Superdeutsch

Es kommt immer mehr in Mode. Man will locker sein und nicht ständig an Goldwaagen vorbei reden müssen. Zumal die Linguisten selbst sagen, die Sprache findet ihre Norm allein im aktuellen Gebrauch. Man darf also gewissenlos flapsig drauf los reden. Das kommt wenigstens authentisch an, sagt man. Ich habe schon viele Deutschtürken so reden hören: „ich -Abitur jetzt Arzt werden ich, oder Anwalt, sagt mein Onkel.“ Natürlich, auch die Integration kennt ihre Schnäppchenpreise.  Besonders auch am IB, dem Internationalen Bund, der Bildungsinstitution, die einst von Carlo Schmid mit hehrem Bildungs-Willen gegründet worden war. Heute ein Discounterladen mit Super Zeugnispreisen. (Türkenabitur 29.80 )

Neulich hörte ich einen Sportreporter im Spiel gegen Italien sagen: „ hier bekommt der Begriff Test eine ganz andere Dimension.“ Ich habe ihn nicht verstanden, hatte keine Ahnung, mit welcher Dimension er die von ihm gepriesene vergleichen wollte. Egal, beim Fußball geht der Inhalt  sowieso zum Nulltarif. Der Inhalt ist oft wie das Freibier, nur ein gutes Zeichen sozusagen. Da wird gehüpft wie bei Lanz.  Da wird alles groß, da legt kein Mensch mehr den Finger auf eine buchstäbliche Schamlippe. Markus Lanz würdigte neulich ganz nebenbei einen St.Pauli Roman über den Mörder Honka  zweimal ausdrücklich: als „große Literatur“. Er lächelte: „Doch, das sollte man unbedingt lesen.“ Man? Ja, man liest das Zeug garantiert.

Aber nicht nur Lanz verplappert und verstottert sein Friseur-Deutsch mit kommerziellen Ideen, auch in der FAZ ist man müde, die Last des traditionellen Rufs fort und fort zu tragen. Der Kultur-Redakteur Platthaus  leiert die klassischen Kunstansprüche, anlässlich einer Romanbesprechung, so hastig herunter, als wär er gerade aus einem Nähkästchen gefallen. „ Nun geht es in einem Roman nicht um Wahrheit“  Wahnsinn, nun aber, nun nicht mehr, aber, oder? Eine Sekunde lang Spannung, dann „ aber die (Wahrheit) ist der klassischen Bestimmung des Kunstschaffens eben doch mit eingeschrieben“ — eben doch, alles klar ? (übrigens: dieses Einschreiben haben die Franzosen erfunden, bei denen sich philosophisch überall alles mögliche einschreibt. Seit Jahrzehnten.)

Und jetzt, nachdem er das mit der Wahrheit soweit geklärt habe,  setzt Platthaus die germanistische Konklusion  in den Sand seines Sounds: „ also erwarten wir neben dem Schönen und Guten auch das Wahre: als Wahrhaftiges, und das muss nun wiederum jeder Roman..“  Diese Erwartung ist wie die bekannte Augenhöhe, auf der viele Stars heute Urlaub machen. . Mit leichter Emphase  dahin gesagt, das ist nun mal so, am Guten kommt nun mal wiederum keiner vorbei, auch wenn es böse aussieht.  Seid wie ihr wollt, seid flegelhaft im Roman, kotzt das  Innerste aus, Masturbation, Postödipales, Holocausthemen, total egal, seid avantgardistisch wie bei James Joyce, zeiht eure Genitalien der Schicksalhafrtigkeit, ja, seid offen, ihr seid frei, egal was ihr seid. Am Ende aber muss bei jedem Roman wiederum  auch eingeschrieben sein, na ihr wisst schon. Lockerbleiben. Platthaus schreibt wie der Enkel eines germanistischen Opa. Er möchte flott  schreiben, zumal seine Kritik des Romans ja  für eine Werbeaktion gedacht ist, aber der klassischen Bestimmung des Kulturjournalismus  ist eben wiederum  auch eingeschrieben, sagen wir – so leid es mir tut-  ja – Entschuldigung, auch das Wahrhafte irgendwo. Zwischen den Zeilen schämt sich Platthaus auch, denn er hat nicht den Mut,  den Werbeauftrag zurück zu geben, er muss den scheußlichen Roman des Angebers irgendwie loben.

Man sieht, im Deutschen ist auf jeder Stufe, bei der Integration, im Sport, im Fernsehen, bis hinauf ins Feuilleton der FAZ,  überall ein Wurm drin.

 

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Billers Klappe

Das neue opus maximus, „Biografie“ von Maxim Biller, muss ich gar nicht lesen, auch die Rezensionen spar ich mir, ich kenne ja den Klappentext. Der sagt mir schon alles brühwarm.

