Phrasen, wohin man blickt

Der Spiegel-Kritiker Georg Diez nimmt den Mund voll beim Schreiben, dass es eine kuriose Art hat.

„Ein halbes Jahr ist die Flüchtlingskrise nun alt: ein trauriges Jubiläum. Sie gibt den Blick frei auf eine Generation von Politikern, die nicht gelernt haben, wie sie Wirklichkeit konstruktiv gestalten.“

Wirklichkeit konstruktiv gestalten? Fast ein Hammer. An welche Fiktion von Wirklichkeit glauben Sie denn, Herr Diez? Er holt noch einmal aus:

„Es war in Vielem ein Abschied von der Politik als gestalterische Kraft, von der Politik, die im Glauben an ein besseres Morgen agiert, von der Politik, die einen Horizont von Möglichkeiten aufreißt. „

Die gestalterische Kraft und der Abschied, alte süß gewordene Früchte. Zerschlissene Klamotten aus der Mottenkiste.

Der alte Glaube an ein besseres Morgen. Der Schlager ist wohl nicht mehr aus der Welt zu scheuchen. Er klingt wie säkularer Salafismus. Und weil man soviel Sprüche machen kann beim Spiegel, wird er jetzt direkt und platterdings philosophisch

“Die Krise der vergangenen sechs Monate ist damit auch eine Krise des Bewusstseins. Eine kulturelle Krise, weil sie das Denken auf eine gefährliche Art reduziert hat.“

Er handelt ständig mit alten Münzen, der Diez, wie das Denken, das Bewußtsein, die Krise. Wir befinden uns dauernd im finsteren Wald.

„Was ist denn geschehen in diesen panischen, planlosen, populistischen, verlorenen sechs Monaten – außer dem Dauertremolo von sichern, verschärfen, begrenzen? Wo ist der Ansatz, diesen Einschnitt in der europäischen Geschichte zu nutzen – und besser, stärker, klüger daraus hervorzugehen?“

Ja, wo sind wir bloß hingeraten, wir hatten die Gelegenheit, einen Einschnitt in die Geschichte vorzunehmen, doch unsere Politiker benahmen sich wie dumme Hilfsschüler und verpatzen unsere Chance. Der Diez schlürft mit Riesengaloschen durch die Satzkammern der Populärgeschichte, die seinen Lesern das Gefühl von edlem Bildungswissen borgen soll. Das ist Mode, Joschka Fischer, der ehemalige Taxifahrer und Marathonstar schrieb in diesem Fahrwasser des Meinungsmäßigen ganze Dick-Bücher. Er tritt jetzt schon mit erst 68 als elder statesman im Fernsehen auf und die Meinungsmacher dort werden bald auch den Diez dazu einladen, dass er seine Diagnosen der jetzigen Zeit der großen Quote präsentieren kann. Im Gespräch mit Reimhold Beckmann.

„Es waren sechs Monate, in denen man eine gesellschaftliche und diskursive Abwärtsspirale beobachten konnte, ohne Ideen, die die Politik mit starker Stimme in das große Gespräch eingebracht hätte, das die Demokratie ist“

Er drückt , wo er kann, auf die Tube. Aber wenn die Demokratie nur ein Gespräch ist, wen interessiert sie dann noch? Auch die starke Stimme mit den Ideen ist doch ein vergammeltes Märchen. Außerdem, wo die Ideen wohnen, braucht man keine Bässe. Dort herrschte noch nie diese Genderpolitik a la Diez, den ich empfinde wie ein männliches Fräulein. .

Naja, der Diez labert jetzt noch endlos weiter und präsentiert einige seiner Lesefrüchte, darunter den Kalauer, dass der Neoliberalismus die Machtfülle der Politik angefressen habe und damit auch die Demokratie. Ich habe das sichere Gefühl: Diese Meinungsmacherei ist nichts als eine Wellnesspropaganda für gewisse Zielgruppen. Diez fordert für sie eine Art Wohlfühlpolitik. Diez ist ein Designer der Bewußtseinsmoden. Als solcher alteriert er mich nicht sonderlich, eher bloß nebenher. („Nebenhehr“ wäre noch schöner.) Seine Sätze sind nichts als Phrasenschrott. (Ähnlich der Schlaftablettenprosa der Frau „im Spiegel“ Sibylle Berg.

 

 

 

 

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