Helge Schneider -der Clown

Helge ist groß geworden und hat wie jeder Mensch, gerade als Clown, und mit Fleiß, ganz klein angefangen. Etwa mit seinem Song Katzenklo oder noch viel früher. Noch immer liebt er es, in seinen showmäßig angelegten Auftritten, scheinbar völlig Unzusammenhängendes, rein Ruinöses so aneinander zu reihen, dass tatsächlich ein Sinnersatz entsteht. Zum Beispiel neulich, als ihm ein Ehrenpreis für komische Kunst überreicht wurde, erzählte er total unverhofft, dass er Arnold Schwarzenegger einmal die Hand gegeben habe, dem berühmten Filmstar aus Hollywood-Österreich. Dabei habe er bemerkt, dass dieser Held riesengroße Hände habe, Hände so groß wie Klodeckel. Da ließ er das Publikum sofort so staunen, sodass es lieber sofort lachte. . Dann kam er übergangslos zu Helene Fischer. Diese berühmte Sängerin habe er an Sylvester gehört im Fernsehen, da es da nichts anderes gab. Leider, aber gut. Denn. Nein: Dann, er sagte Themenwechsel, und nebenbei, als er schon wieder am Klavier saß, und sein Katzenklo virtuos in alle möglichen Jazzinterpretationen hinein wirkte, hineinbrachte und dabei berühmte schwarze und weiße Stimmen nachahmte, sagte er nebenbei, – verschmitztes Aside– man merke schon, dass bei ihm, in seinen völlig unabhängigen Worten immer ein wenig Sozialkritik mitschwinge. Das Publikum war überwältigt insgeheim und schwieg . Deshalb, nein nicht deshalb, sondern weil: Als es dieses Wort Sozialkritik, das stets einen guten Klang hat und das es gut kennt und selbst oft schon für eigene, großartige Argumentationen verwandt hat, plötzlich in diesen Katzenklovariationen Helges auftauchen hörte. Natürlich nur sehr kurz, denn Helge war gleich wieder bei anderen, zufällig in seinem Kopf oder so halt herum liegenden Themen und Dingen, wenn er nicht sogar zufällig ausschließlich mit seinen Händen beschäftig war, die sich leicht verknoten, wenn er sich am Klavier nicht selten in allzu tiefgreifende , rein- artistische Höhepunkte und Hohlwege der Jazzgeschichte verlaufen hat. Ach, es kommt so viel vor in seinen Vorstellungen, es ist kaum zu fassen. Man spürt immer den verborgenen, kritischen Sinn, der alles zusammenschlägt, was von außen sich nur deshalb so chaotisch-kindlich und oft wie ein purer Ersatz von allem einst Solidem und Bedeutung Tragenden ansieht. Anfühlt. Vor allem die Sprache, doch nicht weniger die Mimik, die Gestik und – nicht zu vergessen- das Spiel, auf dem alles zusammen fällt. Und wieder aufsteht, wie in einem fremden Frieden inmitten eines Kriegs, den jeder aus seinen vielen Träumen irgendwie ahnt und kennt.

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