Klappentext

Der jüdische Schriftsteller Soli Karubiner muss Deutschland verlassen, nachdem er in einer Sauna einen Skandal verursacht hat und ein deutscher Jungautor droht, das dabei aufgezeichnete Überwachungsvideo online zu stellen. Gleichzeitig taucht im Internet ein anderes Video auf: Es zeigt Soli Karubiners besten Freund Noah Forlani, den Hamburger Millionärssohn, der im Sudan von einer Islamistengruppe entführt wurde. Soli Karubiner und Noah Forlani sind nicht die einzigen Figuren dieses epochalen Romans, deren Leben in Unordnung gerät. Da ist Tal ‚The Selfhater‘ Shmelnyk, der israelische Elitesoldat, Friedenskämpfer und Mossad-Spion, da sind Schloimel Forlani, Noahs weiser Gangstervater, und Solis Vater Wowa, der russisch-jüdische Ex-Kommunist, der ganz allein den Sturz des Kommunismus im Jahr 1989 herbeigeführt hat. Und da sind natürlich die Frauen: Die schöne, traurige Natascha Rubinstein, die mal Noah liebt, mal Soli; die perverse Ethel, die keine Jüdin mehr sein will; und die Familien-Tyrannin Merav, Noahs klammernde Ehefrau.

Der Fluch der Ingenieure

Man hat ja weiß Gott in kürzester Zeit allerhand Theorien und Spekulationen darüber an-und aufgestellt, woher die Terrorgewalt denn eigentlich stammen müsse, und ist wie bei den Rechtsradikalen, auf den Umstand gestoßen, dass es sich bei den europäischen Konvertiten und Terrorgläubigen hauptsächlich  um sozial ausgegrenzte, im Elend herangewachsene und also von der sog. Integration kaum erfasste, junge Leute handele. Die Gegenthese ließ nicht lange auf sich warten,  im arabischen Raum seien es doch vornehmlich sehr reiche Figuren, die die Morde und Attentate organisierten und planten. Aber auch diese Beobachtung trifft weniger zu als sie selber glauben möchte. Jetzt ist eine neue Forschergruppe  zu der Ursache vorgestoßen, dem Faktum,  dass sich unter den Terrorverrückten auffallend viele Ingenieure und Techniker befänden. „Überproportional „ sei die „Beteiligung der Ingenieure an gewaltbereiten Gruppen und am religiösen Extremismus.“

Beteiligung, gewaltbereit, religiös, das klingt alles sehr zahm. Die neuen Forscher sind wohl reine Soziologen und verstehen nicht viel von Religion, bzw. vom historischen Zusammenhang von Gewalt und Religion. Vermutlich stimmen alle drei Hypothesen ein bisschen, es sind viele Arme, viele Reiche und viele Ingenieure  darunter.  Das  sind denkbare Gründe, natürlich.   Die Religion ist verfälscht, die Integration völlig missglückt und ohne technischen Hochverstand wären die Terroraktionen niemals  zustande gekommen.  Doch wird auch deutlich, welcher Preis zu bezahlen ist, dass man heute von technischen Universitäten oder Hochschule für das Ingenieurwesen  mit besten Zeugnissen abgehen kann, ohne  auch nur eine Stunde mit Ethik und Politik absolviert zu haben. Natürlich gibt es das studium generale überall, sagt man, doch wer geht da schon freiwillig hin? Junge Männer aus Arabien sicher nicht.  Sie nehmen aus Europa nur das know how und ein bisschen Konsumfreude mit und erkennen,  wieder zurück in ihren Ländern, dass ihre sog. Staaten sie längst nicht alle brauchen und zehnmal lieber Milliarden für den ideologischen Moscheen- Bau überall in der Welt ausgeben, als für sie, die gut ausgebildeten Kräfte , die in Europa und den USA moderne Technik und .deren Anwendungen studiert haben. Von der Kritik am Staat haben sie nie etwas gehört, also schließen sie sich den islamistischen Ideologen an, die den Westen für alles, und gerade auch für  ihr  Schicksal schuldig erklären. Man hat keinen Job, aber wenigstens einen Feind. Gegen diesen loszuzuschlagen, ergibt auch einen Job, für den man sich sogar noch den Willen und Segen des Allerhöchsten einbilden kann. Wir kennen den religiösen Wahnsinn aus der eigenen Geschichte gut. Noch Kaiser Wilhelm zog nicht ohne den Herrn der Heerscharen in den Krieg und der blutige Adolf sprach immer wieder von der Vorsehung, die ihn wie eine neue Pest gepackt haben muss..

Es geht unseren eigenen Technikstudenten nicht viel anders. Sie sind bald gut ausgebildete Spezialisten und an gutem Durchblick in ihrer technischen Sphäre wird es ihnen nimmer mangeln. Wir brauchen sie wirklich hinten und vorne. Sie verdienen drum gut und  müssen nicht zu den Nazis überlaufen. Doch sonst  stehen sie geistig ziemlich nackt da, ähnlich  wie der Friseur von gegenüber mit seinen täglich wechselnden Meinungskursen. An den Hochschulen und technischen Universitäten hat man die  geschichtlichen und geisteswissenschaftlichen Fakultäten einfach vertrieben und eingespart. Wie schwer die Naturwissenschaften  es einst hatten, sich gegen die Verdikte und Dogmen des christlichen Abendlandes durchzusetzen, davon  müssen und wollen  die arabischen wie die einheimischen Studenten nichts wissen, wenn sie nicht dazu gezwungen werden. Wie hart, wie viele Opfer  die Kämpfe um die Freiheit in Europa kosteten? Davon wissen die Naturwissenschaftler und Techniker heute nicht mehr viel. Es scheint ihnen auch eher unbedeutend.

