Das Theater Europa ist tot

Es lebt  nur noch das Gesellschaftsspektakel. „ die Gesellschaft ist schuld“ mit diesem einfältigen und banalen Motto haben die 68er und ihre vulgärmarxistischen Nachfolger das Theaterleben zur Strecke gebracht. Der vollkommen versiffte Geistbetrieb wird es auch durch das neuerliche Heiner Müller-Festival zu Berlin nicht wieder beleben können. Die besten Schauspieler und Regisseure haben das Theater längst verlassen und sind zum Fernsehen und zur Oper übergelaufen. (Dort wird man wenigstens anständig bezahlt.)

Aber lassen wir das. Der neuste Schrei auf der Agenda heißt Europa. Heute findet wieder ein Europagipfel statt. Nach den Euro-Miseren Europas verschreien sie jetzt das solidarische Europa. Ein Marketing-Begriff, Europa kann aber nur das alte Europa sein, der Geist von Riesen. Das verwirrt die heutigen Zwergen- Geschlechter, notwendigerweise. Sie möchten doch auch groß herauskommen. Sie reden viel von der Geschichte, die sie kaum kennen. Das heißt, sie sehen sie als unendlich großen Haufen von Fakten und Stories, die sie mit ihrem Schicksal beliebig verbinden, verkleinern und verzwergen dürfen. „Freiheit der Kunst“ nennen sie das. Die Kulurverwalter suchen immerzu und mit größtem  Eifer eine neue Ideologie, die ihr tumbes Walten rechtfertigen und legitimieren könnte, statt dass sie sich von der Schönheit und dem absurden Mysterium des Lebens verzaubern ließen. Denn Europa ist ein todmüder Kontinent geworden, der sich nur durch die Geldgeschäfte und den Medientrubel den Anschein hektischer  Lebendigkeit verleiht. Ich gehe gern drum an Sonntagen in Großstädten spazieren. Dort schläft dann unsere Fiktion der Welt. Das Strukturengerede erlebt einen Alptraum. Es ist alles gar nicht wahr. Man flieht in fremde Religionen, die meisten verschreiben sich einer Art Gesundheitstheologie und viele leben auch allein in den Super-Erfolgen des Sports. Jeder sucht irgendwo Halt, eine Haltung, die im Angebot ist und zu ihm passt. Die Politik pocht auf ihr Heil in wohlklingenden Phrasen und Begriffen der Rechte-Verwaltung. Sie kämpft um ihre Arbeitsplätze. Immer mehr Wirtschaftsexperten und Leute der IT Branche trifft man in der Umgebung der Parlamente. Wir erleben eine Blüte der Verkaufstalente und Verkaufsgenies. Europa wird verkauft, nur so scheint es weiter bestehen zu können.. Chinesen, Russen und natürlich Amerikaner bezahlen Höchstpreise für europäische Quartiere und kaufen sich in europäischen Weltkonzernen ein. Die Flüchtlinge sind nur ein Nebenwiderspruch, würden die Vulgärmarxisten sagen, während die Erdhistoriker etwas von einer Völkerwanderung raunen. Kurz: Die europäische Geschichte wird gerade in der Wolle neu umgefärbt.

In dem Riesen-Spektakel, das die Gegenwart überlärmt, sind solche Vorgänge von Übernahmen und beginnender Fremdherrschaft leicht zu übersehen. Aber man erkennt am Widerstand der neu- national Gesinnten, dass die Angst vor den Fremden einen politischen Grund hat. Das Mysterium des Volksgeistes scheint sich noch einmal zu regen, freilich spricht es in unbeholfenen alten Formeln des Völkischen, das Volk und Leute sofort nazi-verdächtig macht. Die Aufgebrachten misstrauen aber dem globalen Zirkus, sie verzichten auf ihn. Sie glauben nicht, dass alles schöner werde und besser, je vielfältiger exotischer und fremdenfreundlicher man in die Zukunft hineinlebte, offen und mit tolerantem Sinn; was immer dieses Wort bedeuten mag. Die Medien und ihre prominenten Schaufensterstars erklären dem aufgewühlten Wutbürgertum, dass die Welt zu komplex geworden sei, man könne sie nicht mehr in simplen Worten einfach wiedergeben. Drum sei Bildung so wichtig, hämmert man den Ungebildeten tagtäglich ein. Nicht nur die moderne Hausfrau, jede Oma kennt heute schon  Begriffe wie Öko-Vernunft, unsere Aufklärung, unsere Zivilgesellschaft. Das gehört alles zum Spracherwerb in der Mediendemokratie. Wer auf diesem Ohr blind ist, stürzt ab, fällt aus dem Gesellschaftsspiel in die geistige Steinzeit zurück. Zum historischen Nährboden der Nazis.

Hier verläuft eine Duldungsgrenze. Das Blut darf nie mehr alleine sprechen. Weder das Blut des Adels noch der Bürger und auch nicht das Blut von Proleten. Europa ist kein Rassebegriff. Europa kann sich nur in einer  geistigen Renaissance noch retten und neu erfinden. Es hat mit Blut und auch mit Wirtschaft allein nichts zu schaffen. Das Ideal der Wohlstandsgesellschaft überlebt freilich noch als Phrase. Doch es ist nicht mehr viel wert. Die professionellen Philosophen und Ethiker sagen das schon lange. Die Dichter aber schweigen, sie reden, schreien und flüstern viel, aber im Grunde schweigen sie. Indessen boomt die Filmindustrie schon wieder. Das ist alles kein gutes Zeichen. Die neuen Symbole einer technischen Weltanschauung sind noch in Arbeit.

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