Nicht Donald Duck, sondern Trump

Was bedeutet das wohl, wenn ein grober Clown und Sprücheklopfer amerikanischer Präsident werden will und das sogar gut möglich erscheint? Die klügsten Köpfe zerbrechen sich denselben, aber es kommt nichts anderes heraus als beruhigender Optimismus auf der einen, und apokalyptische Ängste auf der anderen Seite. Nichts Zählbares, nichts Konkretes. Die Welt steht wieder einmal oder vielleicht genauer: schon wieder vor einem Rätsel. Der superreiche Trump gibt sich als einer von unten aus, spricht als Volkstribun, der es denen da oben, den Höflingen und Verbrechern von Wallstreet, sofort zeigen wird. Der sie bestrafen wird. Der in den Irak einmarschieren lassen wird, der die laxe Toleranz gegen die Muslime im Lande beenden wird, ja der sogar den gespenstigen Staat in Nordkorea angreifen will. Ein willkommener Feind der ärmeren Amerikaner, hauptsächlich des unteren Mittelstandes, man will dort wieder Hurra schreien, einen raschen Sieg bejubeln. Wie können diese armen weißen Amerikaner, – die Schwarzen ausgenommen, – – nur an diesen simplen Hampelmann glauben? Nur weil er wie ihres gleichen redet? Das gibt ihnen die Hoffnung, dass der Aufschneider wieder die einfache klare Ordnung, auch noch in den dumpfesten Köpfen, wieder herstellen wird? Wieder? Was soll überhaupt dieses Wieder? Es ist ein Trick, es gibt kein Wieder. Erdogan möchte das osmanische Reich wieder beleben, Putin Russland als Weltmacht, und Berlusconi wollte aus Italien eine Schlagerfabrik machen, die es im Ursprung schon immer einmal war. Er hatte ständig die großen Römerromanzen aus Hollywood im Ohr. Mit Bert Lancaster und Yul Brynner. In diesen Breitwandschinken erkannte er sein politisches Weltbild. Trump ist ein anderer Clown, es sind weniger die großen Bilder, die John Wayne schon oft rechten, erzkonservativen Republikanern lieh, für ihre Siege und Auftritte—ihn inspiriert eher das Klima der Normalität etwa an einer Wursttheke, die Atmosphäre, sagen wir, wie in einem Friseurgeschäft, wo der Unernst und die Grobheit des Kalauers zu Hause sind. Trump denkt gar nicht an besondere Höhen in Wohlklang und Tonfällen, wenn er über Politik redet. Er feiert seine Hemdsärmlichkeit als natürliche Menschlichkeit. Ja, ich bin sicher auch ein Schwein, wie jeder von euch, aber das macht uns zusammen stark und zu Amerikanern wie Amerikaner immer schon waren. Wir werden aber von denen da oben, in den Vorzimmern und Zentralen von Wallstreet, seit langem schon betrogen und in unserer ursprünglichen Identität verfälscht. Diesen Spuk will Trump beenden. Er kann dabei auf jede religiöse Symbolik verzichten, er hat sich nicht wie wir ständig am Mythos, z.B. am symbolischen Volksbegriff, abzustrampeln. Er nutzt die Medien, und ihre Art, ihr Publikum in abstracto anzusprechen. Es können gerne alle, aber es müssen immer Viele sein, für die man und zu denen man redet. Das heißt komplexe Gegenstände, differenzierende Argumentation sind Gift für den Erfolg. In diesem Zusammenhang übersteigt der Skandal Trump die bloß amerikanische Phänotypik des Falls, wir spüren auch bei uns, wie eine zunehmende Masse die viel beschworene Komplexität der Dinge ablehnt, sie für nichts als eine große Lüge ansieht und auf reinem, einfachen Tisch besteht. Naturholz- Es will endlich wieder in Märchenform informiert und unterrichtet werden. Es will miterleben, wie die politischen Führer das Böse besiegen und bekämpfen. Deshalb ist nicht nur Trump in Amerika, sondern auch Putin und Erdogan sind Medien-Gestalten, die ihre Nationen und Völker verführen. Bei uns wird nur viel geredet. Auch wir brauchen auf Dauer einen Trump, sehr wahrscheinlich und sei es nur aus dem Grunde, dass die jungen Leute nicht aus Tatendrang und irr gewordener Männlichkeitsfreude nach Syrien abhauen, Köpfe abschneiden

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