Der liberale Staat .ist so blind und dünkt sich so tolerant, dass er gründliche Kenntnisse der Geschichte Europas von den Studierenden der Natur und der Technik nicht in Form eines  Pflichtexamens abverlangt. . Das rächt sich schon länger. Der Professor für Materialwissenschaft darf sich gerne heraushalten aus dem islamistischen Diskurs seiner arabischen Studenten.  Er ist erstens Atheist und ohnehin tolerant,  gegen alle Religiösen, wie er stolz versichert,  und könnte, fragte man ihn, selber nur mit knapper Not  noch erraten, dass die französische Revolution wohl im 18. Jahrhundert irgendwann stattgefunden haben muss. Schon bei der Frage, seit wann es denn einen deutschen Staat gibt, wäre er total überfragt.

So kehren die arabischen Studenten also nach einigen Semestern mit besten Zeugnissen in Sachen Ingenieurwesen  und voll des Unwissens darüber, wo sie ihr Studium zubrachten,  in ihre Heimat zurück. Dort  bleiben sie sitzen auf ihrem know how und kommen auf die wahrhaft  dümmsten und schrecklichsten Gedanken. Den Feind  töten, die Verehrung des Todes, das ist  wie beim Hitler, ihr einziger Sinn.

Sind wir im Krieg, oder wie ?

In Frankreich spricht man von Krieg, lebt folglich im Ausnahmezustand. Hier bei uns sagt man, von Krieg wolle man jetzt noch nicht sprechen, schließlich stürben auf der Autobahn jährlich auch jede Menge Leute. Wer regt sich darüber auf? Also, man möge sich beruhigen, mit seinem normalen Weiter-Leben kann jeder Bürger seinen Beitrag leisten und ein Stück unserer beliebten Freiheit verteidigen. Die Terroristen lassen wir ins Leere laufen. So ist es das Beste. Freilich, die Medien, die mästen sich am blutigen Terror, das ist naturgemäß sensationelles Futter für sie. „Ständig wird spekuliert und revidiert, geplaudert und eingeschätzt. Und oft genug gerät dabei Falsches in die News-Rotation.“ Sie heizen die Ängste auf, die wir politisch mit Ruhe bewahren und einfach Weiterleben bekämpfen sollen. –Ein Boris Rosenkranz, Kritiker bei den „Übermedien“,  meint: „Die Hilflosigkeit ist mit jedem Wort zu spüren, ganz oft, auf allen Sendern, doch die Reporter können ja nicht anders. Sie müssen reden, weil ihre Sender Strecke machen: Kanäle wie N24, n-tv oder Phoenix sind an solchen Tagen permanent live drauf. Und gerade die Privatsender berichten, wie viele Online-Medien, was ihnen dabei in die Finger kommt. „

Das klingt verständnisvoll. Sie müssen reden, zweifellos.  Ähnlich wie die sämtlichen Psychologen unterschiedlichster Strömungen, sie  raten ebenso dazu, den Feind nicht als Feind anzuerkennen. Feinde überhaupt haben wir als zivilisierte Subjekte nie mehr nötig.  Das ist zugleich unser tiefstes Integrationsproblem, das wir mit den Muslimen haben, sie brauchen noch immer einen Feind. Leider. Sie vermuten ihn oftmals insgeheim in uns, in unserer westlichen Super-Toleranz. Die finden sie eigentlich blasphemisch. Die Freiheit, Mohamed, den Propheten, zu verspotten, finden sie kriminell und überhaupt nicht wertvoll.

In den meisten Medien wird dieser Konflikt verschwiegen. Sie konzentrieren sich auf die blutigen Taten der Täter. Warum sind die so? Die Politik stellt dagegen überall Sandmänner auf, die uns  helfen, das Problem, den Krieg, wie die Franzosen offen zugeben, zu verschlafen. Im Schlaf findet der normale Deutsche immer das, was ihm tagsüber abgeht, eine Art von Besinnung. Er sagt sich, so lange die Terroristen keine Totalkatastrophe anrichten, sagen wir: mit der Bombardierung eines Kernkraftwerkes, das dann eine ganze Region vergiften würde, solange es bei hunderten von Toten bleibt im Jahr, ist es –dann wiederholt er den politischen Trost, auf der Autobahn sterben jährlich auch usw. dann dreht er sich um und schläft wie immer gut.

Die Papiertiger, die Politiker beteuern indes ständig, auch Deutschland stehe „im Fadenkreuz des Terrors“. Sie stellen deshalb immer wieder folgende Forderungen auf: mehr Polizei, mehr Personal, bessere Ausstattung, mehr Vernetzung, mehr Überwachung, mehr Datenerhebung, bessere Vernetzung und weniger Datenschutz. Da gilt im Grunde für jeden Bereich. Für die Gesundheitsfürsorge wie für das breite Leben überhaupt.

