noch einmal herzustellen, werden wir gestört, überschwemmt vom Fremden, klagen Sie. Jetzt sollen wir uns in eine andere Idee, eine Idee von Europa auflösen? In einem Staat der Minderheiten, ohne deutsche Mehrheit? Wir sollen uns von uns selbst entfremden, schon wieder? Man hört und sieht, hier steckt eine mythische stammesgeschichtliche  Sehnsucht in der Drohkulisse. Eine Kraft des Aufbegehrens, das seine Sprache sucht. Auf der anderen Seite versteht man das gar nicht. Ja, lehnt es sogar ab, das „nationalitische Zeug“ zu verstehen. Nein Danke, man dünkt sich zivilsatorisch auf einer höheren Stufe der Menschheit, man denkt modern und global und nicht wie eine Winkelratte in der Steinzeit.  Der liberale Gesinnungsadel  übersetzt den Willen nach der einigen Nation, die ja nie vollendet wurde, sofort in nazihaften Verdacht.  Man schlägt mit den politischen Säbeln zu und verwechselt das, was mit der Sache zu tun haben mag, mit der Sache selbst. Der symbolische Sog, den der Mythos Volk in den Seelen wachruft, scheint ganz und gar  unverständlich, er ist dem technokratischen Strukturen- Diskurs inkompatibel, wo das Wort Volk, beiseite gesagt, gar nicht mehr vorkommen kann. Wie klingt in den Ohren eines Herrn Kauder oder einer Frau Peter der Begriff Mythos _ Volk? Vorgestrig, völkisch, unappetitlich, bescheuert. Man erkennt die Spaltung ja schon an der Kleiderordnung, sagte mir ein Freund, der auch Beobachter ist. Die einen schick, sachlicher Chick, seriöse Garderobe bei den Herrn. Die anderen in konventioneller Freizeitkleidung, in Anoraks; übrigens,  auffällig wenig Amicaps bei den Protestanten. Am Rande des Zuges fallen einige Rüpel und asoziale Gruppen ins Auge. Stark angeheitert und mit Turnschuhen zur Bärenmütze.Grölender Plebs.

Irgendwie und trotz der sanierten Großstadtkulissen erinnert mich der Protest gegen „die da oben“ auch an die Bauernkriege. Echos aus den beiden Diktaturen höre ich in fast allen Anführer-Reden. Das etwas verstaubte Vokabular der Protestanten macht dennoch unüberhörbar: Man will in eine Ordnung zurück, die es irgendwann einmal gegeben haben muss, von der man jedoch momentan  gar keine genaue Vorstellung hat. Das alte Volk sucht seine neuen Führer. Die Moderne steht nirgends in der Rede, während sie auf der anderen Seite, in den Parteien der Humanitären, der Sozialpolitischen und Demokraten die Moderne und ihre Aufklärung unablässig beschworen wird.Ein säkulares Gebet: Wir kommen aus der Geschichte der Vernunft und der Emanzipation. Wir waren mit vollen Segeln dabei, unsere Zivilgesellschaft weiter aufzubauen, da kamen die Ausländerfeinde wegen der vielen Flüchtlinge und kündigten auf, was die modernen Technokraten Konsens nennen, . Auch in Presse und in den Medien wird deshalb mit allen Schikanen die Hymne auf die Modernität hinausposaunt und gesungen. Leichter Trotz ist darin. Es sei denn, es sind muslimische Gäste im Studio, dann dreht man das moderne Reklamegebell etwas zurück. In diesem Zusammenhang übrigens: Die Moderne und die völkische, mythische Zeit, daran erkennt man, wie wenige Dichter wir haben, die auf dieses Spaltungsproblem bisher aufmerksam machten. Und es fällt mir eine Anekdote ein, die den deutschen Konflikt vorhersah. Joschka Fischer, der Turnschuhpolitiker von einst, der auch als Volksgenosse auf der linken Seite, im Hotel International sozusagen seine Karriere begann; Fischer trank damals wie die Protestanten von Dresden für sein Leben gerne Bier. Den urdeutschen Saft.Aber nun war er Außenminister geworden und hatte  plötzlich mit den persischen Mullahs zu konferieren. Diese hassen und schmähen bekanntlich den Alkohol anund für  sich. Also sollten die deutschen Teilnehmer dieses religiösen Völkertreffens auch auf Alkohol verzichten oder ihn nur heimlich zu sich nehmen. Aber denkste, jäh  durchbrach Joschka hemdsärmelig  wie ein Thomas Münzer des Westens die Stimmung des heiligen Gral und bestellte lauthals: „ ein Pils, bitte!!“

Die Spaltung besteht in der Feindschaft zwischen den Technokraten, also den Modernisten und Globalisten und den Deutsch-Religiösen, den Bauern und den armen Leuten. In der deutschen Religion ist das Volk eine  heidnische Kraft, die durch die Anführer des Volkes entdeckt und als Wille erklärt wird.  Seit wann können Fremde da mitbestimmen? Sie können sich Gerechtigkeit nicht anders vorshtellen als in der Gestalt einer starken Nation. Mit einer Regierung, die diese starke Nation der Brüder und Gerechten andauernd anspricht, um sich zu rechtfertigen vor dem Volk. Ein Mythos erscheint wieder.

Ich denke: Die Demokratie bröckelt im Moment ein bisschen.

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