Man spürt aber doch, es schlummert eine Katastrophe unter unserem Dach. Doch wir können sie nicht erkennen, nicht fassen, sie hat etwas Imaginäres  an sich, obwohl  ihre realen Ausbrüche fürchterlich konkret sind und unsere Trauerrituale dagegen allmählich erodieren.  Dann wieder die Abwechslung, der Lärm des Tages: Wir wollen Ihnen jetzt noch mal dramatische Bilder zeigen“ wir sind das  „Live-Fernsehen pur“

Der psychische Schaden ist heute schon größer, als wenn unsere Truppen am Hauptsitz der menschlichen Teufel einmarschiert wären,  um sie zu vernichten, ins leere All zu kippen.  Aber so zu denken, das ist natürlich sehr, sehr verpönt. Man ist unter keinen Umständen für einen Krieg zu haben. Ich erinnere mich bei der Gelegenheit an einen Auftritt des Politikwissenschaftlers Michael Wolffsohn, der in einer Expertenrunde laut sagte, wie er die Lage sieht. Der IS hat 30 000 Mann, sagte er, diese 30 000 zu besiegen, – plötzlich erschienen die Teufel wie giftige Zwerge, nicht mehr als Riesen und Top-Terrorchefs-  das ist natürlich möglich, sagte Wolffsohn, man muss es nur wollen, aber man will es eben nicht.  Banges Schweigen, keiner der Experten sagte dazu einen Ton, man kam schnell auf eine andere Meinungs-Bahn.  Fand Anschluss, zum Beispiel zu den dringenden  Fragen der Diplomatie und zur Analyse  der  Ursachen hinter dem Syrienkrieg. Usw. Natürlich fehlte hinten und vorne wieder Peter Scholl Latour, der die Ursachen am besten kannte von allen. Er hat sie vielleicht sogar in sein Grab mitgenommen.

Frankreich spricht vom Krieg,  eine These, die niemand direkt bestreiten kann, aber zustimmen wollen die meisten eben doch nicht. Die Deutschen sagen, gut, das ist eine These, die kann man diksutieren,  aber wir sehen die Sache als sehr komplex an und werden weiterhin differenzieren müssen.

Ich vermute, der deutsche Michel  und seine Frau, sie schauen jetzt endlich in ihrem Hauslexikon einmal nach, was das Wort differenzieren bedeuten mag. Aber o je, das Lexikon stammt noch vor dem Krieg, da gab es das Wort noch gar nicht.  Und damals hat man doch auch gelebt und auch tiefer nachgedacht. Oder nicht? Fragt der Michel seinen Freund Hans, der aber nur mit den Achseln zucken kann.

Hi, Amerika

Hipphopp, Funk, Housemusik, Disko, Punk, schließlich klingt alles sehr ähnlich, es sind kulturwissenschaftlich gesprochen aber grundverschiedene Epochen damit gemeint, die alle wieder in die goldene Zeit von  Soul und Gospel zurückreichen. Dann kam Aids, sagt man, viele schwule und lesbische Leute starben, dazu die knallharte Politik Ronald Reagans. Er warf die Leute, vorwiegend Schwarze und Schwule,  wieder ins Gefängnis. Damit provozierte  Reagan wie bei Shakespeare ganz logisch  den Gangster-Rap. Wir in Europa haben offensichtlich gar keine Ahnung, wie Politik und Musik in den USA unmittelbar zusammen hängen. Wir lehnen uns zurück und versuchen das Ganze wegzuschieben, bei uns kommt diese Musik eh nur mehr  gezähmt als wild an, bei uns verstellt der Kommerz die Angelegenheit. Selbst unser Jazz kommt vergleichsweise akademisch daher. Europäischer Jazz klingt wie Euro-Islam. Man muss sich immer sehr anstrengen beim Hören und das Publikum ist gepflegt und oft still wie in einer Kirche. Miles Davis, der amerikanische  Stilist des Jazz hat deshalb, wenn er in Berlin oder Paris auftrat, immer mit dem Rücken zum Publikum gespielt. Es war keine Arroganz oder Abneigung, es irritierte ihn einfach die Gehemmtheit, die allzu eckige Beweglichkeit im europäischen Jazzpublikum. Ich will damit sagen, die Amerikaner sind uns fremder als wir glauben. Dadurch, dass wir ständig Billigprodukte bei ihnen kaufen und sie konsumierend  nachahmen, glauben wir, sie zu verstehen. Ein Irrtum, ich bin ja eh eher ein Mozartaner von Haus aus und von daher sonst aller Musik gegenüber aufgeschlossen, aber ich kenne natürlich nicht die zarten Verbindungslinien zwischen einer Aretha Franklin und einer Adeva. Natürlich kriegte ich in den 80er Jahren die Stimme von James Brown überall mit, aber ich hatte keine Ahnung, dass Michael Jackson in ihm sich sein Vorbild nahm.  Das habe ich nicht mitgekriegt und diejenigen, die alle Disko-, Punk- und Hipphopp  Musik usw. stärker mitmachten als ich, der ich im Grunde ein Eckensteher war, nichts sonst, die anderen  konnten mir bei all ihrer Schwärmerei diese zarten Linien zwischen den Musikern nicht erklären. Ich habe erst jetzt darüber nachgedacht, dass ich zu unaufmerksam war, zu wenig die USA bereiste, alles große Fehler in meiner Biografie. Wahrscheinlich ließ ich mich von den verschiedenen Milieus, denen ich zwar nie angehörte, aber die ich zu oft besuchte, ja bestimmt ließ ich mich von der antiamerikanischen Stimmung, die sich eine Zeit lang überall breit machte, auch anstecken. Schade, welch ein Zeitverlust. Aber man ist eben mit 20, 30,  ja 40 Jahren noch lange nicht so klug, wie man damals hätte sein können, von heute her gesehen. Ich habe erst neulich bei einem Philosophen, den ich sehr schätze, gelesen, wie es für ihn war,  in Amerika zu leben als Professor der politischen Philosophie und der Geschichte. Er dankte es seinem guten Stern, dass er viele gute Leute traf in den USA, ja dass er sogar mit Cleanth Brooks, dem Kritiker der Poesie dort,  das Englische lernen durfte. Brooks wurde sein Freund und lektorierte seine Texte, half ihm in seinen englischen Schreibstil.  ER lernte das Englische lieben wie das Deutsche.  Natürlich machte sich der Philosoph über die amerikanische Musik und Politik keine Illusionen. Er bewertete die andere Kultur Amerikas nicht, von welcher Warte aus sollte er das auch tun. Er floh ja zweimal aus Europa,  als hier die Werte vollständig zusammengebrochen sind, 38 in Wien, 68 aus München in die USA.

Als Kind und noch als Jugendlicher faszinierten mich die amerikanischen Kulturprodukte, wie die Texas Ranger, die Perry Comoshow, später dann High Noon,  die Ford und John Wyne Mythen und noch heute höre ich gerne die zarte Stimme von Elvis im Autoradio. Ich weiß auch noch wie ganz normale Deutsche, die als Jugendliche knapp der Nazihölle entronnen, durch ihre Amerikareisen  geradezu entnazifizert wurden, metaphorisch gesprochen.  Sie lasen ja keine Bücher. Und jetzt sahen sie auf ihren Amerikareisen überall Swimming Pools, unglaubliche Freizeitparks,  ein lockeres Lebensgefühl überkam sie, das sie vorher nie kannten und wie groß ist das Land weit und modern, schwärmten sie.  Überwältigend. Aber sie sahen zu Hause dann immer noch gerne die alten Ufa-Filme mit Marika Röck und Heinz Rühmann. Im engen Nachkriegsdeutschland mit seinen Insignien: Kartoffeln, Bier und Kraut trällerte Vico Toriani fröhliche Weisen und im Film blühte ein kleiner Starruhm für O.W. Fischer und Ruth Leuwerik. Doch weit und breit kein Blues. Nur ein bisschen Rock n Roll. Dann kamen die Beatles, endlich die Stones, eine Jugendrevolte brach an. Ja, den Rest kennen wir, dann die Ölkrise, die lähmenden 70er Jahre. Die Rückkehr der alten Ideologien. Vorher noch bestimmten Sartre und Adorno die Bewusstseinsmoden, die sehr düster waren.  Sartre hasste die amerikanische Außenpolitik, die er als aggresssiv und mörderisch  bezeichnete und Adorno behauptete, dass die Amerikaner keine Kultur, sondern nur eine Kulturindustrie kennen, die alle Kunst verfälsche und vernichte. Es war verwirrend. .Also las ich amerikanische Bücher, Romane und Gedichte, schaute mir moderne amerikanische Kunst an, reiste selbst nach Amerika, Jazz hörte ich ohnehin immer wieder.  Aber ich begreife allmählich, dass die Fremdheit der Amerikaner mich irgendwie berührt, ja fasziniert.

 

Das böse Spiel: die Guten und die Schlechten

Die Medien und die Presse des großen Ganzen betreiben dieses Spiel. Den Guten wird alles verziehen. Sie können nichts falsch machen. Auch ihre Irrtümer sind sympathisch.  Zum Beispiel darf der Beckenbauer sich alles erlauben, nicht nur die idiotischsten Sätze, für die er seit langem bekannt ist. Er könnte auch mit Crystel Meth erwischt werden, wie neulich der Herr Beck von den Grünen. Er bliebe unangefochten, Kaiser. Der alte Kaiser. Ein zweites Beispiel ist Maxim Biller mit seinem Judenbonus. Er darf sich sogar öffentlich mit der Wette brüsten, noch jeden Deutschen mit seiner Antisemitismus-Keule totschlagen zu können. Sein gehorsamster Diener Nils Minkmar vom Spiegel bescheinigt ihm gar: „ Den Vorwurf des Antisemitismus erhebt er mit einer gewissen Routine.“ Minkmar ist sichtlich  verlegen als sog. Literaturkritiker riskieren zu sollen,  Billers neuestes Opus Magnum zu kritisieren. Er findet es miserabel, aber er traut sich das nicht in den Zeilen selbst  direkt  zu sagen. Angst vor der Keule des Juden.

Ein drittes Beispiel ist die Göre Hegemann. Sie hatte die Frechheit, einen fremden Text als den eigenen auszugeben und wurde dabei sogar ertappt. Macht nichts, sagt man sich im Betrieb, sie darf jetzt sogar für den Spiegel  als Literaturkritikerin posieren. Niedlich naiv plappert sie über das Buch , das sie leider nicht recht verstanden hat: „ entweder ist das wirklich ziemlich komplex, oder ich bin zu blöd dafür und habe deshalb das Buch falsch verstanden, was schade wäre.“  Naja schade? Bin mir nicht sicher. Aber macht nichts, nett, girliemäßig, und sehr grotesk auch das neueste Sprach-Niveau des Spiegels.

Das sind also die Guten, aus Platzgründen hier nur die drei Beispiele dafür. Mit den Schlechten steht es umgekehrt. Sie können tun, was sie können,  doch wie sehr sie sich auch anstrengen mögen,  sie begleitet immerzu ein penetranter Verdacht und Geruch, dass sie insgeheim vielleicht doch Nazis sind. Es gilt die Devise: Enttarnen. Thilo Sarrazin ist solch ein Fall. Ihm gibt keiner gern die Hand, der Ruf eines Rassisten und Ausländerfeindes eilt ihm auch dann voraus, wenn er über ganz andere Dinge, als über Türken, Moslems oder Juden  reden will. Sondern zum Beispiel über die EU, deren Geschichte er gut und genau kennt. Denn: wo kämen wir denn hin? Man würde ja auch einem Goebbels. lebte er heute noch, niemals erlauben, öffentlich eine Attacke gegen das Magazin „der Spiegel“ zu reiten..  Requiescat in der Hölle. So die veröffentlichte Meinung, unisono. Thilo Sarrazin ist gebrandmarkt, er hat sich zu weit hinausgewagt auf die hohe See des Politischen. Er hätte viel früher wieder abdrehen müssen oder nutzte er gar absichtlich einen verbotenen Zeitwind? Eine gefährliche Stimmung?

Ein ähnlicher Schmäh der Verworfenheit und des Generalverdachts trifft Frauke Petry. Jeder populäre Fernseh-Kabarettist hat ihr schon ein paar tüchtige Ohrfeigen verpasst. Sie wird von jedem Provinz-Redakteur zum Abschuss frei gegeben.  Heute nun interviewt sie der Spiegel und gibt selbst ein Beispiel dafür, wie leicht man echte Fragen journalistisch vermeiden  und sie dafür mit Ressentiments und rufmörderischen Finten ersetzen kann. Sie ist eine persona non grata in der etablierten Politik, wie auch beim Spiegel. Frauke Petry stört einfach. Ist sie nicht doch eine Adolfine? Eine ganze Fotoseite zeigt sie in verschiedenen, sehr wohl und sehr schlau  eingeübten Gesten und Posen, –  man assoziiert sofort, eh schon wissen…-  ist sie nicht eine reine Demagogin, eine banale Weltanschaulerin, vom Schlage eines weiblichen Beuys, die vom Politischen im Grunde keine Ahnung hat? Gekonnt unfair fragt der Spiegel sie forsch,  sagen Sie erstens: was ist für Sie rechts? Und überhaupt, wollen Sie rechte Gewalt mit ihrer Politik nicht nur verharmlosen? Das Ganze  hat etwas von einem Verhör, Frau Petry muss ab der ersten Frage Verleumdungen gegen sie abwehren, sattelfest widerlegen. Das glückt ihr fast sogar ein wenig.. Nun, jedenfalls die Petry ist für den hellen Ortsteil der Gesellschaft (Gauck) out, tot, wie schon gegessen. Sie verachtet man eben. Nota bene: Jetzt hat sie auch noch einen anderen Mann geheiratet und ihre vier Kinderlein verlassen. Eine solche Rabenmutter will zu uns über Familienpolitik reden? Nein. Wehret den Anfängen. Die Petry wird ein bisschen zur Hexe aufgebaut, das könnte ihr aber sogar noch größeren Zulauf und Erfolg bringen. Fragt sich welchen Coach sie sich leisten kann? Den Medienfuchs Spreng? Der hatte ja schon Kaliber wie Stoiber und Gottschalk unter seinen Fittichen. Aber nein, der Spreng ist ihr viel zu teuer und würd es mit ihr vermutlich gar nicht machen. Aber man denke  an Alice Schwarzer, in den 70er Jahren verfemt und auch als Hexe gehandelt, heute ist sei  Stammgast bei jeder öffentlichen Show. Sie darf alles sagen, sogar gegen den Islam.  Sarrazin darf das nie mehr. Er darf nie zu Markus Lanz, der Reklamechef ist nur für gute Prominente-

Schließlich ein dritter Fall der Schmähung in dem bösen Spiel: Sarah Wagenknecht, sie tritt auf wie eine hervorragend integrierte, kluge und höfliche Ausländerin, deren schöner Ernst und  ihre klaren Argumentationen dem ganzen Publikum immer besser gefallen. Sie spricht so ehrlich scheinbar  und ihre Rede hat beinah etwas Stubenreines. Ja, sie hat etwas von einer schönen, exotischen Katze. Witz und Humor braucht sie nicht unbedingt, um dem Publikum zu gefallen, denn davon wird diesem überall sonst im Überfluss geboten. Die Medien im großen Ganzen können sie zwar nicht ignorieren, doch lauern sie ihr immerzu auf, irgendetwas an ihr stimmt nicht, sagen die seriösen Mienen, wir finden es noch heraus. Auch die kluge Sarah begleitet ein steter Verdachtsgeruch.  Die Wirtschaftsexperten zweifeln auch sehr an ihrer Kompetenz in Geld-und Steuersachen, viel zu wenig komplex, sagen sie, obschon sie in diesem Fach politische Ökonomie immer eine Musterschülern war. Sie erscheint wie eine zweite kommunistische Version der Maria Stuart, gegenüber der lupenreinen Elisabeth und Christdemokratin  Uschi van der Leyen. Die beiden in der ersten Bank hätten sich in ihrer Jugend ganz gewiss blendend verstanden. Trotz alle der meinungsmäßigen Differenzen.  Sicher hätte jede von ihnen einen eigenen Lieblingslehrer gehabt und gepflegt. Bin ich mir sicher.

Nun gut, schöne Geschichte, sagen die Zyniker bei der Hauptstadtjournaille – und auch in der übrigen Provinz- Presse, und natürlich fällt im Falle Sarah mancher harte Männerwitz  auch noch ab dabei. Klar. Aber gut, über diese Madonna gut schreiben, nein, das will dann doch keiner. So veraltet, so uralt- tugendhaft, ohne jeden weiblichen Ruch und sexappeal  können wir sie denn doch nicht auf unsere Showbühne hieven. Nein, vergesst sie, so der Tenor.

Sie wird es nie schaffen, das Publikum liebt sie, aber es kann ihr ideologisch nie ganz folgen. Es bedauert, dass sie sich nicht für eine leichtere Branche entscheiden konnte, so wie die Kathi Witt oder als Schlagersängerin. Warum wurde sie nicht wenigestens Liedermacherin, da könnte sie alle toppen, vielleicht sogar den Heino und den Karel Gott zusammen. .

Michael Klonovsky, der Aphoristiker..

Er schreibt über Dinge, deren Bedeutungsschwall er sprachlich einzudämmen sucht, reduziert und zuspitzt.   Er sucht auf kürzestem Satzweg dessen Wende, oder  die Pointe, die ihm manchmal auch großartig glückt. Oft aber dominiert die Polemik gegen den Zeitgeist, dessen Macht er manchmal überschätzt.  Dieser Unhold von Geist  ist ein Verhängnis, das sich aber ständig umkleidet, etwas Schwindendes an sich hat, wie die alten und ältesten Gespenster. Er ist wie ein Schema auch bloß, das sich bald selbst ankotzt und sich dann nur neu schminken lässt. Es wäscht sich nie, es hat keinen Leib.

Jedenfalls gibt Klonovsky mit seinen Beobachtungen und Notaten zum Tag und zur Nacht gleichsam präzise  Vorlagen zur Auseinandersetzung mit den Zeitläuften, wie wir sie gleichzeitig selber wahrnehmen können. Sein Zeitgenosse zu sein, ist eine geistreiche Ehre und Gelegenheit, die ich gerne nutze.  So sagt er einmal, zu dem  – den happy few-  ganz Offensichtlichen: „Solange sie nicht reden, könnte man sie fast für Individuen halten.“ Natürlich, sie kleiden sich wie Individualisten, sie sehen aus, als hätte sie ein Kinobetrieb soeben geboren,  als hätten  sie mehrmals schon die Vereinigten Staaten besucht, auch wenn das gar nicht der Fall war. Individualismus ist eine Fassadenfarbe, die sich jeder besorgen kann. Jederzeit erhältlich im Handel. Klonovsky meint aber noch etwas anderes, er denkt ,dass die falschen Individualisten nicht nur sich selbst, sondern auch uns – irgendwie bösartig- täuschen wollen. Einen dieser Falschmünzer beschreibt er ein anderes Mal so:

„ Seine geistige Inferiorität kompensierte er erfolgreich mit zeitgeistiger Überlegenheit“.

Diese Überlegenheit ist natürlich eine Fälschung, man hört es an der offiziösen Tonart des Begriffs: „ Zeitgeistige Überlegenheit“-Thema für Schulaufsätze, damit trifft man kein Körnchen Wahrheit, man kompensiert nur ein Defizit, eine innere Hohlheit. Karl Kraus sagt einmal, der Mensch in der Menge, gemeint wie :-„ es bilden sich Gruppen“  überall, noch heute, – dieser Mensch also  brauchte die Presse, um sich durch deren Futter selbst im eigenen Innen- soweit vorhanden-  auszustopfen. Der Horror vacui  brächte ihn sonst in den Wahnsinn.   Also kurz: dabei  kann nur Unsinn herauskommen, aber auch hier wieder das Bedrohliche. Der Unsinn ist bösartig, der Inferiore, das menschlich Niedere, der wesenlose Mensch maßt sich eine Macht an, er sagt ja zum Komplott (Kompensation)  mit dem  Zeitgeist. Er schmarotzt an ihm. Unbewusst, klar. Nie böse gemeint, nur getan.

In  Klonoskys Aphorismen schlummert ein dramatisches Genie. Er ist kein Verschwörungstheoretiker wie noch Adorno einer war, – zwar im philosophischen Seidenmantel, aber doch auch in den Wurzeln seines  höheren Kauderwelsch… – Anders Klonovsky, er  ahnt – eher als Detektivfigur- überall intrigante Zusammenhänge zwischen Dummheit und Meinungsmache. Grob und mundgeblasen. Er kreiert in dieser Opposition noch einmal alte Lebensstile für sich. Mit Einstecktuch, gutem Essen, besseren Weinen  und  im Gedenken an Egon Friedel. E. Jünger,  J. Fest  und andere vornehme Ausreißer, Kampfnaturen, Waldgänger  und  hedonistische Geister. Natürlich kommt auch Michael Klanovsky nicht ganz ohne ästhetische Dekorationsstücke aus.  Doch wo er geraden Wegs noch einmal von  „authentischen Linken“ und  „authentischen Rechten“ spricht, versäumt er  die Gelegenheit, diesen nie irgendwie irgendetwas Präzises  treffenden Gegensatz  beim historischen Wertstoffhof abzuladen und zu entsorgen. Auch der Versuch, dem antiquierten Begriffspaar  noch die Kontradiktionen von Witz und Hetze abzugewinnen, scheint mir missglückt. Die Linke war nie witzig, es sei denn, man verstände Heine ausschließlich als linken Witzbold, was ich nicht tue. Er empfand nur die Deutsch-Nationalen als die Karikatur, die sie heute wieder werden und darstellen wollen. Das Volk als Lümmel, naja, klingt schon ein bisschen nach Erich Kästner, wenn er aus dem Schwabinger Filmstudio trat.  Mit moderner Sonnenbrille. Nein, und die stramme Linie, von Tucho bis Biermann, nun jajaj. Nein. Sie hatten Pech und eben nur sehr miserable Gegner. Wie schaut man als Feind Honeckers oder Kaiser Wilhelms schon aus? Solche Feinde färben doch enorm ab.  Gegen sie besteht nur ein Karl Valentin. Sonst ist  es am besten,  ihnen  aus dem Weg zu gehen, sonst verziert  man ihre Phrasen, Parolen und Gewaltorgien noch mit der  seltensten Tinte der Kritik.

Genauso wenig würde ich sagen, hat die alte Rechte, die ich auch ohne die Nazis denken kann,  nur gehetzt. Sieh an!! Wo etwa wäre in Jüngers Vision vom Arbeiter Hetze zu finden? Kommando und Härte und heroischer Überschall ja, vielleicht auch Konstruktion bis über die Schmerz- und Kitschgrenze. Doch Hetze, wozu?- an der Richtung bestimmte der Feind nicht mit.  Die Rechte war nie demokratisch, sie setzte verächtliche Verdikte gegen die anderen, die die Utopie der Gleichheit predigten. Sie scheiterte aber wie die Linke am Traditionalismus, an der verborgenen Religionskrankheit. Sie hatten beide, Linke wie Rechte, keinen Ursprung, also konnte ein solcher auf Dauer weder  aus ihm fortentwickelt noch bewahrt werden. Eine Fiktion, – die Moderne versus das alte Reich-  die erstarrte und dann zusammenbrach und von daher keiner politischen Rede mehr wert ist. Graue Historie, beide Leichen einbalsamiert schon lange.  Hätten die Deutschen  auf Schopenhauer gehört, auf seine Sprach-und Charakterlehre, dann hätte uns natürlich bis heute vieles erspart werden können. Ja hätte. Wir hätten begriffen, dass Demokratie allenfalls eine Idee  ist, ein Ideal, das durch seine Verwirklichung notwendigerweise  krumm, beschädigt, wo nicht gar zerstört werden muss. Klonovsky verstößt jedoch nicht gegen das Grundgesetz, da er weiß, die Demokratie ist eine Glaubensbekenntnis und sollte mit der gleichnamigen Wirklichkeit nicht einfach verwechselt werden: „:Demokratie ist eine Staatsform, die nirgendwo existiert. Das macht diejenigen so unerträglich, die ganz ohne Ironie von ihr sprechen“. Das ist schön und klar gesagt mit einem gekonnten Hieb gegen alle missbräuchlichen Politikbetreiber, und geht übrigens auf den Gusto Friedrich Schlegels zurück, für den eine Geselligkeit ohne Ironie einem barbarischen Rückfall gleichkam. . .
Schön ist es auch, wenn Michael Klonovsky  auf Gott zu sprechen kommt, an den er wohl nicht glauben kann, doch dem er als Wille, Idee und Vorstellung die größte Ehre zuteil werden lässt. Er ist beinah empört über die gläubigen Muslime, die ihren Gott Allah grob und kindisch unterschätzten.  Was haben sie nur für eine miese, kleinkarierte  Vorstellung von Gottes Größe?     .

„Der Gedanke, dass Gott, Allah, der Ewige, der Schöpfer des Himmels und der Erde, der Allerbarmer und Herr der Weltbewohner, in dessen Händen alle Schicksale ruhen, sich von den Karikaturen eines kleinen Pariser Sterblichen und Gossenzeichners beleidigt fühlen könnte, ist vielleicht die größte Blasphemie, die sich überhaupt denken lässt.“